Nordische Kombination vor dem Aus
: Grantler: „Frenzel liest seiner Truppe die Todesanzeige vor“

In einem Interview mit der „Zeit“ macht Kombinierer-Bundestrainer Eric Frenzel deutlich, wie schlecht es um die Sportart nach dem Olympia-Aus steht. Der Grinser hat noch Hoffnung – der Grantler: nicht.
Von
Sascha Eggebrecht,
Constantin Zeyer
Baiersbronn
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Kombinierer-Trainer sieht schwarz für die Zukunft seiner Sportart - der Grantler auch.

Kombinierer-Trainer sieht schwarz für die Zukunft seiner Sportart – der Grantler auch.

Daniel Löb / dpa / privat
  • Bundestrainer Eric Frenzel warnt: In spätestens zwei Jahren endet die Kombination.
  • Nach dem Olympia-Aus fehlen Struktur, Forschung und Geld – ein ganzer Sport im Krisenmodus.
  • Ab Januar 2027 sollen zwei zentrale Institute ihre Arbeit einstellen.
  • Athleten berichten von Hoffnungslosigkeit, doch es gibt Appelle zu Ehrlichkeit und Weckruf.
  • Vorschlag im Raum: gemeinsame Serie mehrerer Nationen, um Sponsoren zu gewinnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Grantler: So, Grinser, jetzt vergeht sogar dir das Lachen. In der „Zeit“ hat er’s ausgesprochen, der Frenzel: „In spätestens zwei Jahren gibt es die Kombination nicht mehr!“ Der Bundestrainer! Der Mann, der seine Truppe motivieren soll, liest ihr gleich die Todesanzeige vor. Gratuliere, mehr Aufbauarbeit geht nicht. Da freut sich auch die Freudenstädterin Nathalie Armbruster.

Grinser: Er sagt halt, wie's ist. Die Nordische Kombination liegt im Sterben. Andere Funktionäre erzählen dir bis zum Schluss, dass der Patient nur schläft.

Grantler: Und der Geiger Vinzenz meldet ein „Gefühl der Hoffnungslosigkeit“. Na bravo. Da wird der Weltcup zum Selbsthilfegruppentreffen mit Sprungschanze.

Grinser: Ehrlichkeit ist doch nichts Schlechtes. Jetzt wissen die Athleten wenigstens, woran sie sind.

Grantler: Ja, am Abgrund. Ab Januar 2027 stellen die Forschungsstelle für Sportgeräte und das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft ihre Arbeit ein. Das heißt: Die Ski werden künftig mit Kirchenkerzen gewachst und trainiert wird nach Bauchgefühl.

Grinser: Dass es nach dem Olympia-Aus so kommt, war absehbar. Neu ist doch nur, dass es einer laut ausspricht. Aber wer erst reagiert, wenn die Lichter ausgehen, darf sich über die Dunkelheit nicht wundern.

Grantler: Absehbar, genau! Alle haben’s gewusst, alle haben genickt, und jetzt stehen die Verbände da wie der Ochs vorm Berg. Sogar die Konkurrenz weiß laut Frenzel nicht, wie es weitergehen soll. Ein ganzer Sport im Blindflug.

Grinser: Vielleicht ist das ja ein Weckruf. Wenn mehrere Nationen im selben Boot sitzen, könnten sie gemeinsam eine eigene Serie auf die Beine stellen. Mit einem vernünftigen Konzept lassen sich vielleicht auch Sponsoren gewinnen. Denn ganz ohne Geld wird’s nicht gehen. Aber hier passt mal wieder mein Lieblingsspruch: Aufgeben ist kein Geschäftsmodell.

Grantler: Pffffffffff! Wer sponsert denn eine Sportart, deren Athleten schon den Abgesang anstimmen? Das ist, als würde ich dem Wirt noch einen Kredit geben, nachdem er mir seine Pleite angekündigt hat.

Grinser: Du bist und bleibst ein Miesepeter. Die Kombination hat Tradition, Fans und echte Typen. Und Frenzel hat selbst alles gewonnen. Der weiß, wofür er kämpft.

Grantler: Mit seinem Spruch vermittelt er aber den Eindruck, als wäre ein Kampf sinnlos. Am Ende zählt, wer zahlt. Und wenn keiner zahlt, bringt dir auch die schönste Tradition nichts. In zwei Jahren erzählen wir unseren Enkeln von der Kombination wie vom Telefon mit Wählscheibe.

Grinser: Ich bräuchte erst mal Kinder, bevor ich Enkel haben kann. Und: Totgesagte laufen länger. Notfalls im Skating-Schritt.

Grantler: Na schön. Wenn du recht hast, zahl’ ich dir ein Weißbier. Aber wehe, du grinst dabei.

Grinser: Ich grinse immer. Ist schließlich mein Job.