PONS Langenscheidt
: „Ragebait“ ist Jugendwort 2026 – vor „Crashout“ und „Peak“

Enttäuschung für alle Anhänger von „67“: Mit „Ragebait“ macht ein Social-Media-Begriff für das Schüren von Emotionen im Netz knapp das Rennen.
Von
Michael Maier
Stuttgart
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Themenbild Jugendwort des Jahres 2026: Jugendwort des Jahres 2026: CRASHOUT , RAGEBAIT und PEAK sin die Favoriten *** 2026 Youth Word of the Year: CRASHOUT, RAGEBAIT, and PEAK Are the Favorites

Kandidaten zum Jugendwort des Jahres.

IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
  • „Ragebait“ ist das Jugendwort des Jahres 2026, gab der Langenscheidt-Verlag bekannt.
  • Der Begriff meint Inhalte, die gezielt Empörung erzeugen, um Reichweite zu steigern.
  • In der Online-Abstimmung lag „Ragebait“ mit 36,5 Prozent knapp vor „Peak“ und „Crashout“.
  • Wie viele in der Endrunde abstimmten, blieb offen – insgesamt nahmen rund eine Million teil.
  • „67“ schaffte es nicht ins Finale, weitere Nominierte waren u. a. „süper“ und „Macker“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Ragebait“ ist das Jugendwort des Jahres 2026. Der Begriff bedeutet wörtlich übersetzt „Wut-Köder“ und meint Online-Beiträge und -Inhalte, die nur darauf abzielen, Polemik, Auseinandersetzungen und Aufregung zu erzeugen. Der Begriff setzte sich in der Online-Abstimmung des Stuttgarter Langenscheidt-Verlags knapp gegen die beiden anderen Finalisten „Peak“ und „Crashout“ durch, wie der Verlag am Samstag bei der Frankfurter Buchmesse bekanntgab.

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Demnach erhielt das neue Jugendwort 36,5 Prozent der Stimmen. „Peak“ (als Begriff für das Beste, den Höhepunkt) folgte mit etwa 34 Prozent. „Crashout“ (als Bezeichnung für Ausrasten, die Fassung verlieren) erhielt rund 30 Prozent. Wie viele Personen sich an der Endrunde der Online-Abstimmung beteiligten, gab der Verlag nicht bekannt. Insgesamt hätten seit dem Kampagnenstart rund eine Million Jugendliche mitgemacht, hieß es. „Das knappe Ergebnis zeigt, dass alle drei Begriffe einen festen Platz im Vokabular der Generationen Z und Alpha haben“, sagte Artur Raiser, Marketing Manager der PONS Langenscheidt GmbH.

„Ragebait“ für Genz und Alpha

„Ragebait“ setzt sich aus den englischen Wörtern „rage“ für Wut und „bait“ für Köder zusammen. Gemeint sind Inhalte, die gezielt Empörung und aggressive Reaktionen auslösen sollen. Dafür werden beispielsweise provozierende Meinungen, absurde Thesen oder offensichtlich falsche Behauptungen veröffentlicht. Häufig geht es den Urhebern weniger um eine ehrliche Diskussion als um Aufmerksamkeit. Wer „Clickbait“ kennt, der kann sich auch „Ragebait“ gut erklären. Denn gemeint sind Inhalte in sozialen Medien, die absichtlich triggern sollen. Etwa mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden Meinungen soll versucht werden, Wut auszulösen.

Jugendwort des Jahres 2026: ILLUSTRATION - 27.07.2026, Hamburg: Das Wort „Ragebait“ ist auf dem Display eines Smartphones in einem Chatverlauf zu lesen. Die Top 10 vor der Wahl zum Jugendwort des Jahres 2026 im Oktober stehen fest. Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wortwechsel via WhatsApp.

Marcus Brandt/dpa

Wütende Nutzer kommentieren, teilen oder diskutieren den Beitrag. Dadurch steigt dessen Reichweite – und der „Köder“ hat funktioniert. Ragebait ist vor allem auf Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube und X verbreitet.

Sprachforscher Jannis Androutsopoulos von der Universität Hamburg betont gegenüber dpa, dass der Begriff in der Jugendsprache über seinen Ursprung im Social-Media-Bereich hinausgehe. Also wenn beispielsweise jemand im Alltag seine Eltern nervt, um sie auf die Palme zu bringen. „Solche Wörter können eigentlich erst für sich beanspruchen, Jugendwörter zu sein, wenn sie ihre ursprünglichen Themenfelder verlassen.“

„67“ nicht im Finale

Unter „ferner liefen“ landete dagegen die seltsame Zahlenkombination „67“ (ausgesprochen „six-seven“). Eine feste Bedeutung hat der Ausdruck nicht. Er wird vielmehr als spontaner Ausruf oder Reaktion verwendet und kann je nach Situation fast alles oder gar nichts bedeuten. Bis man als Erwachsener darauf kommt, was diese Art von Insider-Slang soll, kann es einige Zeit dauern – wie der Autor beim eigenen Nachwuchs im Hinblick auf „67“ feststellen musste. Zur Auswahl standen aber auch leichter zugängliche Begriffe wie „süper“ oder „Macker“.

Jugendwort des Jahres – die 10 Nominierten

  • 67 – Wird englisch „six seven“ ausgesprochen, hat keine feste Bedeutung und funktioniert als Insider-Ausruf; bekannt durch TikTok und den Song „Doot Doot (6 7)" von Skrilla.
  • Crashout – Beschreibt einen Moment, in dem jemand die Fassung verliert oder ausrastet; wird oft ironisch für Kleinigkeiten verwendet.
  • Digga – Klassiker der Jugendsprache, abgeleitet von „Dicker"; bedeutet „Kumpel" oder „Bro" und erlebt ein erneutes Revival.
  • Du bist gut genug – Zeile aus einem viralen Song von KitschKrieg, Shirin David & Blumengarten; wird als Meme und Parodievorlage genutzt.
  • Gute Käse – Bedeutet „richtig gut" oder „feier ich"; die grammatikalisch falsche Form gehört bewusst zum Witz.
  • Macker – Älterer Begriff für Freund, Partner oder Typ; wird derzeit ironisch oder liebevoll wiederentdeckt.
  • Peak – Englisch für „Gipfel"; beschreibt etwas, das das Beste seiner Art oder kaum zu übertreffen ist.
  • Ragebait – Aus „rage" (Wut) + „bait" (Köder); bezeichnet Inhalte, die gezielt Empörung auslösen sollen, um Reichweite zu generieren.
  • Schere – Aus der Gaming-/Streaming-Szene; bedeutet „Mein Fehler" oder „Sorry" und wird selbstironisch eingesetzt.
  • Süper – Türkisches Wort für „super"; wurde durch ein virales Video des Ultramarathonläufers Arda Saatci zum Meme.

Eher ausgeblendet wurde vom Pons-Langenscheidt-Verlag hingegen, dass es neuerdings auch eine spezifisch rechte Jugendsprache gibt, die immer weiter um sich greift. So etwa das Wörtchen „törken“, dem als Verb eine diskriminierende Bedeutung zugeschrieben wird.

Mit kna-Agenturmaterial, aktualisiert um 14.30 und um 15.14 Uhr