Was geschah am . . . 14. Juni 1789?: Der Kapitän der „Bounty“ erreicht mit 18 Matrosen die Pazifik-Insel Timor

Die „Bounty“ erreicht Tahiti (Szene aus dem US-Spielfilm „Meuterei auf der Bounty“ von 1962.
Imago/Mary EvansSkrupellose, machtbesessene Kapitäne geben großartigen Romanstoff ab. Man denke an Ahab in „Moby Dick“ und Flint in der „Schatzinsel“. Oder Kapitän Bligh, gegen den die Mannschaft der „Bounty“ meuterte.
Der „Bounty“-Mythos
Dass der echte William Bligh gar kein Kapitän war, sondern nur Leutnant, und möglicherweise auch gar nicht besonders grausam, spielt für den „Bounty“-Mythos keine Rolle. In den meisten Versionen der Erzählung drangsaliert er seine Mannschaft dermaßen, dass man ihm die Meuterei von Herzen gönnt.

Bildnis von Kapitän William Bligh
Foto: Imago/UIGZusammengefasst beschreibt das Royal Navy Museum im südenglischen Portsmouth die Geschichte so: 46 Seeleute stachen am 23. Dezember 1787 unter britischer Flagge von Spithead in England gen Südsee in See, um Brotfruchtbaum-Stecklinge aus Tahiti auf die Antillen zu transportieren.
Auf dem Rückweg meutert ein Teil der Mannschaft, allen voran Fletcher Christian. Bligh und 18 Seeleute, die zu ihm halten, werden am 28. April 1789 in einer Barkasse ausgesetzt.
5800 im Beiboot über den Pazifik
Bligh erreicht mit seinen Leuten nach 48 und insgesamt 5800 Kilometern einen europäischen Stützpunkt. Ein Teil der Meuterer bleibt auf Tahiti und wird später festgenommen. Christian und einige andere siedeln sich auf der einsamen Insel Pitcairn im Südpazifik an.
Dieses isolierte und auf keiner Seekarte eingezeichnete Eiland ist die Hauptinsel der Pitcairninseln und liegt 5000 Kilometer von Neuseeland und 5400 Kilometer von Südamerika entfernt mitten im Pazifik. Mit 4,5 Quadratkilometern ist sie ist die einzige bewohnte Insel des Archipels.

Pitcairn ist die Hauptinsel der Pitcairninseln und liegt 5000 Kilometer von Neuseeland und 5400 Kilometer von Südamerika entfernt im Pazifik. Mit 4,5 Quadratkilometern ist sie ist die einzige bewohnte Insel des Archipels.
Foto: Imago/Robert HardingNach ihrer Tat ließen sich die Meuterer auf der abgelegenen Insel Pitcairn nieder. Vor deren Küste setzten sie die Bounty in Brand.

Clark Gable und Charles Laughton (re.) in „Meuterei auf der Bonty“ von 1935.
Foto: IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive/IMAGO
Marlon Brando und Trevor Howard (re.) in dem Spielfilm „Meuterei auf der Bounty“ von 1962.
Foto: Imago/Courtesy Everett Collection
Mel Gibson und Anthony Hopkins in dem Spielfilm „Die Bounty“ von 1984.
Foto: Imago//Courtesy Everett CollectionMachtkampf zwischen Kapitän Bligh und Fletscher Christian
Dramatische Stürme auf hoher See, der Machtkampf zwischen Bligh und Christian, knapper Proviant und Liebesbeziehungen zwischen der Besatzung und schönen Tahitianerinnen: Die „Bounty“-Erzählung hat alles, was großes Kino braucht.
Tatsächlich sind es wohl vor allem die Verfilmungen, die das Schicksal des Dreimasters und seiner Besatzung, das schon die Zeitgenossen elektrisierte, bis heute zum Allgemeingut nicht nur für Seefahrt-Fans machen.

