Handball-Weltmeister im Gespräch
: Torsten Jansen und sein „ganz besonderes Verhältnis“ zum HBW-Coach

InterviewVor dem Bundesliga-Spiel beim HBW Balingen-Weilstetten spricht Hamburgs Trainer Torsten Jansen über die gemeinsame Zeit mit seinem ehemaligen Zimmerkollegen Matti Flohr und was er am Sonntag in Balingen erwartet.
Von
Felix Paschke
Balingen/Hamburg
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Kennen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten: Matti Flohr (links) und Torsten Jansen. Am Sonntag stehen sie sich als Cheftrainer in der Bundesliga gegenüber.

Kennen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten: Matti Flohr (links) und Torsten Jansen. Am Sonntag stehen sie sich als Cheftrainer in der Bundesliga gegenüber.

IMAGO/Oliver Ruhnke

Beim HSV Hamburg prägten Torsten Jansen und Matthias „Matti“ Flohr die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte mit. Gemeinsam wurden die beiden Deutscher Meister 2011, gewannen die Champions League, zweimal den DHB-Pokal und triumphierten im Europapokal der Pokalsieger.

Mittlerweile sind die damaligen Zimmerkollegen als Trainer aktiv. Flohr coacht den HBW Balingen-Weilstetten, der 2007er-Weltmeister Jansen steht seit 2017 in Hamburg an der Seitenlinie und führte den Club aus der dritten in die erste Liga zurück.

Am Sonntag (18 Uhr/Dyn) ist Jansen mit dem HC Hamburg beim Bundesliga-Auftakt zu Gast beim Aufsteiger aus Balingen. Wir haben vor dem Duell mit dem 49‑jährigen HCH‑Trainer gesprochen.

Herr Jansen, mehr als zehn Jahre haben Sie zusammen mit Matti Flohr in Hamburg gespielt. War damals schon absehbar, dass Sie sich mehr als ein Jahrzehnt später als Cheftrainer in der Bundesliga wiedersehen würden?

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Nein, das war bei uns beiden eigentlich nicht absehbar. Daran sieht man, dass im Sport vieles nicht planbar ist. Aber deswegen ist es umso schöner. Es freut mich sehr für Matti, dass er das auch schaffen durfte. Mit der Mannschaft selbst aufzusteigen, das ist schon was Besonderes.

Wie ist denn der Kontakt zwischen Ihnen und Matti Flohr?

Ich will behaupten, wir sind Freunde. Ich denke, er würde das wahrscheinlich genauso sagen. Das müssen Sie ihn aber selbst fragen. Wir haben regelmäßig Kontakt – nicht nur über Handball, sondern auch über andere Dinge. Wenn wir telefonieren oder uns sehen, kommt es mir immer so vor, als wäre es gestern gewesen, dass wir uns gesehen hätten. Auch wenn wir wissen, dass es nicht so ist. Ich glaube, wir haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander, und das freut mich.

War denn auch das Spiel am Sonntag schon Thema zwischen Ihnen beiden?

Nein, wir haben uns eigentlich nur über die Videos ausgetauscht – also über die jeweiligen Vorbereitungsspiele, die wir jeweils absolviert haben. Die wurde dann dem anderen zur Verfügung gestellt.

Wird es am Sonntag ein anderes Gefühl sein, wenn Ihnen auf der anderen Seite ein Freund gegenübersteht? Kann man das in den 60 Minuten komplett ausblenden?

Ich glaube, wir wissen beide, dass das natürlich eine besondere Konstellation ist. Es ist aber auch nicht das erste Mal und sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir uns in einem Spiel gegenüberstehen. Das werden wir dann wahrscheinlich sehr professionell machen.

Trainer Torsten Jansen vom HSV Hamburg: ARCHIV - 22.12.2024, Hamburg: Handball, Bundesliga, HSV Hamburg - SG Flensburg-Handewitt, 16. Spieltag, Barclays Arena. Hamburgs Trainer Torsten Jansen coacht sein Team an der Seitenlinie. (zu dpa: «Flensburg verliert Berlin – Kiel mit schwächster Saison») Foto: Axel Heimken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Steht seit 2017 in Hamburg an der Seitenlinie: Torsten Jansen.

