Erneuter Umbruch im Kader
: Racing Straßburg und das große Chelsea-Fragezeichen

Mit dem neuen Trainer Hugo Oliveira startet der französische Erstligist Racing Straßburg am Freitag in die neue Saison. Im Kader gab es erneut einen Umbruch – zudem sorgen Gerüchte vom Partnerclub FC Chelsea für Aufsehen.
Von
Felix Paschke
Straßburg
Jetzt in der App anhören
Racing Straßburg - 1. FSV Mainz 05: 16.04.2026, Frankreich, Straßburg: Fußball, Männer: UEFA Europa Conference League, Racing Straßburg - 1. FSV Mainz 05, Viertelfinale, Rückspiel, Stade de la Meinau. Die Fans von Racing Straßburg haben Pyrotechnik gezündet. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor allem die Ultraszene von Racing Straßburg sieht den Einstieg der Investmentfirma „BlueCo“ extrem kritisch.

Philipp von Ditfurth/dpa
  • Racing Straßburg startet mit Trainer Hugo Oliveira in die neue Saison in Marseille.
  • Der Klub erlebt erneut einen Kaderumbruch – Abgänge, Leihenden und hohe Einnahmen prägen den Sommer.
  • Transfers zum Partner FC Chelsea sorgen für Proteste der Ultras, auch wegen Trainerwechseln.
  • Chelsea zahlte u. a. für Emanuel Emegha und holte Valentín Barco, Straßburg erzielt hohen Überschuss.
  • Unklar bleibt, wie sich ein möglicher Verkauf von Boehlys Chelsea-Anteilen auf Straßburg auswirkt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Saison 2025/26 von Racing Straßburg war denkwürdig: In der Conference League stürmten die Elsässer bis ins Halbfinale und scheiterten nur knapp an Rayo Vallecano, zudem stand man erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten im Halbfinale des Coupe de France.

Alles bestens also rund um das Meinaustadion? Könnte man meinen – wären da nicht das Multi-Ownership-Modell, das den Straßburger Erstligisten zu so etwas wie dem Juniorpartner des großen FC Chelsea macht. Denn seit 2023 ist Racing Teil von „BlueCo“, einer Investmentfirma von Todd Boehly aus den USA.

Dieses Unternehmen ist auch beim FC Chelsea aus der Premier League involviert. Zumindest noch. Denn einem aktuellen Bericht der Financial Times zufolge verhandeln Boehly und Geschäftspartner Mark Walter über einen Verkauf ihrer Chelsea-Anteile an Clearlake Capital, den Mehrheitsaktionär des Klubs. Das Unternehmen hält demnach mehr als 60 Prozent der Anteile.

Immer wieder Transfers zwischen Straßburg und Chelsea

Bislang jedoch ist Boehly gleichberechtigt in die sportliche Führung des Premier-League-Giganten eingebunden. Zum Leidwesen von Teilen der Fans von Racing Straßburg. Denn immer wieder gab es in der Vergangenheit Transfers zwischen dem französischen und dem englischen Club.

Schwabo Powerplay
Freitag um 12.00 Uhr
Die sportlichen Highlights der Woche und die Top-Events für das Wochenende auf einen Blick.
Racing Straßburg - 1. FSV Mainz 05

Nach dem Erreichen des Halbfinals der Conference League feierte Ismaël Doukoure, indem er das Trikot von Emanuel Emegha auf die Eckfahne steckte. Der Stürmer Emegha ist mittlerweile zum FC Chelsea gewechselt.

Philipp von Ditfurth/dpa

„Spielertransfer stürzt Straßburg tiefer in die Sinnkrise“, schrieb im vergangenen September die Sportschau, als bekannt wurde, dass Emanuel Emegha zur Saison 2026/27 an die Stamford Bridge wechseln wird. Aufgrund von Verletzungen absolvierte der Stürmer in der vergangenen Saison nur 18 Pflichtspiele für die Elsässer und erzielte acht Tore.

