50 Jahre Brauchtumsfest im Kleinen Wiesental: Brauchtumsfest in Raich

Am Sonntag können Besucher in Raich in die gute alte Zeit eintauchen.
Ines BodeEin großes Jubiläum steht am Sonntag in Raich an: Das Brauchtumsfest wird 50 Jahre alt. Seit einem halben Jahrhundert werden alte landwirtschaftliche Arbeitsweisen und bäuerliche Lebensart lebendig gehalten – getreu der Devise: Heimat und Handwerk mit Herzblut.
Start mit Frühschoppen-Konzert
Veranstaltet wird das Jubiläumsfest vom Verein „Brauchtum im Kleinen Wiesental-Raich“, Männergesangverein Ried und der Feuerwehrabteilung Raich. Los geht’s um zehn Uhr mit dem Gottesdienst. Ab elf Uhr startet der Festbetrieb an der Lindenhalle mit einem Frühschoppen-Konzert. Um vierzehn Uhr beginnen die Vorführungen.
Traditionelles Handwerk
Mehr als dreißig Stationen zeigen, wie früher gearbeitet, gewirtschaftet und gelebt wurde. In der Schmiede glüht der Ofen, beim Feilenhauen ist unglaubliche Präzision zu erleben. Es wird Wolle gesponnen sowie Butter hergestellt. Lichtspäne werden gehobelt, Sensen geschärft, Holz bearbeitet, Steine behauen und Holzleitungen gebohrt. Auch das traditionelle Korbflechten, Töpfern und die Schuhmacherei gehören zum Programm. Auf den Matten wird gezeigt, wie per Hand und mit Pferden gemäht wurde, wie ein Acker gepflügt wurde. Beim Dreschen kommen Dreschflegel, Pferde und ein alter Bulldog zum Einsatz. Ein Pferde-Drehwerk, das Binden von Holzwellen, das Herstellen von Schindeln und mehr ergänzen die Vorführungen.
Auch kulinarisch erinnert das Fest an vergangene Zeiten. Angeboten werden etwa Gulasch mit Spätzle oder frischem Brot, Gegrilltes, Würste sowie süße Leckereien. In der Kaffeestube warten die feinsten selbstgebackenen Kuchen. Eine kleine Auswahl traditioneller Spezialitäten gehört ebenso zum Fest, das mehr als hundert Helfer ermöglichen.
Fotoshow zum 50-jährigen Bestehen
Zum 50-jährigen Bestehen gibt es eine große Fotoshow. Wandtafeln beschäftigen sich mit dem Titel „Alemannisch gschwätzt“. Das Kulturhuus in Ried öffnet seine Türen und bietet etwa ein Literaturangebot. Im Biosphären-Klassenzimmer in der Tegernauer Schule können Besucher zwischen zehn und zwölf Uhr ein interaktives Modell des Tals entdecken.
Geschichte
Die Geschichte des Brauchtumsfestes nun beginnt 1976. Nach einer Singstunde des Männergesangvereins Ried entstand die Idee, die alten Arbeitsweisen und Bräuche zu bewahren. Der damalige Bürgermeister Ernst Senn konnte Sänger und Bürger von Raich gewinnen. Ohnehin war die Zeit von tiefgreifendem Wandel der Landwirtschaft geprägt. Moderne Arbeitsverfahren verdrängten innerhalb weniger Jahre vieles, was selbstverständlich zum Alltag gehörte.
Die Premiere fand im kleinen Rahmen statt. Im Mittelpunkt stand lediglich das Dreschen. Aus dem bescheidenen Anfang entwickelte sich ein Tag, der wahre Besuchermassen anziehen sollte. Ein wichtiger Schritt erfolgte 2014: Der Verein „Brauchtum im Kleinen Wiesental-Raich“ wurde gegründet. 2016 kam die Feilenhauerei hinzu. Das Gebäude wurde in Eigenleistung errichtet. Auch die Erinnerung an die Feste wurde bewahrt. Fotos, Dias und Super-8-Filme dokumentieren den Verlauf. Das Jubiläumsjahr krönt der Film „Von den alten Brauchtumsfesten bis heute“.
Wie geht es weiter?
Das Jahr 2026 ist zudem mehr als ein gewöhnliches Jubiläum: Der Verein steht vor der Frage, wie es mit dem Brauchtumsfest weitergeht. Die Suche nach Helfern und vor allem nach jüngeren Mitstreitern sei schwierig.
Info
50. Brauchtumsfest rund um die Lindenhalle in Raich, Kleines Wiesental, am Sonntag, 20. September, von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet vier Euro, für Kinder unter 16 frei.