Axel Heimken/dpa

Gibt es schon Pläne für ein Treffen vor oder nach dem Spiel?

Ich weiß noch nicht, wann wir ankommen werden. Wir fahren ja mit dem Bus – da hängt es davon ab, wie wir da durch den Verkehr kommen. Ob es dann abends noch was wird, weiß ich nicht. Aber wir werden uns mit Sicherheit dann noch vor dem Spiel sehen. Wann und wie genau, kann ich jetzt noch nicht prognostizieren.

Was erwarten Sie denn für ein Spiel am Sonntag in Balingen?

Es ist ein Bundesligaspiel – und Balingen hat eine tolle und gute Mannschaft. Das hat man schon in der vergangenen Zweitligasaison gesehen und auch jetzt in der Vorbereitung. Natürlich erwarten wir ein sehr, sehr schweres Auswärtsspiel bei einer kämpferisch und spielerisch starken Mannschaft.

Was trauen Sie dem HBW in der Bundesliga zu?

Das jetzt zu bewerten, liegt mir fern. Ich sehe das so: Für uns ist Balingen der nächste Gegner, und der ist genauso schwer wie jeder andere Gegner in der Bundesliga. Natürlich können sie alles schaffen, was sie sich vornehmen. Die Ziele sind nicht übertrieben hoch, und sie wissen, dass sie alles reinlegen müssen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das müssen allerdings viele andere Mannschaften auch. Dazu gehören wir vor allen Dingen am Anfang. Wir wollen sehen, dass wir punkten. Deshalb mache ich mir weniger Gedanken über mögliche Platzierungen oder darüber, was ich irgendwem zutraue. Wir wollen dieses wichtige erste Bundesligaspiel erfolgreich gestalten. Gleichzeitig wissen wir, dass wir das Ganze mit wahnsinnig viel Respekt angehen werden. Jeder Gegner möchte seine Spiele gewinnen.

Mit welchen Zielen gehen Sie selbst in die Saison? Gibt es ein Saisonziel?

Wir kennen die vergangenen Jahre. Wir sind auch dieses Mal nicht mit wahnsinnigen Neuverpflichtungen in die Saison gegangen, sondern müssen genau schauen, was wir finanziell machen können. Dazu kommen Abgänge von Spielern, die uns viele Jahre begleitet haben und Stützen unserer Mannschaft waren. Wir müssen deshalb erst einmal wieder dahin kommen, eine gewisse Selbstverständlichkeit zu entwickeln. Gleichzeitig bietet das auch neue Chancen für die Spieler, die gekommen sind, ihren Wert für die Mannschaft zu zeigen. Letztendlich müssen wir aber erst einmal punkten und uns so schnell wie möglich aus den unteren Tabellenregionen verabschieden. Dann können wir vielleicht schauen, ob wir weiter nach oben klettern. Ein konkretes Saisonziel auszugeben, wäre zum jetzigen Zeitpunkt, glaube ich, wirklich vermessen.

Abschließend noch eine Frage an Sie als langjährigen Spieler und Trainer in Hamburg. Haben Sie sich schon an den neuen Vereinsnamen gewöhnt?

Das wird noch ein bisschen dauern, aber ich bin auf einem guten Weg, denke ich.

Seit 2017 Trainer in Hamburg

Seit dem 29. März 2017 ist Torsten Jansen Trainer der Hamburger Handballer. Er übernahm den HSV Hamburg damals in der dritten Liga – und führte den Verein innerhalb weniger Jahre zurück in die Bundesliga. In der Saison 2020/21 wurde Jansen mit dem HSV Meister der 2. Bundesliga. Seitdem spielt der Deutsche Meister von 2011 wieder in der stärksten Liga der Welt und hat sich dort etabliert.

Jansen spielte von 2003 bis 2015 in Hamburg, fast die gesamte Zeit über gemeinsam mit Matthias Flohr. Während Jansen zur Saison 2015/16 zum THW Kiel wechselte, blieb Flohr noch beim HSV. Im Januar 2016 meldeten die Hamburger jedoch Insolvenz an. Flohr wechselte daraufhin zur Rückrunde nach Dänemark. Im Sommer 2016 ging er dann zum HBW, wo er 2019 seine aktive Karriere beendete und Co-Trainer wurde.