Nachbau der „Bounty“ aus dem Jahr 1960.
Foto: Imago/Courtesy Everett Collection
Kapitän Bligh und 18 Matrosen werden in einer Barkasse auf See ausgesetzt.
Foto: Imago/UIGClark Gable, Marlon Brando und Mel Gibson durften in den Jahren 1935, 1962 und 1984 jeweils Fletcher Christian und damit den heldenhaften Kontrahenten des grausamen Bligh spielen.
Allerdings hält sich die jüngste Verfilmung stärker an die Tatsachen als ihre Vorgänger. Als Quellen dienen etwa zeitgenössische Zeitungsberichte, Blighs Aufzeichnungen und Gerichtsakten der Prozesse gegen ihn und die Meuterer.
Kapitän Bligh kommt in Büchern gut weg
Experten sind sich weitgehend einig: Bligh war für seine Zeit gar nicht ungewöhnlich sadistisch. „Ich habe keinen Grund zu strafen, ich habe keine Missetäter, und alles läuft nach meinen höchsten Erwartungen“, schrieb er in einem Brief von unterwegs, den die englischsprachige Autorin Caroline Alexander in ihrem Buch „Die Bounty“ dokumentiert.
Und dass mangelnde Disziplin mit der „neunschwänzigen Katze“ bestraft wurde, die man heute eher in Foltermuseen findet, war durchaus üblich.
Wer ist der Held der Geschichte?
Ist Bligh vielleicht sogar der heimliche Held der Geschichte? Dass er sich und die anderen Männer in einem überfüllten Boot und unter kaum vorstellbaren Entbehrungen 48 Tage lang unfallfrei fast 6000 Kilometer durch die Südsee navigierte, ist zweifellos eine Meisterleistung. Nur ein Mann kam unterwegs um, der von Einheimischen auf einer Insel erschlagen wurde.

Nachbau der „Bounty“ von 1960in Riviera Beach (US-Bundesstaat Florida), der 2012 dem Hurrikan Sandy“ zum Opfer fiel.
Foto: imago/ZUMA Press/imago stock&peopleZu wem man auch hält, faszinierend bleibt die „Bounty“ auf jeden Fall. Neben den drei großen Verfilmungen gibt es unzählige Dokus, Fernsehfilme, Hörspiele, Romane und Sachbücher, die die Geschichte nacherzählen oder an sie anknüpfen. Sogar für einen Schokoriegel mit Kokosfüllung stand das Schiff Pate.
Wo liegt heute der Nachbau der „Bounty“ vor Anker?
Und wer die „Bounty“ selbst in Augenschein nehmen will, kann das tun. Vor der Insel Pitcairn liegt zwar nur noch ihr Wrack, und der Kino-Nachbau von 1960 fiel 2012 im Hafen von Riviera Beach im US-Bundesstaat Florida dem Hurrikan „Sandy“ zum Opfer.
Die zweite Film-“Bounty“ aus dem Jahr 1978 liegt aber bis heute, nach wie vor seetüchtig, im Hafen von Hongkong.
Info: Die (Irr)-fahrt der Bounty“
23. Dezember 1787
Die „Bounty“ sticht vom englischen Hafen Spithead in See
10. Januar 1788
Abreise von Santa Cruz de Tenerife auf den Kanaren
7. Februar 1788
Das Schiff passiert den Äquator
23. März 1788
Die „Bounty“ nimmt Kurs auf Kap Hoorn
22. April 1788
Kapitän Bligh den Kurswechsel zum Kap der Guten Hoffnung
24. Mai 1788
Die „Bounty“ trifft in False Bay bei Kapstadt ein
20. August 1788
14-tägiger Zwischenstopp in dr Adventure Bay auf der Insel, südöstlich von Tasmanien in Australien
19. September 1788
Bligh entdeckt die Bounty-Inseln, eine Gruppe winziger Felsen südöstlich Neuseelands
25. Oktober 1788
Die „Bounty“ erreicht Tahiti und geht in der Matavi-Bucht vor Anker
4. April 1789
Die „Bounty“ verlässt Tahiti und nimmt Kurs auf die Endeaver-Straße, den südlichsten Teil der Meerenge zwischen Australien und Neuguinea
24. April 1789
Das Schiff legt einen Zwischenstopp in Nomuka auf den Tongainseln ein
28. April 1789
Südlich von Tofua kommt es unter Fletscher Christian zur Meuterei; Kapitän Bligh wird mit 18 weiteren Seeleuten in das Beiboot gesetzt
14. Juni 1789
Bligh erreicht mit 17 Überlebenden nach 41 Tagen auf See und 5800 Kilometern die niederländische Faktorei Kupang auf Timur
14. März 1790
Bligh erreicht den britischen Hafen Portsmouth
22. September 1789
Fletscher Christian erreicht mit der „Bounty“ Tahiti
15. Januar 1790
Die verbliebenen Meuterer sichten die auf keiner Seekarte verzeichnete Insel Pitcairn mitten im Pazifik
23. Januar 1790
Einer der Meuterer steckt die gestrandete „Bounty“ in Brand, um jede von See aus sichtbare Spur zu vernichten
1793
Fletscher Christian stirbt vermutlich gewaltsam auf Pitcairn
35
Personen, überwiegend direkte Nachkommen der Meuterer, leben heute noch auf der kleinen Insel