Laut Insektenforscher
: Deutlich weniger Stechmücken in diesem Jahr

Nerviges Surren, und bald folgen juckende Stellen: Der unbeliebte Mückenstich bleibt in diesem Jahr bei vielen Menschen aus. Anders als noch zum Sommeranfang prognostiziert, gibt es bisher weniger Stechmücken als sonst.
Von
red/kna
Berlin/Greifswald
Jetzt in der App anhören
Mücke der Art Aedes vexans saugt Blut am Arm einer Frau: ARCHIV - Damit es gar nicht so weit kommt, nutzen viele im Sommer gern Insektensprays. Was sie taugen, hat die Stiftung Warentest untersucht. (zu dpa: «Warentest: Wie gut helfen Insektensprays und Stichheiler?») Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Grund für den Rückgang ist offenbar die anhaltende Trockenheit.

Patrick Pleul/dpa
  • Deutlich weniger Stechmücken dieses Jahr, entgegen Prognosen vom Sommeranfang.
  • Forscher nennen anhaltende Trockenheit als Hauptgrund – Pfützen fehlen als Brutstätten.
  • Datenlage ist lückenhaft, doch Rückmeldungen von Forschern und Bürgern bestätigen den Trend.
  • Mücken sind wichtig in der Nahrungskette, dennoch werden keine dramatischen Folgen erwartet.
  • Mückenkarte: Bürger senden Funde ein; Tigermücke wird häufiger gemeldet, etwa aus Nordrhein-Westfalen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Urlaub am See - und trotzdem kein Mückenstich? Nach Einschätzung von Forschern liegt das daran, dass es in diesem Jahr aufgrund der anhaltenden Trockenheit in vielen Regionen weniger Mücken gibt.

Das lasse sich zwar nicht statistisch verifizieren, weil die Anzahl und Vermehrung der Stechmücken deutschlandweit generell nicht erhoben werde, erklärte der Biologe Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Greifswald. „Aber es ist unser Eindruck, und wir bekommen es von anderen Forschern und Bürgern vielerorts widergespiegelt.“

Trockenheit verhindert Mückenvermehrung

Grund für den Rückgang ist demnach die anhaltende Trockenheit. Pfützen, die als ideale Brutsttätten für Mücken gelten, fehlen. „Mückenlarven entwickeln sich in stehenden Gewässern – je wärmer es ist, desto schneller. Wenn aber kein Wasser da ist, nützt auch die Wärme nichts“, sagte Kampen. Auch große Seen wie etwa der Bodensee weisen zur Zeit historische Tiefststände aus.

Dramatische ökologische Entwicklungen erwartet Kampen durch die niedrigere Anzahl von Stechmücken erst einmal nicht. Klar sei aber: „Unter der Trockenheit leiden alle Tiere, auch Insekten. Mücken sind wichtige Faktoren in der Nahrungskette. Sie dienen als Futter für Vögel und Fledermäuse. Und Mückenlarven werden gern von Amphibien gefressen.“

Mückenjäger gesucht

Kampen ist mitverantwortlich für die Mückenkarte Deutschlands. Dafür wurden von einem Team des Friedrich-Loeffler-Instituts sowie des Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung zwischen 2012 bis 2025 rund 550.000 Stechmücken analysiert. Mitmachen kann jeder. Dabei gilt das Prinzip: einfangen, einfrieren, einschicken. Der Fund wird durch die Forscher bestimmt und dann online auf der Mückenkarte vermerkt.

Am häufigsten wurde bisher laut Angaben die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) an die Forscher geschickt. Aber auch Funde der eingewanderten Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) gibt es. Sie würden in jüngster Zeit von immer mehr unterschiedlichen Orten gemeldet, sagte der Wissenschaftler. Während das Insekt schon seit längerem etwa in Baden-Württemberg heimisch geworden sei, werden mittlerweile vor allem aus Nordrhein-Westfalen vermehrt Asiatische Tigermücken eingeschickt, wie es hieß.