Unsichere Zukunft: Gewerbe Akademie droht Schließung

Die Gewerbe Akademie Schopfheim aus der Vogelperspektive betrachtet. Da viele Räume und Werkstätten leerstehen, ist der Fortbestand der Einrichtung ungewiss.
zVg/euroluftbild.de/Werner RiehmMitte der 1980er Jahre nach Eröffnung voll ausgelastet, stehen heute viele Schulungsräume, Werkstätten sowie das Wohnheim der Gewerbe Akademie leer. Ein Hauptgrund: Infolge des demografischen Wandels fehlen Auszubildende im Handwerk. Diese werden nicht nur in den Handwerksbetrieben selbst, sondern auch in der Gewerbe Akademie ausgebildet. Ausbleibende Fördermittel und ein hoher Sanierungsbedarf des Gebäudes fordern von der Handwerkskammer (HWK) Freiburg als Trägerin nun Entscheidungen, wie die HWK in einer Pressemitteilung schreibt. An einem tragfähigen Nutzungskonzept werde mit verschiedenen Akteuren gearbeitet. Ergebnisse sollen bis spätestens Ende 2026 vorliegen.
Wichtige Stütze für den Bereich Ausbildung
An den Gewerbe Akademien wird die sogenannte überbetriebliche Ausbildung im Handwerk angeboten. Ausbilder der Handwerkskammer vermitteln in Lehrwerkstätten Theorie und Praxis, um einheitliche Standards zu garantieren – als sinnvolle Ergänzung zur individuellen Ausbildung im jeweiligen Handwerksbetrieb. Derzeit unterhält die Handwerkskammer Freiburg in Schopfheim, Freiburg, Offenburg und Lahr Akademie-Standorte. Darüber hinaus werden an den Gewerbe Akademien berufliche Weiterbildungsmaßnahmen für Handwerker angeboten, beispielsweise Meister- und andere Fachkurse. Maßnahmen zur beruflichen Orientierung von Schülern runden das Angebot ab.

In der Gewerbe-Akademie Schopfheim bietet die Handwerkskammer Freiburg derzeit noch die sogenannte überbetriebliche Ausbildung für Azubis aus dem Handwerk an. Doch viele Räume und Werkstätten stehen weitgehend leer.
Foto: zVg/HWK FR/Sina Graziani-LeppertÖffentliche Förderung ist in Gefahr
Diese „Bildungshäuser“ werden im Unterschied zu den beruflichen Schulen in hohem Maße durch das Handwerk selbst finanziert. Auch die Kosten für die überbetriebliche Ausbildung werden nach Abzug der staatlichen Förderung auf die Betriebe umgelegt. „Wenn allerdings die Auslastung dauerhaft zu gering ist, geht uns die öffentliche Förderung verloren und die Belastung unserer Betriebe steigt durch die Gebäude- und Werkstattkosten deutlich“, wird Christof Burger, Präsident der HWK Freiburg, in der Mitteilung zitiert. Eine wohnortnahe überbetriebliche Ausbildung sei heutzutage aufgrund der durch den demografischen Wandel in den vergangenen Jahrzehnten im Handwerk gesunkenen Ausbildungszahlen ohnehin nicht mehr durchgängig möglich.
Gebäude in Schopfheim sind ein Sanierungsfall
Seit geraumer Zeit fehlt es in Schopfheim teilweise an der Auslastung von Räumen und Werkstätten, was dazu führt, dass die staatlichen Zuschüsse ausbleiben. Darüber hinaus ist der Gebäudekomplex mit Baujahr 1985 in die Jahre gekommen und sollte dringend saniert werden – ein Vorhaben, das laut Mitteilung der HWK mehrere Millionen Euro kosten würde. Die Vollversammlung der Handwerkskammer Freiburg habe reagiert und bereits 2023 auf Basis einer Machbarkeitsstudie entschieden, ihre Bildungsinfrastruktur im gesamten Kammerbezirk neu zu strukturieren.
Aktuell versuchen die Vertreter der HWK Freiburg und der Kreishandwerkerschaft Lörrach alles, um den Standort Schopfheim in die Zukunft zu transformieren, heißt es in der Mitteilung weiter. „Im Idealfall steigt ein Partner mit einem förderfähigen Konzept ein. In diesem Fall wäre eine Abtretung von Flächen denkbar. Damit wären auch wir in der Lage, mit unseren ausbildungsstarken Gewerken am Standort zu verbleiben und so das regionale Handwerk zu stützen.“
Suche nach Partner mit förderfähigem Konzept
Eine andere Möglichkeit bestünde darin, das Kursprogramm in verschiedene Berufsschulen im Landkreis Lörrach auszulagern: „Wir sind in Gesprächen mit allen Akteuren und hoffen, bis Ende 2026 eine tragfähige Lösung zu finden. Andernfalls müssten wir schweren Herzens über eine Schließung des Standorts und eine Verlagerung nach Freiburg nachdenken.“