15 Jahre Kö23 in Horb: Zwischen Herd, Leidenschaft und Heimat

Alex Vees spielte schon vor 15 Jahren bei der Übernahme des „Kö23“ durch Bernd Rausch für die Gäste und wird heuer wieder mit von der Partie sein.
Andreas WagnerBernd Rausch wurde am 13. Februar 1965 in Stuttgart-Möhringen geboren. Aus beruflichen Gründen zog es seine Familie damals nach Empfingen, wo Bernd Rausch aufwuchs und seine Jugend verbrachte. Nach dem Hauptschulabschluss in Horb begann er im Alter von 15 Jahren seine Ausbildung zum Koch im Hotel am Riedsee in Stuttgart-Möhringen.
Enormer Arbeitseinsatz
Schon damals zeigte sich sein enormer Arbeitseinsatz. Neben der Lehre arbeitete er jeden Abend noch in einem weiteren Restaurant. „Dort mussten die mich um 12 Uhr aus der Küche schmeißen“, erinnert sich Rausch. Nach Mitternacht musste er dann oft zu Fuß nach Hause gehen, wenn er die letzte Straßenbahn verpasst hatte.
Langes Katz-und-Maus-Spiel
Direkt nach der Ausbildung stand die Musterung an. Eigentlich wollte sich Bernd Rausch für zwölf Jahre verpflichten und beim Bund den Küchenmeister machen. Doch die Bundeswehr wollte ihn erst ein Jahr später einziehen. „Da komme ich nicht mehr, wenn ich jetzt anfange, als Geselle richtig Geld zu verdienen“, kündigte er an. „Das bestimmen sie nicht“, bekam er als Echo zu hören, woraufhin Rausch konterte: „Das wollen wir doch erst mal sehen.“ Es folgte ein jahrelanges Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden. Ein Jahr später kam die erneute Einladung zum Eignungstest. „Den Zettel habe ich dann verrissen und bei meinem Chef gekündigt“, erzählt Rausch.
Er suchte in der Gastronomie-Zeitung nach neuen Stellen und wechselte den Wohnort. Bis das Bürgermeisteramt die Wohndaten erfasst und diese dem Kreiswehrersatzamt weitergeleitet hatte, vergingen mindestens sechs Monate. Kaum war die nächste Einladung im Briefkasten, schon suchte Rausch wieder in der Gastro-Zeitung nach Stellen und zog erneut um. Dieses „Spiel“ trieb er bis zu seinem 25. Lebensjahr.
Nach England und zurück
So kam Rausch ordentlich herum in der Gastronomie. Stationen im Fernsehturm Stuttgart, in Fellbach, Winnenden und zuletzt in München, wo er als stellvertretender Küchenchef angestellt war. Dort besuchten ihn auch die Feldjäger der Bundeswehr letztlich persönlich, um ihm die nächste Einladung zu überreichen. „Die habe ich dann verrissen und bin drei Tage später nach England“, erzählt Rausch. In Dover arbeitete er acht Monate lang in einem großen Fischrestaurant mit und 3.000 Essen täglich im 24-Stunden-Betrieb.
Rausch kehrte schließlich wieder in die Region zurück und konnte auch das Thema „Bund“ letztlich ad acta legen. Nach dem Mauerfall wurde ihm nämlich mitgeteilt, dass er ab einem Alter von über 25 Jahren nicht mehr zum Bund müsse. Das Amt bot an, dass Rausch gegen ein Bußgeld von 180 Deutsche Mark den Ausmusterungsbescheid erhält. „Das habe ich natürlich sofort überwiesen“, erinnert sich Rausch amüsiert.
So wird am 2. Oktober gefeiert
Ab 19 Uhr schenken das Team und Kö-Chef Bernd Rausch insgesamt 250 Liter Freibier an die Gäste aus. Wie einst vor 15 Jahren bei der Übernahmeparty, so wird heuer wieder Alex Vees die Besucher musikalisch unterhalten. Auch wird Rausch viele verschiedene Häppchen auftischen, darunter Mini-Maultaschen, Cevapcici, Lachsröllchen, hausgemachte Frühlingsrollen, Geflügelspieße und weiteres Finger-Food.
Nach zwei Jahren als Koch in Gündringen wechselte er ins „Coc“ nach Nagold, wo er elf Jahre arbeitete und zuletzt als Küchenleiter fungierte.
Neben seiner Leidenschaft für Motorräder und Fußballsport spielte Rausch auch ambitioniert Billard. Er gründete damals den „PBC Nagoldtal“ (Pool Billard Club Nagoldtal) mit, der zeitweise bis zu 150 Mitglieder zählte. Über den Draht zum Billardsport und zur lokalen Szene verschlug es ihn folglich auch ins „Kö22“ nach Nagold, wo er schlussendlich auch Kontakte zur Firma Kappler knüpfte. Für diese übernahm er als Betriebsleiter die Verantwortung für die Gastronomie-Objekte, darunter das „Kö 22“ in Nagold sowie das „Kö 23“ in Horb.
Ehefrau im „Kö“ kennengelernt
Am 1. Oktober 2011 übernahm er die heutige Kult-Gaststätte, die unter seiner Führung nun ihren 15. Geburtstag feiert. In seinem „Kö“ lernte Rausch auch seine Ehefrau Diana kennen, mit der er zwischenzeitlich seit sieben Jahren glücklich verheiratet ist.
Wenn Rausch mal nicht hinter dem Herd steht, dann „cruist“ der 61-jährige Gastro-Chef mit seinem Feuerofen über den Asphalt. Bereits im jungen Alter hatte er Benzin im Blut, saß mit neun Jahren schon auf einer „NSU“ mit Dreigang-Getriebe. Sein großes Lebensziel war es, mit 30 Jahren eine eigene Harley-Davidson zu besitzen. Im Alter von 29 Jahren bestellte er sich letztlich sein Traum-Bike: eine Harley-Davidson Softail Heritage Classic.
„Harley“ ist seine Leidenschaft
Heute lebt der Gastronom in Bildechingen. Zusammen mit seiner Frau hat er sich dort ein eigenes Haus gebaut, um im Alter unabhängig zu sein. Viele Träume hat sich der „schaffige Koch“ aus Leidenschaft erfüllt und blickt auf ein bewegtes Arbeitsleben in der Gastro von mittlerweile 47 Jahren zurück. Koch zu sein ist für ihn eine wahre Berufung, denn: „Noch nie hatte ich das Gefühl, dass ich mal keinen Bock auf meine Arbeit habe.“











