Neuenburger Hallenbad: Auggens Bürgermeister schreibt Brandbrief

Noch ist unklar, wie es dauerhaft mit dem Neuenburger Hallenbad weitergeht.
Alexander Anlicker- Auggens Bürgermeister fordert schnelle Landeshilfe für das marode Neuenburger Hallenbad.
- Er kritisiert: Pflichtfach Schwimmen ohne ausreichende Landesfinanzierung gefährdet den Unterricht.
- Appell an das Land – Soforthilfeprogramm und langfristige Finanzierungsstrategie gefordert.
- Schwimmunterricht dürfe kein Wohnortsprivileg werden, sonst drohen ungleiche Bildungschancen.
- Neuenburger Bad: gravierende Mängel, Provisorium beschlossen, Wiedereröffnungstermin noch unklar.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
In dem vierseitigen Schreiben an Kultusminister Andreas Jung findet der Auggener Bürgermeister Ulli Waldkirch deutliche Worte und fordert: „Schluss mit politischen Lippenbekenntnissen auf Kosten unserer Kinder“. Waldkirch ist damit der erste Bürgermeister aus dem Umland, der sich öffentlich zur Debatte um die Zukunft des Neuenburger Hallenbads äußert.
Er kritisiert, dass das Land Baden-Württemberg Schwimmen zurecht als Pflicht im Schulunterricht vorgebe, die Finanzierung der Infrastruktur aber weitgehend den Kommunen überlasse. Der Schwimmunterricht im ländlichen Raum sei durch die Unterfinanzierung und drohende Schließung von Hallenbädern akut gefährdet, warnt der Auggener Rathauschef.
Wachsende Kluft zwischen bildungspolitischem Anspruch und kommunaler Wirklichkeit
Es klaffe eine immer größere Lücke zwischen dem gesetzlichen Bildungsauftrag des Landes und der finanziellen Realität der Kommunen, die die Infrastruktur allein kaum tragen könnten. Waldkirchs Forderung: „Wer eine Pflicht vorgibt, muss auch Verantwortung dafür übernehmen, dass sie erfüllt werden kann.“
Laut Bürgermeister brauche es zwingend „eine angemessene finanzielle Beteiligung des Landes an der Sicherung der notwendigen Schwimmbadinfrastruktur“. Es reiche nicht, Förderprogramme anzukündigen, deren Voraussetzungen und zeitliche Abläufe den akuten Problemen vor Ort nicht gerecht würden. Waldkirch: „Ein Hallenbad, das wegen dringender technischer Mängel nicht öffnen kann, benötigt keine politische Absichtserklärung. Es benötigt eine konkrete Lösung. Und zwar jetzt.“
Ungerechte Bildungschancen
In seinem Schreiben formuliert er einen „eindringlichen Appell“: Schwimmunterricht dürfe kein Privileg des Wohnorts werden.
Angesichts der aktuellen Entwicklung drohten Kinder im ländlichen Raum abgehängt zu werden, fürchtet Waldkirch, da Ausweichbäder wegen langer Fahrtzeiten und fehlender Kapazitäten keine wirkliche Alternative böten. Er warnt in diesem Zusammenhang vor ungerechten Bildungschancen.
Die Problematik macht er am eigenen Beispiel deutlich. Die Gemeinde Auggen sei als Schulträger dringend auf das Hallenbad der Stadt Neuenburg angewiesen. Bei einer Schließung gebe es für die Schüler kaum mehr eine realistische Möglichkeit, im Rahmen des regulären Schwimmunterrichts schwimmen zu lernen. Das Neuenburger Hallenbad sei für mehrere Schulen sowie Institutionen wie Feuerwehr, DLRG oder Bundeswehr von essenzieller Bedeutung, macht Waldkirch deutlich.
Waldkirch: Es braucht eine langfristige Finanzierungsperspektive
Der Auggener Bürgermeister fordert von der Landespolitik ein unbürokratisches Soforthilfeprogramm für kommunale Hallenbäder, deren Schließung den Schulschwimmunterricht gefährdet. Außerdem brauche es eine langfristige Finanzierungsperspektive für jene Hallenbäder, die bedeutsam für eine ganze Region sind und mehreren Gemeinden den Schwimmunterricht ermöglichen. Darüber hinaus fordert er, dass die Verteilung der finanziellen Verantwortung zwischen Land und kommunalen Schulträgern grundsätzlich überprüft wird.
Waldkirch: „Ich bin bereit, gemeinsam mit unseren Nachbarkommunen nach Lösungen zu suchen und im Rahmen unserer Möglichkeiten finanzielle Beiträge zu leisten.“ Was er jedoch nicht akzeptiere, sei eine Situation, in der die Kommunen mit einem strukturellen Problem allein gelassen würden, dessen Folgen weit über ihre Zuständigkeit hinausreichten.
Land soll Farbe bekennen
Falls die Landesregierung die Voraussetzungen für einen flächendeckenden Schwimmunterricht nicht dauerhaft sichern könne oder wolle, müsse sie dies offen kommunizieren. Gleichzeitig spricht sich Waldkirch ausdrücklich dafür aus, dass der Schwimmunterricht auch weiterhin fester Bestandteil des Bildungsplans bleibt. Er halte es für eine „elementare Aufgabe unseres Bildungssystems, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, schwimmen zu lernen“. Denn diese Fähigkeit entscheide im Ernstfall über Leben und Tod.
Neuenburger Hallenbad auf der Kippe
Die ungewisse Zukunft des Neuenburger Hallenbads hat in diesem Jahr nicht nur die Neuenburger, sondern auch viele Menschen in der Region bewegt. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass das Bad auf der Kippe steht wegen hoher Betriebskosten und massivem Sanierungsbedarf bei gleichzeitig knappen Kassen. Eine Petition der DLRG-Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg mit dem Titel „Rettet das Neuenburger Hallenbad“ haben bis heute mehr als 6200 Menschen unterschrieben.
Wegen gravierender Mängel musste das Bad nach der Sommerpause 2026 geschlossen bleiben. Ende September gab der Gemeinderat grünes Licht für ein Provisorium - mit dem Ziel, den Badbetrieb noch in diesem Winter wieder aufnehmen zu können. Die beschlossenen Sofortmaßnahmen zur statischen Ertüchtigung sollen zumindest einen Weiterbetrieb für rund fünf Jahre ermöglichen. Eine endgültige Entscheidung über Sanierung versus Neubau steht noch aus.
Die Arbeiten zur Stabilisierung der Statik seien aktuell im Gange, teilte Rathaussprecher Martin Bächler auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Wann genau das Bad wieder öffnen kann, sei zum jetzigen Zeitpunkt indes noch unklar.
