FIFA-Chef: Brisante Infantino-Befragung: Entschuldigung ohne Erklärungen

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht wegen seiner Führung und geplanter Reformen unter Druck (Archivfoto).
Bradley Collyer/PA Wire/dpa- Infantino bat beim FIFA-Council um Entschuldigung, ließ zentrale Fragen offen.
- DFB-Chef Neuendorf: viele kritische Fragen, keine befriedigenden Antworten.
- UEFA kritisiert Nähe zu Trump und den gescheiterten Investorendeal – Vertrauen verloren.
- Arbeitsgruppe zu Reformen beschlossen, ohne Zeitplan; Infantino soll sie nicht prägen.
- Gegenkandidat für die Wahl in Rabat fehlt noch, Name Wenger kursiert in Medien.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach der brisanten Befragung von Gianni Infantino trat Bernd Neuendorf die Heimreise ziemlich ernüchtert an. „Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben“, sagte der „ein bisschen enttäuschte“ DFB-Chef nach der rund dreistündigen Sitzung des FIFA-Councils am Donnerstag in Zürich.
Er habe nicht das Gefühl gehabt, „dass die FIFA oder der Präsident bereit waren, zu kritischen Fragen dezidiert Stellung zu nehmen, was seine Rolle betrifft in den verschiedenen Vorgängen“, sagte Neuendorf. Es sei darauf hingewiesen worden, dass offene Fragen „möglicherweise noch schriftlich“ vor der nächsten Council-Sitzung im Dezember in Doha beantwortet würden.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) steht nicht nur wegen seiner Nähe zu US-Präsident Donald Trump in der Kritik (Archivfoto).
DAN MULLAN/afpInfantino entschuldigte sich beim ersten Aufeinandertreffen mit seinen Gegnern seit dem Ausbruch des Machtkampfes für sein Vorgehen rund um den gescheiterten Investorendeal. Seine Kritiker besänftigte dies kaum – sie fordern weiter seinen Rückzug. Das Vertrauen sei nach den Ereignissen rund um die WM „vollständig verloren gegangen“, führte Neuendorf aus.
UEFA kritisiert Infantinos Nähe zu Trump
Die Council-Mitglieder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hatten im Vorfeld mehrere brisante Punkte auf die Agenda gehoben: darunter Infantinos Vorhaben, Anteile an FIFA-Turnieren an Personen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen, die Verleihung des FIFA-Friedenspreises an Trump oder der „Fall Balogun“ bei der WM.
Die englische Verbandschefin Debbie Hewitt teilte mit: Infantino habe „durchaus reumütig“ geklungen, an ihrer Haltung habe sich aber nichts geändert. „Ich habe keine neuen Informationen erhalten, die mich meine Haltung anders beurteilen lassen als vor der Sitzung“, sagte die 63-Jährige.
Beschlossen wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit möglichen Reformen im Weltverband beschäftigen soll und auf einen Vorschlag des asiatischen Verbandschefs Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa folgt. Für diese gebe es keinen Zeitplan, Infantino dürfe aber nicht „derjenige sein, der in einer solchen Arbeitsgruppe jetzt neue Maßstäbe setzt“, betonte Neuendorf ausdrücklich.
Wenger als möglicher Gegenkandidat zu Infantino gehandelt
Infantino war infolge seines gescheiterten Investorenvorhabens unter Druck geraten. Er stellte unlängst Reformbereitschaft sowie Auszahlungen aus den FIFA-Reserven an die Mitgliedsverbände in Aussicht. Einen Gegenkandidaten der UEFA für die Wahl im März 2027 in Rabat/Marokko gibt es noch nicht. Die Frist für die Nominierung einer Alternative läuft am 18. November ab.
„Wir brauchen eine integre Persönlichkeit, von der wir annehmen dürfen, dass sie dem Verband eine Reputation zurückgibt, die er definitiv verloren hat“, sagte Neuendorf und ergänzte zurückhaltender: Bisher halte man an dem Plan fest, einen Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken. Das Ziel sei, „dass wir an der Spitze der FIFA eine andere Person sehen möchten“.
Seit Tagen fällt vor allem in britischen Medien ein Name immer wieder: Arsène Wenger. Der langjährige Coach des FC Arsenal, der seit 2019 als FIFA-Direktor mit Infantino eng zusammenarbeitet, soll der Wunschkandidat mehrerer Fußballbosse aus Europa sein. Die Times berichtete, dass der 76-Jährige als potenzieller Kandidat umworben werde. Die BBC fragte am Donnerstag: „Könnte Wenger es wirklich mit Infantino aufnehmen?“
Man sehe den Franzosen „nicht nur als Europäer“, sagte ein hochrangiger Vertreter eines europäischen Verbandes der BBC: „In Asien genießt er beispielsweise aufgrund seiner Zeit in Japan hohes Ansehen. Viele sagen, er wäre der ideale Kandidat. Bei ihm geht es nicht um Geld, Status oder Ego. Er liebt den Fußball einfach.“ Der Guardian schrieb allerdings, dass Vorschläge wie Wenger oder Michele Kang, milliardenschwere Investorin im Frauenfußball, zurückgewiesen worden seien.
