Durch Gechinger Sieg: VfL Ostelsheim steigt doch in die Bezirksliga auf

Mit Vollgas in der Hermann-Hesse-Bahn: Mit dieser Choreo wollten die Ostelsheimer Fans beim Relegationsspiel in Wittershausen ihre Mannschaft in die Bezirksliga fahren lassen. Durch das Hintertürchen, das die SF Gechingen geöffnet haben, ist das den „Jungs vom Bahndamm“ nun gelungen.
Fußballbezirk NordschwarzwaldLang waren die Gesichter beim VfL Ostelsheim auf dem Sportplatz in Wittershausen, denn der erste Bezirksliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte war zum Greifen nah – doch das Relegationsspiel gegen den SV Althengstett wurde knapp mit 0:1 verloren. 24 Stunden sah die Laune am Ostelsheimer Bahndamm jedoch ganz anders aus, denn da die SF Gechingen über die Relegation (3:2-Sieg in Sulz am Neckar gegen den TSV Straßberg) in die Landesliga aufsteigen, wird in der Bezirksliga ein Platz frei. Und den nimmt der VfL Ostelsheim ein. „Wir haben bis tief in die Nacht gefeiert. Die Hälfte der Mannschaft war auch beim Spiel in Sulz dabei“, sagt Abteilungsleiter Marcel Röhrborn.
Damit war auch in dieser Saison der Ausgang eines Relegationsspiel im Fußballbezirk Nordschwarzwald irrelevant. Das war auch schon vor einem Jahr so, als der TSV Haiterbach mit 1:2 gegen den SSV Walddorf unterlag, aber dennoch in der Kreisliga A bleiben durfte – weil die Spvgg Freudenstadt über die Relegation in die Landesliga aufgestiegen war.
Bei 1860 läuft es anders
Üblich ist diese Praxis im deutschen Fußball eigentlich nicht. Beispiel 3. Liga: Dort wird durch den Lizenzentzug von 1860 München ein Platz frei. Doch nicht Lokomative Leipzig darf als Verlierer des Relegationsspiels gegen die Würzburger Kickers aufsteigen, sondern der eigentlich abgestiegene TSV Havelse hält die Klasse.
Leidtragender ist in diesem Fall die SG Oberreichenbach/Würbach, die als Bezirksliga-Dreizehnter in die Kreisliga A gehen muss. Das sorgt aktuell für viele kritische Stimmen. Röhrborn kann das nachvollziehen. „In der Rolle der SG Oberreichenbach/Würzbach würde ich das auch so sehen, zumal die ja 38 Punkte geholt haben. Es ist auch immer blöd, dass man zu Saisonbeginn noch nicht die genaue Zahl der Absteiger kennt. Wir profitieren jetzt davon und freuen uns natürlich darüber“, meint der Ostelsheimer Abteilungsleiter.
Lediglich 300 Zuschauer
Für Kritik sorgte ebenfalls, dass das Relegationsspiel der beiden Nachbarvereine im knapp 70 Kilometer entfernten Wittershausen stattfand. Gerade einmal 300 Zuschauer kamen, während diese Zahl wohl annähernd vierstellig gewesen wäre, wenn das Spiel im Norden des Bezirks stattgefunden hätte. „Das war natürlich auch schade für die TSG Wittershausen, die dadurch weniger Einnahmen hatte. Wir hatten dort auch mit Vertretern vom WFV gesprochen und die haben inzwischen eingesehen, dass das nicht gut war“, sagt Röhrborn. Offenbar gibt es bereits Gespräche, die Vergabe der Spielorte für die Relegation ab der kommenden Saison zu ändern. Auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion hat der Bezirksvorstand bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.
Keine Reserve mehr
Der VfL Ostelsheim ist nun zum ersten Mal ein Bezirksligist. Röhrboorn: „Wir haben am Morgen sofort eine Ausschusssitzung einberufen, bei der wir besprechen müssen, welche Herausforderungen jetzt auf uns warten.“ Neu ist unter anderem, dass die erste und die zweite Mannschaft nun nicht mehr zwingend direkt hintereinander im gleichen Ort spielen werden, denn die Bezirksligisten können keine Reserve melden, sondern müssen mit ihrer zweiten Mannschaft in die normale Konkurrenz gehen.
Geld wird nicht gezahlt
Dass die Bezirksliga sportlich richtig knackig wird, weiß auch Röhrborn. „Ziel kann nur der Klassenerhalt sein und der wird schwer genug. Das hat man in dieser Saison beim TSV Möttlingen gesehen“, verweist der Abteilungsleiter auf den Nachbarverein, der als Aufsteiger in dieser Saison nur 13 Punkte geholt hat und abgeschlagen Tabellenletzter wurde. Klar ist für Röhrborn aber auch: Spieler werde der VfL Ostelsheim keine einkaufen, Geld wird nicht gezahlt. Dafür könne man nun endlich den Spielern die Bezirksliga bieten, die in den vergangenen Jahren den Abwerbungsversuchen von anderen Bezirksligisten widerstanden haben. „Der Aufstieg hilft jetzt natürlich, diese Spieler zu halten“, unterstreicht Röhrborn.