Nach Hinrichtungsversuch in kritischem Zustand: Wie geht es weiter mit der US-Todeskandidatin Christa Pike?

Christa Pike vor einigen Jahren während einer Gerichtanhörung in Nashville (Archivbild, Aufnahmedatum unbekannt).
AP/dpa- Nach gescheitertem Hinrichtungsversuch liegt Christa Pike in kritischem Zustand.
- Sie wird in Nashville lebensrettend behandelt, eine Prognose gibt es nicht.
- Anwälte berichten von Pannen beim IV-Zugang und fordern Aufhebung der Todesstrafe.
- Gouverneur Bill Lee ordnet eine unabhängige Überprüfung an und stoppt eine weitere Hinrichtung.
- Gründe unklar – frühere Bedenken betrafen Pikes Venen und eine Thrombozytose.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Christa Pike befindet sich nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch laut ihren Anwälten weiterhin in einem kritischen Zustand. Sie erhalte in einer Klinik in Nashville (aus Sicherheitsgründen haben die Behörden und ihre Anwälte den exakten Namen des Krankenhauses nicht öffentlich bekannt gegeben) eine lebensrettende Behandlung.
Eine genaue Prognose für ihren Gesundheitszustand gebe es bislang nicht, sagte ihr Anwalt Randy Spivey bei einer Pressekonferenz. Die Verteidigung forderte Tennessees Gouverneur Bill Lee auf, Pikes Todesstrafe aufzuheben und sie stattdessen lebenslang in Haft zu lassen.

Gouverneur Bill Lee
Virginia Office of the Governor/CC-BY 4.0/WikimediaDie am 10. März 1976 in Beckley, West Virginia, geborenen Pike war 20 Jahre alt, als sie für den in Knoxville begangenen Foltermord an ihrer Klassenkameradin Colleen Slemmer, verurteilt wurde. Sie ist die jüngste nach 1972 in den USA zum Tode verurteilte Frau, seit im Jahre 1972 die Bedingungen für die Verhängung der Todesstrafe insbesondere im Hinblick auf jugendliche Täter verschärft wurden.
Christa Pike überlebte am Mittwoch (30. September) im Hochsicherheitsgefängnis Riverbend (Riverbend Maximum Security Institution) in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) einen Vollstreckungsversuch ihrer Hinrichtung per Giftspritze.

Das Mordopfer Colleen Slemmer (Archivbild): Kurz vor der Tat soll sie noch mit ihrer Mutter telefoniert haben.
AP/dpaWas sagen Pikes Anwälte?
Die Anwälte berichteten von zahlreichen Problemen während der versuchten Hinrichtung. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein an Pikes linkem Arm habe er sieben Einstiche gezählt, berichtete Spivey.
Eine der verwendeten Nadeln sei beim Herausziehen offenbar verbogen gewesen. Während der Verabreichung der Medikamente habe sich ihr rechter Arm zunehmend violett verfärbt. Inzwischen gebe es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.

Christa Pike auf dem offiziellen Foto des Gefängnisses (Archivbild).
© Uncredited/Tennessee Department of Correction/dpaSpivey ergänztea, er habe Pike nach der ersten Verabreichung noch sprechen und singen gehört. Die Anwälte kritisierten auch mangelnde Transparenz während des Ablaufs: Der Vorhang zum Zeugenraum sei über längere Zeit geschlossen gewesen, Informationen seien nur verzögert weitergegeben worden. Erst viel zu spät habe man erfahren, dass ein Krankenwagen unterwegs sei.
Die Verteidigung prüft nach eigenen Angaben weitere rechtliche Schritte. Zunächst solle sich Pike jedoch erholen und selbst mitentscheiden können, wie weiter vorgegangen werde. „Was am Mittwochabend passiert ist, war nicht nur ineffizient, sondern grausam und qualvoll“, betonte Spivey.
Was ist seit der versuchten Hinrichtung geschehen?
Am Mittwoch (30. September) um 21:10 Uhr trat eine Gruppe von Journalisten, die als Zeugen fungierten, an ein Podium, das von Fotos von Colleen Slemmer – Pikes Opfer – flankiert war. Während Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit auf das Gefängnis zufuhren, bestätigten die Zeugen, was einige Reporter bereits vermutet hatten: Die Hinrichtung war schiefgelaufen.
Pikes Anwalt Randy Spivey erklärte auf der Pressekonferenz am Donnerstag (1. Oktober), dass sie am Leben sei und medizinisch versorgt werde. „Wir können ihre Prognose derzeit nicht einschätzen und haben kaum neue Informationen zu ihrem Gesundheitszustand, aber wir wissen, dass sie im Moment am Leben ist und lebensrettende medizinische Versorgung erhält“, berichtete Spivey. „Die vergangene Nacht war nicht nur ineffizient, sie war grausam und qualvoll. Sie war zudem vorhersehbar.“
Pikes Anwälte bestätigten unmittelbar nach dem Hinrichtungsversuch am 30. September, dass sie noch am Leben sei. In einem Eilantrag auf Aussetzung der Hinrichtung berichteten sie, sie habe „nicht das Bewusstsein verloren“ und geschnarcht.

