Jan Ulllrich und Lance Armstrong – die Duelle
: Triumphe, Fairplay, Doping, Skandale, Freunde und nun Bad Dürrheim

Erst der sportliche Olymp, dann nach Dopingbetrug der Absturz ins Bodenlose. Anklagen, Skandale, Sperren – statt in Gelben Trikots in den Sportgazetten strahlend sorgen Jan Ullrich und Lance Armstrong nach dem Ende ihrer Karrieren für viele negative Schlagzeilen in der Boulevard-Presse. Nun kommt es in Bad Dürrheim zum Wiedersehen.
Von
Gunter Wiedemann
Oberndorf
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Damals Rivalen, heute beste Freunde: Lance Armstrong (links) und Jan Ullrich.

Gero Breloer

Aus Sportikonen und Vorbildern, deren Duelle vor allem bei der Tour de France Millionen Fans am Rand der Straßen und vor den Bildschirmen begeisterten, waren Betrüger, Täter, ja Verlierer geworden. Lance Armstrong meinte im November 2023: „Diese Erfahrung verbindet uns, vor allem aber, dass wir unser Bestes geben mussten, sie zu überleben. Aber hier sind wir nun: Überlebende.“ Jan Ullrich sagte im gleichen Interview dem „Zeit-Magazin“: „Wir wissen, was ganz oben im Sport mit dir passiert. Gemeinsam haben wir natürlich auch, was mit uns passierte, als es nach unten ging.“

Längst sind die früheren Rad-Ikonen Freunde geworden. Bevor Jan Ullrich (51) und Lance Armstrong (53) beim „Jan Ullrich Cycling Festival“ am 17. und 18. Mai in Bad Dürrheim nach vielen Jahren wieder gemeinsam bei einem Rennen starten, blicken wir auf die epischen Duelle der langjährigen Rivalen.

2000

Im Jahr 2000 kommt es bei der Tour de France erstmals zum Gigantenduell. Armstrong tritt als Titelverteidiger an, Ullrich (Team Telekom) will nach seinem Sieg 1997, als erster und bis heute einziger Deutscher, wieder bei der „Großen Schleife“ zuschlagen. 1999 hatte eine Knieverletzung einen Start bei der Frankreich-Rundfahrt verhindert.

Bereits früh legt der US-Amerikaner in den Pyrenäen den Grundstein zu seinem zweiten Tour-Sieg. Ullrich wird zum dritten Mal Zweiter der Gesamtwertung, hat am Ende gut sechs Minuten Rückstand auf Armstrong.

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Freitag um 12.00 Uhr
Die sportlichen Highlights der Woche und die Top-Events für das Wochenende auf einen Blick.

2001

Ein Tag für die Rad-Geschichte. Am 17. Juli 2001 haben sich Ullrich und Armstrong bei der schweren Bergetappe hinauf nach L’Alpe d’Huez viel vorgenommen. Der US-Amerikaner täuscht mit schauspielerischem Geschick Müdigkeit vor, Ullrich lässt seine Teamkollegen ein hohes Tempo fahren.

Seltenes Bild bei der Tour: Jan Ullrich fährt vor Lance Armstrong.

/Gero Breloer

Am legendären Anstieg nach L’Alpe d’Huez schaltete Armstrong, der zuvor Ullrich tief in die Augen geschaut hatte, drei, vier Gänge hoch. Nach dem „The Look and The Bluff“ lässt Armstrong seinen deutschen Kontrahenten einfach stehen. Wieder triumphiert in Paris der Nordamerikaner, wieder springt für Jan Ullrich Platz zwei heraus.

2002

Während Armstrong erneut die Tour dominiert, sorgt Ullrich für andere Schlagzeilen. Autounfall unter Alkoholeinfluss in Freiburg, Knie-Operation, Absage der Frankreich-Rundfahrt, Führerschein-Entzug für ein Jahr, positive Dopingkontrolle (Amphetamine) und dann eine Sperre bis zum 23. März 2003 durch den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wegen „Medikamenten-Missbrauchs“ – es ist ein Jahr zum Vergessen.

2003

Jan Ullrich – nun beim Team Bianchi – will es wieder wissen. Der Deutsche gewinnt nicht nur ein Zeitfahren, sondern fordert Lance Armstrong bis zum Schluss.

Dieser hat am Ende nur gut eine Minute Vorsprung auf Ullrich, der zuvor großen Sportgeist bewiesen hatte.

Ullrich hatte nach einem Sturz seines großen Rivalen gewartet. Die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) ehrt später Jan Ullrich dafür mit der Fair-Play-Plakette des deutschen Sports. „Im hart umkämpften Duell um den Toursieg hat Jan Ullrich keinen unfairen Vorteil aus dem Missgeschick seines sportlichen Gegners gezogen“, begründet DOG-Präsident Hans-Joachim Klein damals die Entscheidung.

2004 und 2005

Ein gesundheitlich angeschlagener Jan Ullrich (T-Mobile) landet 2004 beim erneuten Sieg von Lance Armstrong bei der Tour de France auf dem vierten Platz. Bei der Tour de France 2005 wird Ullrich in der Gesamtwertung Dritter. Dieser Podestplatz wird später aberkannt. Armstrong holt seinen siebten Toursieg. Zum letzten Mal hatte dieses Gigantenduell die Radsport-Welt elektrisiert, Armstrong und Ullrich waren echte Weltstars. Doch längst machte auch das Wort Doping die Runde.

Im Jahr 2012 streicht der Weltverband UCI alle Tour-Triumphe des US-Amerikaners (US Postal/Discovery Channel) nach einem der größten Doping-Skandale der Sportgeschichte endgültig aus den Siegerlisten. Jan Ullrich darf seinen Tour-Sieg von 1997 dagegen behalten.

2006

Die Frankreich-Rundfahrt wird von Doping-Skandalen überschattet. Einen Tag vor Beginn der Tour wird Ullrich von seinem Rennstall T-Mobile suspendiert. Er soll in die Doping-Affäre um den spanischen Gynäkologen Fuentes verstrickt sein. Es ist nicht nur das Karriereende des langjährigen Sporthelden, sondern auch der Start von weiteren nichtsportlichen Eskapaden.

2005 hat Lance Armstrong wieder die Nase vorne. Es ist das letzte Aufeinandertreffen der beiden damaligen Weltstars bei der Tour de France.

/Srdjan Suki

Die folgenden Jahre

2013 offenbart Armstrong nach langem Leugnen schließlich seine Doping-Vergangenheit, erst zehn Jahre später folgt das Geständnis von Ullrich. Nach dem tiefen Fall – Alkohol, Skandalen und einer Psychiatrie-Einweisung – ist es im Sommer 2018 ausgerechnet der frühere Rivale, der dem mehrfachen Tour-Zweiten wieder aufbaut. „Er braucht unsere Unterstützung“, schreibt Armstrong nach einem Besuch. In der Folge festigen Ullrich und Armstrong die Freundschaft.

Und nun kommt es 20 Jahre nach dem letzten Gigantenduell bei der Tour de France in Bad Dürrheim beim „Jan Ullrich Cycling Festival“ am 17. und 18. Mai zum Wiedersehen. Beide haben sich sicher viel zu erzählen.