Vereinsvorstellung
: SC Lahr sieht sich bereit für den großen Wurf

AnzeigeDas Tor zur Oberliga stand schon weit offen auf. Das Ziel für die kommende Saison wird bescheiden formuliert. Ein Zweitligaspieler aus Tunesien ist da.
Von
Janosch Lübke
Lahr
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Der SC Lahr nimmt in der Saison 2026/2027 einen neuen Anlauf für den Aufstieg.

Der SC Lahr nimmt in der Saison 2026/2027 einen neuen Anlauf für den Aufstieg.

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„Wir nehmen kommendes Jahr einen neuen Anlauf und probieren, dann direkt hochzugehen.“ Sascha Schröder, Trainer des SC Lahr, richtete den Blick nach dem größten Drama seiner Amtszeit mit dem Relegationsaus im Elfmeterschießen gegen den FC Holzhausen direkt nach vorne. Nur wenige Sekunden hatten gefehlt und der SC Lahr würde sich jetzt auf die Oberligarunde vorbereiten.

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Knapper hätte der Aufstieg kaum verpasst werden können und trotzdem leitet der Coach der Dammenmühlen-Kicker daraus keinen Automatismus für die kommende Saison ab. „In Holzhausen habe ich aus dem Affekt heraus und mit Augenzwinkern quasi eine Kampfansage gemacht. Mit etwas Abstand will ich aber herausstellen, dass wir keinen Aufstiegsdruck haben. Wir wollen oben mitspielen“, sagt Schröder rund einen Monat nach dem Herzschlag-Saisonfinale in Holzhausen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Vergangenheit soll beim SCL demnach nicht verpflichten, aber Motivation soll daraus trotzdem entstehen. „Wir sind 2023 in der Relegation am Aufstieg gescheitert, wir haben 2024 das Verbandspokalfinale gegen Villingen ganz knapp verloren und dieses Jahr waren wir in Holzhausen schon fast in der Oberliga. Das sind Erfahrungen für uns. Ich habe ein Buch von Jürgen Klopp gelesen, wo er beschreibt, dass er drei Mal das Champions-League-Finale verlieren musste, ehe es mit den Titeln bei Liverpool geklappt hat. Vielleicht ergeht es uns derzeit ähnlich. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir mal fällig für etwas ganz Großes sind“, beschreibt Schröder die mentale Arbeit in der Vorbereitung.

Nach der Relegation 2023 landete der SC Lahr in der nachfolgenden Saison nur auf Platz fünf. Nach der Finalniederlage gegen Villingen fiel das Team in der Hinrunde 2024/2025 sogar in ein noch größeres Loch und fand sich im Abstiegskampf wieder. Beide Male lief es in der Zeit, nachdem der große Triumph so knapp verpasst wurde, also nicht mehr rund. „Das machen wir jetzt nicht explizit zum Thema, aber auch da haben wir natürlich Erfahrungen gesammelt. Wir sind jetzt alle gespannt, wie wir aus diesem Tiefschlag von Holzhausen rauskommen. Die Jungs sind heiß und bereit, so einen Leistungsabfall nicht noch einmal zuzulassen“, hebt Schröder hervor.

Nicht nur sind die Sinne aufgrund der negativen Erfahrungen der Vergangenheit an der Dammenmühle geschärft, auch der Kader gibt Anlass zur Hoffnung, dass es diesmal für ganz oben reicht. Die Rückkehr von Daniel Monga aus Bahlingen, wo er in der Regionalliga in zwei Jahren 40 Partien bestritt, ist definitiv ein Königstransfer. Monga war der Garant für Stabilität an der Dammenmühle in der Saison 2023/2024 und hat definitiv die Klasse, dieser wieder zu sein.

Der Abgang von Mick Keita zum SC Durbachtal hinterlässt beim SCL sicherlich eine Lücke. Er gehörte zum Stammpersonal und steuerte zehn Saisontore bei. Damit war er nach Moritz Bandle und gleichauf mit Konstantin Fries Teil des Torjäger-Trios.

In die Fußstapfen von Keita könnte nun aber ein Spieler treten, mit dem sie an der Dammenmühle gar nicht gerechnet hatten. „Die Geschichte, wie Hamdi Haouidi zu uns kam, mutet schon etwas kurios an“, so Schröder und führt aus: „Motasem Hammad wohnt in einem Mehrfamilienhaus und seine Nachbarin hat immer erzählt, ihr Mann sei Profi in Tunesien. Er hat ihr das nicht geglaubt, aber jetzt hat Hamdi tatsächlich seine Laufbahn in der zweiten Liga dort beendet und ist nach Deutschland gekommen“, so der SCL-Coach.

Die U 23 des SC Lahr hat in ihrer ersten Saison in der Landesliga überzeugt. Die Klasse soll auch in der kommenden Runde gehalten werden.

Die U 23 des SC Lahr hat in ihrer ersten Saison in der Landesliga überzeugt. Die Klasse soll auch in der kommenden Runde gehalten werden.

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Im Testspiel gegen die SpVgg Gundelfingen/Wildtal traf Haouidi bereits erstmals für sein neues Team. „Er ist seit März in Deutschland und ein gefährlicher Neuner. Er hilft uns auf dem Platz und wir helfen ihm hier auch bei der Berufswahl und der Integration“, so Schröder. Mit Hammad, der wie Monga schon einmal beim SC Lahr war und nun aus Linx zurückgekehrt ist, kam mit Haouidi demnach gleich noch ein weiterer Neuzugang.

