Silvester: So kommen Katzen möglichst stressfrei durch den Jahreswechsel

Eine Frau streichelt eine Katze in einem Versteck. (Symbolbild)
Daniel Löb/dpaWährend viele Menschen dem Jahreswechsel entgegenfiebern, ist Silvester für zahlreiche Katzen alles andere als ein Grund zum Feiern. Plötzliche Knallgeräusche, Raketen und helle Lichtblitze können die Tiere erheblich verunsichern. Manche Katzen verstecken sich stundenlang, andere reagieren mit Unruhe, Zittern oder panischen Fluchtversuchen.
Dabei zeigen Katzen ihre Angst häufig weniger offensichtlich als Hunde. Wer sich zurückzieht, plötzlich kaum noch frisst oder ungewöhnlich schreckhaft reagiert, kann bereits unter erheblichem Stress stehen.
Damit die Silvesternacht für die Vierbeiner möglichst ruhig verläuft, sollten Katzenhalter nicht erst am 31. Dezember aktiv werden. Schon jetzt im November lassen sich wichtige Vorbereitungen treffen.
Frühzeitig sichere Rückzugsorte schaffen
Katzen reagieren auf Stress häufig damit, dass sie sich verstecken. Deshalb ist es besonders wichtig, ihnen ausreichend Rückzugsmöglichkeiten anzubieten.
Ideal sind ruhige Plätze, die möglichst weit von Fenstern und Außengeräuschen entfernt liegen. Das kann ein gemütlicher Karton mit einer weichen Decke, eine Katzenhöhle, ein Platz unter dem Bett oder ein geschützter Bereich im Kleiderschrank sein. Manche Katzen bevorzugen auch erhöhte Liegeflächen, von denen aus sie ihre Umgebung beobachten können.
Wer schon jetzt solche Plätze vorbereitet, gibt seiner Katze ausreichend Zeit, sich daran zu gewöhnen. Besonders hilfreich sind vertraute Decken oder Kissen, die nach dem Tier und seiner gewohnten Umgebung riechen.
Wichtig ist, dass die Katze ihren Rückzugsort selbst wählen und jederzeit verlassen kann. Sie sollte weder hineingezwungen noch dort eingesperrt werden.
Freigängerkatzen rechtzeitig ans Drinnenbleiben gewöhnen
Besonders gefährlich kann die Silvesternacht für Katzen werden, die normalerweise draußen unterwegs sind. Erschrecken sie sich durch einen plötzlich gezündeten Böller, können sie in Panik davonlaufen, sich verletzen oder die Orientierung verlieren.
Deshalb sollten Freigängerkatzen rund um den Jahreswechsel möglichst im Haus bleiben. Da Feuerwerkskörper häufig schon vor dem 31. Dezember und auch noch an Neujahr gezündet werden, empfiehlt es sich, die Tiere bereits einige Tage vorher nicht mehr hinauszulassen und sie erst wieder nach draußen zu lassen, wenn sich die Situation beruhigt hat.
Wer eine Katze hat, die normalerweise viel Zeit im Freien verbringt, kann bereits jetzt damit beginnen, sie schrittweise an längere Aufenthalte im Haus zu gewöhnen. Feste Fütterungszeiten, gemeinsame Spiele und gemütliche Ruheplätze können dabei helfen.
Wichtig sind außerdem ausreichend saubere Katzentoiletten, frisches Wasser und Beschäftigungsmöglichkeiten. Besonders für Katzen, die ihr Geschäft normalerweise draußen erledigen, sollte das Katzenklo frühzeitig bereitstehen und an einem ruhigen Ort platziert werden.
Fenster und Türen sichern
Wenn draußen die ersten Raketen gezündet werden, können erschrockene Katzen plötzlich versuchen zu flüchten. Deshalb sollten am Silvesterabend sämtliche Fenster, Balkon- und Terrassentüren geschlossen bleiben. Auch Katzenklappen müssen rechtzeitig verriegelt werden.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Gäste zu Besuch kommen. Eine kurz geöffnete Haustür kann bereits ausreichen, damit eine verängstigte Katze entwischt.
Katzenhalter sollten ihren Besuch deshalb darauf hinweisen, Türen nicht unnötig offen stehen zu lassen und auf den tierischen Mitbewohner Rücksicht zu nehmen.
Zusätzlich empfiehlt es sich, die Registrierung des Mikrochips zu überprüfen. Ist die Katze beispielsweise bei TASSO oder FINDEFIX registriert und sind die Kontaktdaten aktuell, kann sie im Fall eines Entlaufens leichter wieder ihrem Besitzer zugeordnet werden.
Die Wohnung möglichst ruhig gestalten
An Silvester können bereits einfache Maßnahmen dazu beitragen, den Stress für Katzen zu reduzieren.
Geschlossene Fenster und heruntergelassene Rollläden dämpfen einen Teil des Lärms und schirmen die grellen Lichtblitze ab. Auch zugezogene Vorhänge können helfen, die ungewohnten Reize von draußen zu reduzieren.
Leise Musik, ein Radio oder der Fernseher können zusätzlich für eine vertraute Geräuschkulisse sorgen. Besonders geeignet sind Geräusche, die die Katze bereits aus ihrem Alltag kennt.
Wer beispielsweise regelmäßig abends leise Musik hört, kann diese Gewohnheit auch an Silvester beibehalten. Zu laute Musik sollte dagegen vermieden werden, da sie das Tier zusätzlich belasten könnte.
