Gewalttätige Proteste in Frankreich
: Deswegen profitieren die Extremisten von der Gewalt

HintergrundDie extreme Linke und die extreme Rechte können mit den Ereignissen des Wochenendes punkten. Das hat Auswirkungen auf anstehende Wahlen in Frankreich.
Von
Christian Gottschalk
Stuttgart
FRANCE-SOCIAL-DEMO: (FROM L) French leftist party La France Insoumise (LFI) group MP Eric Coquerel, French leftist party La France Insoumise (LFI) candidate in France's 2027 presidential election Jean-Luc Melenchon, Mayor of Saint-Denis and leftist party La France Insoumise (LFI) member Bally Bagayoko, French leftist party La France Insoumise (LFI) group MP Farida Amrani, France's left-wing party La France Insoumise (LFI) member of European Parliament Manon Aubry and French leftist party La France Insoumise (LFI) group MP Claire Lejeune attend a demonstration to protest against the "high cost of living", in Paris on October 17, 2026 as part of a nationwide call for mobilisation bringing together various groups expressing their anger: former "Yellow Vest", secondary school and university students, climate activists and even farmers. After weeks of student protests, France faces broader, nationwide demonstrations on October 17, 2026 over the cost of living, setting up a potentially fraught six months heading into a presidential election. A police source told AFP that authorities estimated nearly 200,000 people could take part, with 40,000 in Paris. (Photo by Matthieu RONDEL / AFP)

Bei den Protesten am Wochenende lief der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon in Paris an prominenter Stelle mit.

MATTHIEU RONDEL/afp
  • Gewalttätige Proteste in Paris, Lyon und Marseille – hunderte Festnahmen und Verletzte.
  • Regierung meldet 1.800 Festnahmen und 500 verletzte Einsatzkräfte; „entsetzliches Ausmaß“.
  • Präsidentschaftswahl am 18. April: Macron tritt nicht mehr an, Ränder könnten profitieren.
  • Marine Le Pen setzt auf Law-and-Order und liegt in Umfragen über 35 Prozent.
  • Jean-Luc Mélenchon mobilisiert junge Wähler, läuft in Paris mit und kritisiert „brutale Repression“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das ganze Ausmaß der Gewalt ist erst am Sonntagmorgen sichtbar geworden. Während in ganz Frankreich am Samstag Hunderttausende Menschen auf die Straßen gingen, erlebten Städte wie Paris, Lyon und Marseille Chaos und Gewalt. Nach Angaben der Regierung wurden 1.800 Menschen festgenommen und 500 Einsatzkräfte von Polizisten und Feuerwehr verletzt. Premierminister Sébastien Lecornu prangerte ein „entsetzliches Ausmaß an Gewalt“ an. Es sei „ein Wunder, dass die Bilanz heute Abend nicht noch schlimmer ausfällt“.

Für Macron ist nächsten Frühling Schluss

Neben der Zerstörung und all den materiellen Schäden richtet sich der Blick schnell auf die politischen Dimensionen, die aus dem Chaos erwachsen können. Am 18. April wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten. Für Emmanuel Macron ist nach zwei Amtszeiten Schluss, seine Nachfolge könnte an den politischen Rändern entschieden werden. Ganz vorne mit dabei sind die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der 74 Jahre alte Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon. Beide könnten von den Krawallen und Protesten profitieren.

Le Pen präsentiert sich und ihre Partei Rassemblement National (RN) am Sonntag als Garant für Recht und Ordnung. Auf aktive Unterstützung der Gelbwesten wie noch 2018 haben die Rechten diesmal verzichtet, auch wenn sie Verständnis äußern für die friedlichen Demonstranten. Unter denen befinden sich nicht wenige Sympathisanten des RN. „Die legitimen sozialen Forderungen sind einmal mehr von den Linksextremen und den Abgeordneten von Jean-Luc Mélenchon in Geiselhaft genommen worden“, schrieb Le Pen am Sonntag in den sozialen Netzwerken. Nun müssten die Franzosen nur noch „ein paar Monate aushalten“. Le Pen liegt in den Umfragen derzeit mit mehr als 35 Prozent der Stimmen vorn, Tendenz wachsend. Der Zweitplatzierte Jean-Luc Mélenchon ist nur halb so stark.

Junge Franzosen für Mélenchon

Vor allem junge Franzosen sind eine wichtige Wählergruppe für Mélenchon. Während der seit Wochen andauernden Schülerproteste wächst diese Gruppe weiter, denn Mélenchons Partei France insoumise hat die Gymnasiasten von allen Parteien am stärksten unterstützt. Bei den Protesten am Wochenende lief Mélenchon in Paris an prominenter Stelle mit.

Als die Demonstrationen in den vergangenen Wochen gelegentlich in Gewalt abgedriftet waren, hat Mélenchon versucht, dies zu rechtfertigen. Jetzt versucht der 74‑jährige, Premierminister Lecornu in die Pflicht zu nehmen. Der habe die Polizei zu „brutaler Repression“ angewiesen. Mit den Plünderungen und Verwüstungen habe er nichts zu tun.