Christa Pike wurde 1996 im US-Bundesstaat Tennessee zum Tode verurteilt (Archivaufnahme vom Juli 2002).
AP/dpaWie ist Pikes genauer Zustand?
Christa Pike überstand zwei Dosen Pentobarbital – ein extrem starkes Beruhigungsmittel, das in hohen Dosen tödlich wirken kann. Ihre Anwälte kennen derzeit weder ihren Zustand noch ihren genauen Aufenthaltsort, gaben jedoch an, dass sie in einem nahegelegenen Krankenhaus behandelt werde.
Laut einem Rechtsexperten und einem Krankenhausvertreter würde ein Krankenhaus nach einem gescheiterten Hinrichtungsversuch aktiv Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit eines Häftlings aus dem Todestrakt wiederherzustellen. „Sie ist eine Patientin wie jede andere, und ein Krankenhaus wäre gesetzlich verpflichtet, sie zu behandeln, ihr Schmerzen zu ersparen und ihre Gesundheit wiederherzustellen“, erklärte der Anwalt David Raybin aus Nashville. Das Krankenhaus ist an die Anordnung des Bundesstaates Tennessee, Pike hinzurichten, nicht gebunden. Es darf nicht an ihrer Tötung mitwirken.
Warum scheiterte die Hinrichtung von Christa Pike?
Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, fordert eine „umfassende Überprüfung durch eine unabhängige Stelle“ hinsichtlich Pikes Hinrichtung, um die Ursachen für das Scheitern zu klären. Zudem setzte er die für Dezember geplante Hinrichtung von Gary Wayne Sutton aus.
Die genauen Gründe für das Scheitern der Hinrichtung sind derzeit unbekannt, doch Pikes Anwälte hatten zuvor Bedenken wegen möglicher Komplikationen geäußert. Während einer Anhörung vor mehr als einem Monat wies ihr Rechtsbeistand auf eine Thrombozytose hin – eine Erkrankung, an der Pike leidet und die zu einer erhöhten Anzahl von Blutplättchen führt.
Ihre Anwälte argumentierten, dieser Zustand würde die Hinrichtung schmerzhafter machen. Zudem seien Pikes Venen für das medizinische Personal zu schwer zugänglich, um einen intravenösen Zugang zu legen. Ein Hämatologe sagte später aus, die Venen seien durchaus zugänglich, woraufhin das Argument vom Staat zurückgewiesen wurde.
Die TV-Journalistin Tori Gessner, die als Zeugin anwesend war, berichtet, sie habe Pike sagen hören, ihr Arm fühle sich an, als würde er „gleich platzen“ – und zwar während des Hinrichtungsvorgangs.
Wie äußert sich die Strafvollzugsbehörde?
Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee (Tennessee Department of Corrections), die im vergangenen Jahr eine geschwärzte Fassung ihres Protokolls für die tödliche Injektion veröffentlicht hatte, versicherte, man habe jeden einzelnen Schritt des Verfahrens befolgt.
„Das im Protokoll vorgesehene Mittel für die tödliche Injektion hat sich stets als wirksam erwiesen, und das Protokoll sieht keine weiteren Maßnahmen über das hinaus vor, was heute Abend durchgeführt wurde“, erklärte ein Sprecher der Behörde.
Wann fand die letzte gescheiterte Hinrichtung in Tennessee statt?
Die letzte gescheiterte Hinrichtung in Tennessee ereignete sich im Mai 2026. Dem Gefängnispersonal gelang es wiederholt nicht, während der Hinrichtung von Tony Carruthers – der wegen eines Dreifachmords in Memphis im Jahr 1994 zum Tode verurteilt worden war – einen zweiten, als Reserve dienenden intravenösen Zugang zu legen.
Nach dem Hinrichtungsversuch erhielt Carruthers einen einjährigen Aufschub durch Gouverneur Lee. Seit ihrer ersten Anwendung im Jahr 1982 – so berichtet die „New York Times“ – ist die Giftspritze bei den meisten modernen Hinrichtungen zum Einsatz gekommen, nachdem der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe landesweit gebilligt hatte.

Tony Carruthers (Archivbild, offizielle Aufnahme des Gefängnisses).
© Tennessee Department of CorrectionDas Death Penalty Information Center, eine auf die Todesstrafe spezialisierte gemeinnützige Organisation, verzeichnet seit 1976 insgesamt 1492 Hinrichtungen mittels Giftspritze in den USA. Demgegenüber stehen 163 Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl und sechs durch ein Erschießungskommando.
Die Anwendung der Giftspritze in Tennessee war über Jahre hinweg mit Problemen behaftet. So ergab eine unabhängige Untersuchung, dass die Strafvollzugsbehörde des Bundesstaates es versäumt hatte, die Wirksamkeit und Reinheit der verwendeten Substanzen ordnungsgemäß zu überprüfen. Dies veranlasste den Bundesstaat dazu, das Verfahren im Jahr 2024 zu ändern,
