Hitze in Deutschland vorerst vorbei
: Kommt nochmal eine Hitzewelle?

Die Hitze in Deutschland ist vorerst vorbei. Doch war es das jetzt? Oder kommt noch eine Hitzewelle in diesem Sommer?
Von
Lukas Böhl
Berlin
Jetzt in der App anhören
Ein Bauarbeiter im Gegenlicht der Sonne auf einem Gerüst: ARCHIV - 12.08.2022, Niedersachsen, Hannover: Die Baubranche ist offen für ungelernte Kräfte. (zu dpa: «Versicherung: Hitze sorgt für mehr Unfälle») Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Kommt nochmal eine Hitzewelle auf uns zu?

Julian Stratenschulte/dpa-tmn/dpa

Die große Hitze ist in Deutschland vorerst kein Thema mehr. In den kommenden Tagen bestimmen deutlich gemäßigtere Temperaturen, Schauer und regional auch kräftige Gewitter das Wetter. Selbst in der nächsten Woche zeichnet sich zunächst kein neuer Vorstoß hochsommerlicher Hitze ab. Ganz abgeschrieben ist der Sommer damit aber noch nicht: Richtung September steigen die Chancen auf wärmere Tage wieder etwas. Für eine neue Hitzewelle gibt es bislang jedoch kein belastbares Signal.

Am Wochenende deutlich kühler

Schon in den kommenden Tagen macht sich die kühlere Luft bemerkbar. Am Donnerstag werden zwar noch einmal 20 bis 28 Grad erreicht, gleichzeitig ziehen im Nordwesten Schauer und Gewitter auf. Im Süden und Südosten können sich am Nachmittag und Abend teils kräftige Gewitter entwickeln, lokal sind auch Unwetter nicht ausgeschlossen.

Am Freitag bleibt es vor allem im Süden und Südosten unbeständig. Dort sind gebietsweise länger anhaltende und teils kräftige Regenfälle möglich. Die Temperaturen erreichen meist 22 bis 27 Grad, an den Küsten und südlich der Donau teilweise nur etwa 20 Grad.

Noch frischer wird es am Samstag. Im Norden und in der Mitte werden überwiegend nur 18 bis 21 Grad erwartet. Im Süden liegen die Höchstwerte meist zwischen 20 und 23 Grad. Auch am Sonntag bleibt es mit rund 19 bis 24 Grad für Ende August eher verhalten.

Von hochsommerlicher Hitze kann damit zunächst keine Rede sein.

Auch nächste Woche zunächst kein Hitzecomeback

Nach der aktuellen Zehn-Tage-Prognose des Deutschen Wetterdienstes bleibt die Temperaturentwicklung auch zu Beginn der kommenden Woche gedämpft.

Am Montag sind im Südwesten zwar bis zu 27 Grad möglich, ansonsten werden meist 20 bis 25 Grad erwartet. Gleichzeitig nimmt von Süden her die Regenwahrscheinlichkeit wieder zu. Am Dienstag kann es besonders in der Mitte und im Süden zeitweise kräftig regnen. Dort bleiben die Temperaturen örtlich bei nur 17 Grad, während im Norden bis zu 25 Grad möglich sind.

Ab Mittwoch deutet sich dann eine langsame Erwärmung an. Der DWD erwartet bis zu 28 Grad. Für Donnerstag bis Samstag nennt die Trendprognose Höchstwerte meist zwischen 21 und 29 Grad.

Damit kann es regional durchaus noch einmal sommerlich warm werden. Temperaturen von verbreitet 30 Grad oder mehr, wie sie für eine ausgeprägte Hitzephase typisch wären, sind in dieser Prognose bislang aber nicht zu erkennen.

DWD sieht Ende August sogar eher kühle Woche

Auch die längerfristigen Klimavorhersagen sprechen zunächst gegen eine rasche Rückkehr der Hitze. Für die Woche vom 24. bis 30. August berechnet der DWD für Deutschland eine Wahrscheinlichkeit von 57 Prozent für eine unterdurchschnittlich kühle Woche. Die Wahrscheinlichkeit für durchschnittliche Temperaturen liegt bei 40 Prozent, für eine wärmere Woche lediglich bei 3 Prozent.

Als klimatologisch normal gilt für diesen Zeitraum ein deutschlandweites Wochenmittel zwischen 16,2 und 17,7 Grad.

Passend dazu zeigt die Niederschlagsprognose des DWD für weite Teile Deutschlands eine Tendenz zu eher feuchteren Bedingungen. Besonders im Süden fällt das Signal deutlich aus. Eine stabile Hochdrucklage mit länger anhaltender Hitze ist damit zunächst wenig wahrscheinlich.

Wird es Anfang September wieder wärmer?

Interessanter wird der Blick weiter nach vorne. In der Woche vom 31. August bis 6. September gleichen sich die Wahrscheinlichkeiten bei den Temperaturen bereits stärker an. Der DWD sieht dann rund 42 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine kühlere, 45 Prozent für eine durchschnittliche und 13 Prozent für eine wärmere Woche.

Noch später verschiebt sich das Bild weiter: Für die Woche vom 7. bis 13. September steigt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen auf etwa 37 Prozent. Für die folgende Woche vom 14. bis 20. September liegt sie bei rund 35 Prozent.

Allerdings nimmt die Aussagekraft solcher Prognosen mit jedem zusätzlichen Vorhersagetag deutlich ab. Auch die vom DWD dargestellte Vorhersagegüte ist für die späteren Wochen wesentlich schwächer als für die unmittelbar bevorstehende Woche.

ECMWF zeigt ebenfalls kein starkes Hitzesignal

Ein ähnliches Bild liefern die erweiterten Wochenprognosen des europäischen Wettermodells ECMWF.

Für die Woche vom 24. bis 31. August liegen die Temperaturen in Deutschland nach aktuellem Stand überwiegend nahe am langjährigen Mittel. Eine ausgeprägte positive Temperaturabweichung ist nicht zu erkennen.

Auch für den Zeitraum vom 31. August bis 7. September zeigt das Modell über Deutschland überwiegend nur geringe Abweichungen vom klimatologischen Durchschnitt.

Erst in der Woche vom 7. bis 14. September deutet sich in Teilen Mitteleuropas eine Tendenz zu höheren Temperaturen an. Die deutlich stärkeren positiven Abweichungen liegen in der aktuellen Berechnung allerdings eher über Südost- und Osteuropa.

Kommt also noch einmal eine Hitzewelle?

Möglich ist eine spätsommerliche Erwärmung – eine neue Hitzewelle ist derzeit aber nicht absehbar.

Bis mindestens Ende August dominieren nach aktuellem Stand normale bis zeitweise unterdurchschnittliche Temperaturen. Einzelne Tage mit 27, 28 oder 29 Grad sind durchaus möglich, reichen aber noch nicht für eine verbreitete Hitzephase.

Richtung September steigt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittlich warme Bedingungen etwas an. Gerade bei Vorhersagen über zwei oder drei Wochen sind die Unsicherheiten jedoch erheblich. Ein belastbares Signal für mehrere Tage mit verbreitet mehr als 30 Grad gibt es derzeit weder beim DWD noch beim ECMWF.

Der Sommer ist damit noch nicht zwingend vorbei. Eine Rückkehr von warmem oder auch sehr warmem Spätsommerwetter bleibt möglich. Eine erneute große Hitzewelle lässt sich aus den aktuellen Prognosen aber nicht ableiten.