Ein neues Brüderpaar kickt an der Dammenmühle

Mit den Brüdern Alberto und Mario Nouri kommen zwar zwei Kicker vom FC Teningen, die damit wüssten, wie ein Aufstieg in die Oberliga gelingen kann. Doch das Duo kam für Teningen in der vergangenen Saison nicht zum Einsatz. Außerdem verstärkt sich der SC Lahr mit Marc Rawiel und Marlon Broß aus der Reserve von Bahlingen, Aaron Heuberger vom SV Stadelhofen und Charalampos Sakalis aus der U 19 des Offenburger FV. Beim Blick auf die Neuzugänge fällt auf, dass die meisten Spieler sehr jung sind. „Daher bin ich froh, dass wir mit Hamdi noch einen 33-jährigen gestandenen Mann dabei haben“, so Schröder über die Mischung von Jugend und Erfahrung.

Hinter den neuen Gesichtern steckt auch Beobachtung aus der Vorsaison. „Wir haben gemerkt, dass die Jungs, die bei uns eher in der zweiten Reihen waren, nicht so konkurrenzfähig sind. Daher haben wir häufig mit der gleichen Aufstellung agiert. Wir wollen mit den Neuzugängen die Qualität in der Breite verbessern. Ich glaube, das gelingt, denn jetzt entsteht gerade eine unfassbare Energie. Der Konkurrenzkampf ist noch einmal größer geworden“, beschreibt Schröder.

Spielerisch ist auch klar, woran der SCL arbeiten muss, um dann vielleicht doch den Aufstieg zu feiern. „Gegen Holzhausen haben wir es verpasst, den Deckel drauf zu machen und wurden dann brutal bestraft. Da fehlte die Kaltschnäuzigkeit, die du in der Oberliga brauchst. Im letzten Drittel des Spielfeldes müssen wir mehr Tore schießen“, fordert der Trainer ein.

Sommerpause war besonders kurz

Die Sommerpause war durch die späte Relegation sehr kurz. „Wir haben nur zwei Wochen nichts gemacht, haben dann schon wieder die Vorbereitung aufgenommen und hatten dann noch einmal eine Woche Pause, um die Akkus etwas aufzuladen“, so Schröder zum ungewohnten Ablauf in diesem Sommer. „Unser Schwerpunkt in der Vorbereitung lag erst einmal auf der Frage, auf welchem Stand wir körperlich sind. Wir haben erörtert, was die Basis ist – und die ist sehr gut. Anschließend ging es darum, Körner aufzubauen und Ballsicherheit zu gewinnen“, sagt der SCL-Coach.

Getestet wurde gegen den SV Oberachern, wo bei der 2:8-Niederlage noch einige Schwächen aufgedeckt wurden, gegen den SV Stadelhofen, gegen den es eine 1:2-Niederlage gab, und gegen die SpVgg Gundelfingen/Wildtal, die 4:1 besiegt wurde. Auch die U 23 des Karlsruher SC war an der Klostermatte zu Gast und der Test gegen den Offenburger FV am heutigen Samstag kann als Generalprobe für den Pflichtspielauftakt herhalten. Am 7. August startet die Verbandspokalreise des SCL gleich mit einem Derby gegen die Messestadt-Kicker. Vorher sind auch noch Spiele gegen den FC Teningen und die SG Rheinhausen angesetzt. „Und dann wird der Start in die Saison sehr wichtig sein“, sagt der Coach.

Verzahnung mit der Reserve wird noch enger

Auf dem Weg zum Aufstieg hat der SC Lahr auch dieses Jahr wieder starke Konkurrenz. „Aus der Oberliga kommt der FC Denzlingen runter. Die sind schon sehr gut, aber ich würde als Aufsteiger auf den 1. FC Rielasingen-Arlen setzen. Wolfenweiler-Schallstadt traue ich auch viel zu und ich bin sehr gespannt auf Hausen und Linx“, so Schröder über seine Favoriten der kommenden Saison – zu denen natürlich auch der SC Lahr zählt.

In der Landesliga zählt die Reserve der Dammenmühlen-Kicker nicht zum Kreis der Aufstiegsanwärter. Die erste Saison in dieser hohen Spielklasse seit der Vereinsgründung 2015 verlief trotzdem sehr erfolgreich, denn die Klasse wurde gehalten. Das Team von Trainer Dino Piraneo holte 36 Punkte und landete auf Rang zwölf, da tat auch eine glatte 0:10-Klatsche gegen Stadelhofen am letzten Spieltag nicht mehr allzu weh.

In der neuen Saison bleibt die Verzahnung zwischen erster und zweiter Mannschaft des SCL nicht nur eng – sie wird sogar noch intensiviert. „Wir werden am Montag zusammen trainieren. Der Durchlass zwischen beiden Teams bleibt groß. Wir spielen alle für den SC Lahr und nicht für die Erste oder Zweite. Mit dieser Einstellung sind die Jungs auch einverstanden“, erklärt Schröder.

Zu- und Abgänge beim SC Lahr

Zugänge: Daniel Monga (Bahlinger SC), Motasem Hammad (SV Linx), Alberto Nouri (FC Teningen), Marc Rawiel (Bahlinger SC II), Aaron Heuberger (SV Stadelhofen), Mario Nouri (FC Teningen), Marlon Broß (Bahlinger SC II), Charalampos Sakalis (U 19 des Offenburger FV), Hamdi Haouidi (Tunesien).
Abgänge: Johannes Wirth (SV Rust), Simon Lehmann (SV Niederschopfheim), Carsten Giedemann (FC Ettenheim-Altdorf), Mick Keita (SC Durbachtal), Lars Birkle (SC Wyhl).