Schulanfang: Was Erstklässler jetzt im Kinderzimmer brauchen

Mit dem Schulbeginn zieht ein neues Möbelstück ins Kinderzimmer: der Schreibtisch.
Mascha Brichta/dpa-tmnDie Schultüte ist gepackt, der Ranzen auch: Mit der Einschulung steht für Kinder und ihre Familien ein großer Wandel an. „Die Kindergartenzeit war behütet, alles war vertraut“, sagt Innenarchitektin und Kinderzimmerplanerin Katrin Dzenus. „Mit dem Beginn der Schulzeit starten die Kinder in eine komplett neue Lebensphase, in der sie ganz anders gefordert werden.“ Für diese neue Welt gelte es, Platz zu schaffen, sagt Dzenus, und zunächst einmal das Alte auszumisten.
Das bedeutet der Kinderzimmerplanerin zufolge aber nicht zwangsläufig, dass die Kunstwerke und Erinnerungsstücke aus der Kindergartenzeit in den Mülleimer wandern müssen: „Ich empfehle eine Memory-Box anzulegen und dort die schönsten Erinnerungsstücke aus der Kindergartenzeit zu sammeln.“
Hat man den nötigen Platz geschaffen, darf ein neues Möbelstück einziehen: der Schreibtisch. Hersteller werben oft mit ergonomischen und höhenverstellbaren Modellen, die sich auf die Bedürfnisse der Kinder anpassen lassen. Doch nicht alles, was es gibt, ist wirklich notwendig und sinnvoll. Dzenus plädiert etwa für einen großen Schreibtisch, der nicht unbedingt tief, aber möglichst breit sein sollte. Schräg stellen können, muss man den aber nicht unbedingt. Wichtig sei, dass der Platz nicht negativ behaftet ist.
Außerdem lohne sich beispielsweise die Investition in einen gemütlichen und verstellbaren Schreibtischstuhl. So schafft man einen großzügigen Arbeitsbereich, der dazu einlädt, die neue Lernwelt zu entdecken.
Ordnung und Organisation erleichtern
Und wie sieht es in puncto Selbstorganisation aus? Die lernen Kinder idealerweise bereits im Kindergartenalter, sagt die Integrative Lerntherapeutin Susanne Seyfried. Nämlich indem die Kleinen spielerisch, aber aktiv in Entscheidungen einbezogen werden: Welche Kleidung brauche ich für diesen Tag? Was möchte ich zum Frühstück mitnehmen? Was auch hilft, ist eine gute und übersichtliche Organisation in den eigenen vier Wänden. Katrin Dzenus empfiehlt etwa tiefe Regale an den Seitenwänden, um Schulbücher und Ordner einsortieren zu können.
Idealerweise hat auch der Schulranzen seinen festen Platz. „Kinder lieben es, Dinge zu beschriften“, sagt die Kinderzimmerplanerin. „Je mehr Ruhe und Ordnung sie um sich herum haben, desto besser können sie mit dem Stress umgehen und sich in der neuen Welt zurechtfinden.“
Für die Bastel- und Malarbeiten der Kleinen empfiehlt die Einrichtungsexpertin eine Zimmerwand zur Magnettafel umzugestalten. Das geht mit Magnetfarbe, die man dann in der gewünschten Wandfarbe überstreichen kann. So lassen sich Kunstwerke, aber auch Stundenpläne und Co. schnell, einfach und sichtbar in Szene setzen. Dzenus empfiehlt außerdem, einen großen Müllbehälter in die Schreibtischgestaltung zu integrieren. „Es ist wichtig, dass die Kinder selbst Herr ihrer Dinge werden und eigenständig entscheiden können, was in den Mülleimer kommt und was nicht.“
Neben einem Arbeitsbereich brauchen Kinder aber auch Ruhe- und Spielzonen. „Kinder entwickeln jetzt ihre eigene Identität. Ihr Zimmer ist ein Teil ihrer selbst, und es ist wichtig, dass sie stolz darauf sind“, sagt Dzenus. Sie rät deshalb zu einem möglichst großen Bett, auf dem auch mal mit Freunden gesessen werden kann. Insgesamt spricht sich die Kinderzimmerplanerin für mehr optische Ruhe im Raum aus.
Aber auch Spielsachen behalten ihre Existenzberechtigung. „Die Kleinkindsachen sollten nun konsequent aussortiert werden“, so die Kinderzimmerplanerin. „Spielsachen, die den Kindern jedoch noch wirklich am Herzen liegen, sollten selbstverständlich bleiben.“ In Sachen Lernatmosphäre brauchen Kinder ohnehin ganz unterschiedliche Gegebenheiten. „Manche Kinder brauchen Hintergrundgeräusche zum Lernen und kommen mit Stille nur schwer zurecht, andere wollen es ruhiger“, sagt Lerntherapeutin Seyfried. „Da gibt es keinen pauschalen Tipp“. Hier helfe es mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und im Zweifel auszuprobieren, welche Rahmenbedingungen am besten funktionieren. Aus dem Kinderzimmer ein kleines Klassenzimmer zu machen, hält Susanne Seyfried in den meisten Fällen aber für den falschen Weg.





