Fußball-Landesliga: Interview: Weils Knab: „Weiß nicht, was Maxi sich dabei dachte“

Perseus Knab
zVg/SV Weil2006 wurde er zum Sportchef gewählt. 20 Jahre sind eine lange Zeit. Vor allem im Fußball. 20 Jahre lang sorgte Perseus Knab dafür, dass der SV Weil im Aktivbereich zu den besten Vereinen der Region zählte. 20 Jahre voller Emotionen, Siege, Niederlagen und im Zeichen des runden Leders.
Nun steht das letzte Saisonmatch des SVW in der diesjährigen Landesliga-Runde auf dem Programm. Es ist das letzte Kapitel für den 54.-jährigen in dieser Funktion.
Sie schließen nun das Buch als Sportchef. Nach 20 Jahren an dieser Stelle. Wie ordnen SIe das für Sie persönlich ein?
Tatsächlich habe ich das Amt bereits an der Generalversammlung am 13. Mai abgegeben. Die Übernahme der Aufgaben durch Jens Vogtsberger verlief geräuschlos und hat auch schon Wochen zuvor begonnen. Wehmut, so viel kann ich sagen, ist bis jetzt keine aufgekommen.
Die Entscheidung ist länger schon gefällt. Sie ziehen sich zurück aus dem sportlichen Bereich? Warum eigentlich?
Die Lust und die Motivation auf den Platz zu gehen und immer Präsenz zu zeigen, hat zuletzt doch rapide nachgelassen. Das Desinteresse von vielen, etwas im Verein zu bewegen, hat mich zunehmend genervt. Ich habe immer mehr Aufgaben übernommen. Und ja, auf die Spielergespräche verzichte ich gerne…
Was hat sich in dieser langen Zeit Ihres Engagements verändert?
Die digitalen Spielerpässe und der elektronische Spielbericht sind eine große Erleichterung für die Funktionäre. Früher musste man die Namen auf dem handgeschriebenen Spielberichtsbogen erstmal entziffern. Allgemein ist alles schneller geworden. WhatsApp erleichtert da vieles. Alle Infos werden ganz einfach in die Mannschaftsgruppe gepostet. Für manche Kollegen geht das fast schon zu schnell, und so verwechseln unsere Betreuer gerne einmal die Gruppen. Und den Kontakt zu einem interessanten Spieler herzustellen, ist mittlerweile auch kein großes Problem mehr - dank Instagram und Facebook. Früher ging es teilweise schon etwas länger, bis man mal die Telefonnummer eines Kandidaten herausbekommen hat.
Was vermissen Sie? Oder anders: Was war früher besser?
So viel hat sich da eigentlich nicht verändert. Spontan fällt mir aber ein, dass früher die Leute mehr als rechtzeitig zum Training kamen. Schon 20 Minuten vor dem Trainingsstart war die erste Maschine (Fünf-gegen-Zwei) voll besetzt. Ach ja, und die Sache mit der Absage des Trainings. Früher musste der Trainer noch angerufen werden, wenn man nicht kommen konnte. Heute kommt ein Textnachricht - da ist die Hemmschwelle natürlich nicht so hoch.
Gibt es eine Anekdote, an die Sie sich sofort und immer wieder erinnern?
Da gibt es wirklich einige. Eine trug sich im Dezember 2005 im Heimspiel gegen den FC Denzlingen zu. In der 85. Minute war viel Betrieb in unserem Strafraum und nach Klärung der Situation haben sich Thomas Schwarze und unser Torwart Thorsten Sparr angeschrien. Thommy wurde es dann zu blöd, er hat Thorsten an die Brust gestoßen. Der ließ sich fallen, woraufhin der Schiedsrichter das Spiel unterbrach und Thommy die Rote Karte zeigte. Wir haben 1:0 gewonnen, Joni Said traf in der Nachspielzeit, aber das Ergebnis war nach dem Schlusspfiff eh Nebensache.
Sie haben mit vielen Trainern gearbeitet. Gibt es einen oder mehrere, die Ihnen besonders imponiert haben und warum?
Maximilian Heidenreich hatte als ehemaliger Bundesliga-Profi natürlich einen enormen Erfahrungs- und Wissensschatz. Da hörte man natürlich gerne zu. Er hatte eine gewisse Aura, da gab es auch wenig Widerworte seitens der Spieler. Meinen Hut ziehe ich aber vor allen: Lothar Silfang, Marco Schneider, Mathias Chrobock, Kurt Schwald, Tobias Bächle und Andreas Schepperle. Alle haben ihre Spuren im Nonnenholz hinterlassen.
Was war Ihr schönstes sportliches Erlebnis?
Das waren die Relegationsspiele zur Oberliga gegen den VfR Mannheim im Jahr 2011 und der Verbandsliga-Aufstieg 2019 nach dem tollen 6:1 beim SC Durbachtal - das waren große Momente. Aber auch die Bezirksliga-Meisterschaft mit der Zweiten im Jahr 2014 oder der Kreisliga A-Titel 2007 mit der Dritten waren schöne Erfolge, die ich nicht vergessen werde.
Und was das enttäuschendste?
Ganz klar. Unsere Niederlage im Verbandspokal-Finale gegen den FC Teningen natürlich. Kalt war es, der Rasen in Bötzingen viel zu hoch und unsere Aufstellung nicht nachvollziehbar. Ich habe wirklich keine Ahnung, was Maxi Heidenreich sich dabei dachte. Mit Kassem-Saad, Schäuble und Bibbo saßen gleich drei gute Offensivkräfte auf der Bank. Und Keven Hill stand im Tor, dabei hatte er die Spiele zuvor gar nicht gespielt. Und trotzdem gingen wir in Führung durch Eike Elsasser. Doch ein Tor kurz vor der Halbzeit und eines gleich danach waren der Killer. Von diesem Schock erholten wir uns nicht mehr. Und weg waren die 100 000 Euro plus x. Und dann bekam Teningen in der ersten DFB-Pokalrunde auch noch den FC Schalke 04 zugelost. Da wird mir heute noch flau im Magen.
Sie übergeben Ihr Amt an Jens Vogtsberger. Ist er genau der richtige Mann dafür?
Absolut. Auf so einen Mann habe ich lange gewartet. Schon mit seinem Papa Bernd habe ich mich damals bestens verstanden: Gott habe ihn selig. Jens ist ebenfalls total fußballverrückt, seriös, verlässlich und kennt sich in der lokalen Fußballszene bestens aus. Und er hat auch das richtige Alter für die Jungs. Nur eins kann ich schon jetzt nicht mehr hören: „Damals beim TuS, da…“
Sie wechseln in den Hintergrund, bleiben dem Verein aber erhalten.
Das stimmt. Wir haben beim SVW eine neue Satzung verabschiedet. Wir haben jetzt fünf Ressorts und zu jedem wurde ein Vorstand gewählt: Sport: Jens Vogtsberger, Jugend: Tobias Glasow, Organisation & Verwaltung: Marco Kern, Öffentlichkeitsarbeit & Sponsoring: Lukas Eggs, Finanzen: das mache ich.
Was wünschen Sie sich für das letzte Meisterschaftsspiel der Saison?
Ich wünsche mir einen Sieg. Damit wären wir sicher die bestplatzierte Mannschaft vom Hochrhein in der Landesliga. Das wäre ein halbwegs versöhnliches Ende nach einer vollkommen verkorksten Rückrunde.