Unwetter in Frankreich
: Hier war es besonders schlimm

Heftige Regenfälle haben in Südfrankreich und auf Korsika schwere Überschwemmungen ausgelöst.
Von
Lukas Böhl
Paris
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Unwetter in Frankreich: Diese Aufnahme mit langer Belichtungszeit zeigt eine überflutete Straße in einem Wohngebiet nach heftigen Regenfällen in der Nähe von Marseille im Südosten Frankreichs. Starke Regenfälle, die am 19. Oktober 2026 einsetzten, führten über Nacht zu erheblichen Überschwemmungen in mehreren Fließgewässern, vom Département Hérault bis zum Département Bouches-du-Rhône im Südosten Frankreichs, wodurch Dutzende Menschen evakuiert oder in Sicherheit gebracht werden mussten. (zu dpa: «Drei Tote bei Unwettern in Südfrankreich»)

Unwetter in Frankreich: Diese Aufnahme mit langer Belichtungszeit zeigt eine überflutete Straße in einem Wohngebiet nach heftigen Regenfällen in der Nähe von Marseille im Südosten Frankreichs. Starke Regenfälle, die am 19. Oktober 2026 einsetzten, führten über Nacht zu erheblichen Überschwemmungen in mehreren Fließgewässern, vom Département Hérault bis zum Département Bouches-du-Rhône im Südosten Frankreichs, wodurch Dutzende Menschen evakuiert oder in Sicherheit gebracht werden mussten.

Thibaud Moritz/AFP/dpa

Die Unwetter haben im Süden Frankreichs eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Zwischen Montag, dem 19. Oktober, und Dienstag, dem 20. Oktober 2026, gingen in mehreren Regionen außergewöhnlich große Regenmengen nieder. Flüsse traten über die Ufer, Straßen verwandelten sich in reißende Wasserläufe und zahlreiche Gebäude standen unter Wasser. Auch am Mittwoch waren die Folgen noch deutlich zu spüren.

Nach Angaben des französischen Wetterdienstes Météo-France fielen innerhalb kurzer Zeit stellenweise Niederschlagsmengen, die normalerweise erst über mehrere Monate zusammenkommen. Besonders betroffen waren die Départements Bouches-du-Rhône, Gard und Hérault sowie die Mittelmeerinsel Korsika.

Korsika: Mehr als 600 Liter Regen pro Quadratmeter

Besonders außergewöhnlich waren die Niederschläge an der Ostküste Korsikas. In Solenzara registrierte Météo-France während des gesamten Unwetterereignisses 640,5 Liter Regen pro Quadratmeter. Davon fielen 612,7 Liter innerhalb von nur 24 Stunden. Allein binnen sechs Stunden wurden 538,5 Liter gemessen – ein neuer Niederschlagsrekord für das französische Festland und Korsika.

Die Wassermassen führten zu schweren Überschwemmungen. Besonders betroffen war die Gegend um Ghisonaccia im Département Haute-Corse. Dort wurden Straßen überflutet, Häuser beschädigt und Menschen von den Wassermassen eingeschlossen.

Wie die französische Zeitung Le Monde unter Berufung auf Rettungskräfte und Behörden berichtete, brachten Feuerwehrleute in der Region etwa 150 Menschen in Sicherheit. Einige hatten auf den Dächern ihrer Häuser Schutz vor den Fluten gesucht.

Bei Ghisonaccia wurde ein 65-jähriger Mann von den Wassermassen mitgerissen, nachdem ein Geländewagen in einen reißenden Wasserlauf geraten war. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Eine zweite Person überlebte.

In Prunelli-di-Fiumorbo mussten nach Angaben der Präfektur 21 Bewohner eines Pflegeheims evakuiert werden. Auf der Straße zum Bergdorf Chisa stürzte zudem eine Brücke ein. Zeitweise waren auf Korsika rund 8.500 Haushalte ohne Strom.

Rund um Marseille: Straßen und Häuser unter Wasser

Auch auf dem französischen Festland richteten die Unwetter erhebliche Schäden an. Besonders schwer betroffen war das Département Bouches-du-Rhône mit den Städten Saint-Chamas, Istres, Martigues und Salon-de-Provence.

Météo-France registrierte in Saint-Chamas während des Unwetterereignisses 315 Liter Regen pro Quadratmeter. In Salon-de-Provence waren es 279 Liter und in Istres 275 Liter. Damit fielen teilweise Niederschlagsmengen, die sonst über mehrere Monate verteilt auftreten.

Besonders dramatisch war die Lage in Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille. Die Gemeinde aktivierte am Dienstag ihren kommunalen Katastrophenschutzplan. Mehrere Straßen waren unpassierbar, darunter Verkehrswege im Bereich Massane und Saint-Blaise.

Der französische Fernsehsender TF1 berichtete von erheblichen Schäden an Häusern und Fahrzeugen. Anwohner schilderten, wie eine plötzlich auftretende Flutwelle Türen und Fenster zerstörte und Wasser in ihre Wohnungen eindrang.

Ein 75-jähriger Mann wurde in Saint-Mitre-les-Remparts von den Wassermassen mitgerissen. Seine Leiche wurde später in der Nachbargemeinde Istres gefunden.

Die Zahl der Todesopfer im Département Bouches-du-Rhône stieg nach einer Mitteilung der Präfektur vom Mittwochabend auf drei. Zwei Frauen im Alter von 86 und 26 Jahren wurden in Lançon-Provence tot in einem überfluteten Keller gefunden. Zusammen mit dem Todesopfer auf Korsika kamen damit mindestens vier Menschen ums Leben.

Auch Gard und Hérault betroffen

Bereits am Montag hatten die Unwetter die südfranzösischen Départements Gard und Hérault erreicht.

In der Region um Nîmes kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Autobahn A9 musste zeitweise gesperrt werden. Auch der Bahnverkehr war beeinträchtigt.

In Lunel im Département Hérault standen Straßen und Fahrzeuge unter Wasser. Nach Medienberichten mussten dort etwa 15 Menschen vorübergehend in einer kommunalen Unterkunft betreut werden.

Der Wetterdienst Météo-France meldete außerdem 220 Liter Regen pro Quadratmeter am Mont Aigoual im Département Gard. In Aigues-Mortes wurden 193 Liter und in Montpellier 119 Liter registriert.

Auch weitere Gebiete Südfrankreichs verzeichneten hohe Niederschlagsmengen, darunter der Var, Vaucluse und die Ardèche. Allerdings bedeuteten hohe Regenmengen nicht überall gleichermaßen schwere Überschwemmungen.

Aufräumarbeiten nach den Überschwemmungen

Am Mittwoch, dem 21. Oktober, ließ die Intensität der Regenfälle in den besonders betroffenen Regionen deutlich nach. Météo-France hob die höchsten Unwetterwarnstufen auf.

Für viele Einwohner begann damit jedoch erst die Bewältigung der Schäden. Besonders auf Korsika waren Einsatzkräfte weiter damit beschäftigt, überflutete Gebäude auszupumpen, Straßen freizuräumen und beschädigte Versorgungsleitungen wiederherzustellen.

Nach Angaben der französischen Behörden wurden allein auf Korsika rund 350 Feuerwehrleute sowie zahlreiche weitere Einsatzkräfte mobilisiert.