Ukraine-Krieg
: Norwegen und Finnland in der Kritik: Darf man mit Putin telefonieren?

Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Premier Jonas Gahr Støre haben zum Telefon gegriffen, und werden kritisiert. Zu unrecht, kommentiert Christian Gottschalk.
Kommentar von
Christian Gottschalk
Stuttgart
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Jonas Gahr Støre (l) und Alexander Stubb: Jonas Gahr Store (l), Ministerpräsident von Norwegen, und der Alexander Stubb, Präsident von Finnland, stehen an Bord des norwegischen Schiffes KV Bjørnøya, während der Militärübung «Nordic Response». (zu dpa: «Putin spricht erstmals mit Stubb und Støre über Ukraine»)

Jonas Gahr Støre (l) und Alexander Stubb haben mit Wladimir Putin gesprochen.

Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa

Dänemarks Regierungschefin ist ziemlich genervt. Dass ihr norwegischer Kollege Jonas Gahr Støre zusammen mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb einfach mal so und ohne Absprache mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert hat, das gefällt Mette Frederiksen überhaupt nicht. Ob da gekränkte Eitelkeit mitschwingt, weil Frederiksen selbst nicht eingebunden war in den Plan, oder ob die Furcht vor Alleingängen echt ist, das lässt sich schwer sagen. Ob die Kritik sachlich gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Sie ist es eher nicht.

Details des Gespräches sind nicht bekannt

Die meisten Details des rund 90 Minuten andauernden Gespräches sind nicht bekannt. Bewertet werden muss daher die Aktion, nicht deren möglicher Erfolg. Nun ist es sicher richtig, dass Europa mit möglichst einer Stimme sprechen sollte. Das gilt nicht nur im Falle der Ukraine. Es ist aber auch so, dass Støre und Stubb keine Orbáns oder Ficos sind. Anders als dem ehemaligen ungarischen Premier und dem aktuellen slowakischen Ministerpräsidenten ist den beiden Nordeuropäern zuzutrauen, die richtigen Worte zu finden – und danach die Kollegen in Europa zu informieren. Dass dies keine EU-Initiative gewesen ist, sondern eine Aktion russischer Nachbarn, muss der Sache nicht abträglich sein.

Ob dabei etwas Konkretes für die Menschen in der Ukraine herauskommt, ist hingegen eher unwahrscheinlich. Das war nach dem bis dahin letzten Gespräch Putins mit einem europäischen Staatschef auch nicht der Fall. Der Austausch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron liegt schon länger als ein Jahr zurück. Andererseits: Wenn den Krieg jemand stoppen kann, dann ist es Russland. Und wenn es Signale in diese Richtung geben sollte, dann braucht es jemanden, der sie hört. Das spricht dafür, gelegentlich auch mit dem Kreml-Chef zu kommunizieren.