Millionen-Einnahmen mit Transfers nach England

Im Sommer überwies Chelsea nun kolportierte 25 Millionen Euro an seinen Partner. Zudem wechselte Valentín Barco für 40 Millionen Euro zum Partnerclub aus der Premier League. Es sind Transferbewegungen wie diese, die den Ultras im Elsass sauer aufstoßen. Dass zudem im Januar 2026 Erfolgstrainer Liam Rosenior von einem auf den anderen Tag den FC Chelsea übernahm (wo er mittlerweile von Xabi Alonso abgelöst wurde), sorgte für große Proteste in der Fanszene.

„Der große Verein hat Priorität. Und wenn es bei dem schiefläuft, schaut man dort eben, welche Spieler man aus der Kindermannschaft hochziehen kann“, zitiert das Fußballmagazin „11Freunde“ einen Racing-Ultra namens Maxime. So oder so ähnlich läuft das seit 2023. Seitdem ist Racing Straßburg im ganz großen Fußball-Business angekommen. Vom märchenhaften Aufstieg aus der fünften Liga bis in die Ligue 1 spricht kaum jemand mehr.

Trainer geht und nimmt zwei Spieler mit auf die Insel

Stattdessen startet in der neuen Saison mal wieder ein personeller Neuanfang. Zahlreiche Spieler haben den Verein verlassen – entweder für viel Geld nach England oder, weil ihre Leihe vom Partnerverein Chelsea vorbei ist. Und auch der Trainer – Roseniors Nachfolger – ist nach einem halben Jahr schon wieder weg.

Gary O’Neil trainiert künftig in seinem Heimatland England den dortigen Premier-League-Aufsteiger Ipswich Town, Racing Straßburg kassierte für ihn eine Ablöse. Am Montag folgten Julio Enciso und Abdoul Ouattara ihrem Trainer – für zusammen rund 50 Millionen Euro Transfergebühr.

Großer Transferüberschuss in diesem Sommer

Die Straßburger Transferbilanz kann sich daher in diesem Jahr sehen lassen. Laut dem Portal „Transfermarkt.de“ haben die Elsässer bislang (Stand Dienstagmittag) fast 80 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet. Einnahmen von fast 120 Millionen Euro stehen bislang Ausgaben von rund 40 Millionen Euro gegenüber.

Zwei Spieler aus der Bundesliga

Unter anderem holte Racing die beiden aus der Bundesliga bekannten Spieler Giovanni Reyna (zuletzt Borussia Mönchengladbach) und HSV-Eigengewächs Fabio Baldé. Sie sind neu im Elsass – genau wie Trainer Hugo Oliveira. Der Portugiese hat die schwierige Aufgabe, den erneuten Umbruch zu moderieren.

Fabio Baldé (r): ARCHIV - 23.01.2026, Hamburg: Fußball: Bundesliga, FC St. Pauli - Hamburger SV, 19. Spieltag, Millerntor-Stadion, Adam Dzwigala (l, FC St. Pauli) und Fabio Baldé (Hamburger SV) in Aktion. (zu dpa: «Fabio Baldé wechselt vom HSV zu Racing Straßburg») Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Fabio Baldé (rechts) kommt vom Hamburger SV zu Racing Straßburg.

Marcus Brandt/dpa

„Es ist mir eine Ehre, hier in Straßburg zu sein und Teil eines so großartigen Projekts zu werden, bei dem Geschichte und Ambition perfekt miteinander verbunden sind. Ich möchte für Begeisterung sorgen, bleibende Erinnerungen schaffen und alles geben, um dem Verein dabei zu helfen, weiterzuwachsen“, sagte er zu seinem Amtsantritt Anfang Juli.

Mehrere Niederlagen in der Vorbereitung

Nach einer durchwachsenen Vorbereitung mit Niederlagen unter anderem gegen den SC Freiburg und Elversberg startet für Oliveira und sein Team am Freitagabend die Ligue 1 mit einem Auswärtsspiel in Marseille (20.45 Uhr).

Und gleichzeitig werden die Verantwortlichen in Straßburg die Entwicklungen in London sicherlich genau beobachten. Welche Auswirkungen ein möglicher Verkauf von Boehlys Chelsea-Anteilen auf den Elsässer Verein hätte, ist bislang nicht absehbar.