Pheromone können unterstützend wirken
Einige Katzenhalter setzen zur Stressreduzierung auf spezielle Pheromonprodukte. Diese sind beispielsweise als Verdampfer für die Steckdose erhältlich und sollen durch synthetisch nachgebildete Botenstoffe das Sicherheitsgefühl der Katze unterstützen.
Allerdings reagieren nicht alle Tiere gleichermaßen darauf. Die wissenschaftliche Studienlage zur Wirkung bei Feuerwerksangst ist begrenzt. Pheromonprodukte sind deshalb kein zuverlässiges Mittel gegen starke Angst.
Wer sie ausprobieren möchte, sollte dies nicht erst am Silvesterabend tun. Ein frühzeitiger Einsatz gibt Gelegenheit, die Reaktion der Katze zu beobachten.
Bei starker Angst rechtzeitig den Tierarzt aufsuchen
Hat eine Katze in den vergangenen Jahren besonders heftig auf Feuerwerk reagiert, sollten Halter bereits im November oder Anfang Dezember mit ihrem Tierarzt sprechen.
Anhaltendes Zittern, panische Fluchtversuche, starke Unruhe oder Futterverweigerung können Hinweise auf eine erhebliche Stressbelastung sein.
In solchen Fällen können eine verhaltenstherapeutische Beratung und gegebenenfalls geeignete angstlösende Medikamente sinnvoll sein. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vom Gesundheitszustand und vom individuellen Verhalten des Tieres ab.
Wichtig: Medikamente für Menschen oder vermeintlich harmlose Beruhigungsmittel dürfen Katzen niemals eigenmächtig verabreicht werden. Auch pflanzliche Präparate sind nicht automatisch ungefährlich.
An Silvester möglichst bei den gewohnten Abläufen bleiben
Katzen sind Gewohnheitstiere. Ungewohnte Veränderungen können sie zusätzlich verunsichern. Deshalb ist es sinnvoll, den Silvestertag möglichst normal zu gestalten.
Fütterungszeiten, Spielrunden und Ruhephasen sollten nach Möglichkeit wie gewohnt stattfinden. Wer den Jahreswechsel zu Hause verbringt, kann seiner Katze durch seine ruhige Anwesenheit Sicherheit vermitteln.
Manche Katzen lassen sich durch ein vertrautes Spielzeug oder kleine Leckerlis ablenken. Andere ziehen sich lieber zurück. Beides sollte respektiert werden.
Sucht die Katze von sich aus Nähe, darf sie selbstverständlich gestreichelt und beruhigt werden. Versteckt sie sich dagegen unter dem Sofa oder im Schrank, sollte sie dort in Ruhe gelassen werden.
Es ist nicht sinnvoll, eine ängstliche Katze aus ihrem Versteck hervorzuziehen oder sie zu einer Beschäftigung zu drängen.
Ist ein Silvesterurlaub mit Katze sinnvoll?
Während für manche Hunde ein Aufenthalt in einem abgelegenen Ferienhaus oder einem gut schallisolierten Hotel eine geeignete Alternative sein kann, ist ein Ortswechsel für Katzen oft schwieriger.
Viele Katzen sind stark an ihre gewohnte Umgebung gebunden. Eine Autofahrt, fremde Räume und ungewohnte Gerüche können zusätzlichen Stress verursachen.
Deshalb ist es für die meisten Katzen sinnvoller, Silvester in ihrer vertrauten Wohnung zu verbringen und diese möglichst ruhig zu gestalten.
Bei Katzen, die problemlos reisen und bereits an Ferienunterkünfte gewöhnt sind, kann ein Aufenthalt in einer ruhigen, feuerwerksarmen Gegend dennoch eine Möglichkeit sein. Entscheidend ist, dass der Ortswechsel das Tier nicht stärker belastet als die Knallerei selbst.
Wer über Silvester verreisen möchte, sollte außerdem rechtzeitig eine zuverlässige Betreuung organisieren. Besonders ängstliche Katzen sollten während der Feuerwerksnacht möglichst nicht über längere Zeit allein bleiben.
Auch nach Silvester aufmerksam bleiben
Ist die Knallerei vorbei, brauchen manche Katzen noch etwas Zeit, um sich wieder vollständig zu entspannen.
Besitzer sollten ihnen diese Ruhe gönnen und möglichst schnell zu den gewohnten Abläufen zurückkehren. Freigängerkatzen sollten erst wieder hinausgelassen werden, wenn draußen keine Feuerwerkskörper mehr gezündet werden und die unmittelbare Umgebung sicher ist.
Denn auch am Neujahrstag können noch Böllerreste, Glasscherben oder nicht explodierte Feuerwerkskörper herumliegen.
Zeigt eine Katze auch nach dem Jahreswechsel anhaltende Stresssymptome, frisst nicht oder verhält sich auffällig, sollte sie tierärztlich untersucht werden. Insbesondere Schwierigkeiten beim Urinabsatz sind ein möglicher Notfall und müssen umgehend abgeklärt werden.
Gute Vorbereitung gibt Katzen mehr Sicherheit
Silvester lässt sich für Katzen nicht immer vollkommen stressfrei gestalten. Doch mit rechtzeitiger Vorbereitung können Halter einiges tun, um ihre Tiere vor unnötiger Angst und möglichen Gefahren zu schützen.
Ruhige Rückzugsorte, gesicherte Fenster und Türen, vertraute Abläufe und eine rechtzeitige Planung für Freigängerkatzen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen.
Wer bereits jetzt im November vorsorgt und die individuellen Bedürfnisse seiner Katze berücksichtigt, schafft gute Voraussetzungen für einen möglichst entspannten Jahreswechsel.







