Maulburg
: Lucia Engombe ist an der Niere erkrankt

Vor neun Jahren war Lucia Engombe aus Namibia in Maulburg zu Besuch und erzählte die Redakteurin ihre Lebensgeschichte. Nun ist sie selbst in existenzieller Not.
Von
Kathryn Babeck
Maulburg
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Lucia Engombe im Jahr 2015, als sie aus ihrem Buch im Dorfstübli vorlas.

Harald Pflüger

Vor 14 Tagen hat der ehemalige Pfarrer von Maulburg, Karlfrieder Walz, mit Lucia Engombe im Ovamboland bei Oshakat korrespondiert. Sie schreiben sich in regelmäßigen Abständen, sagt er. Bei Engombe hätten Ärzte 2022 eine Nierenerkrankung festgestellt. Sie leide an Übelkeit und körperlicher Schwäche, berichtet der ehemalige Pfarrer.

Im Markgräflerland

Im Jahr 2014 lernte er sie bei Rundfunkaufnahmen des deutschsprachigen Rundfunks in Windhuk, Namibia, kennen. Er sollte dort eine Morgenandacht aufnehmen. Engombe war als Redakteurin dafür zuständig. Der Maulburger Gemeindepfarrer war für vier Monate in Windhuk im kirchlichen Entwicklungsdienst. 2015 holt er Engombe für 14 Tage nach Maulburg. Gemeinsam waren sie im Markgräflerland unterwegs. Dabei erzählte Engombe ihre Geschichte unter anderem im Dorfstübli, vor Schulklassen und in Buchhandlungen. Es sei ihr Bedürfnis gewesen, von ihrer Erfahrung als Entwurzelte zu erzählen und so um Verständnis für die Vielzahl an Geflüchteten zu werben, sagt er.

Kein soziales Netz

Nun, so berichtet Walz, ist Engombe ohne Einkommen, denn sie ist arbeitslos. In Namibia gibt es kein Sozialsystem. Kranke sind auf die Hilfe der Familie angewiesen. Engombe lebt von Gaben aus der Nachbarschaft, sie hat keinen familiären Rückhalt. Die Arbeitslosenrate in diesem Land liege bei 50 Prozent, schildert Walz die Situation. Aus diesem Grund habe die Maulburger Kirchengemeinde für Engombe ein Spendenkonto eingerichtet.

In der DDR

Die Geschichte von Engombe ist komplex. 1972 ist sie in Oshakati in der Region Oshana geboren. Ihre Eltern sind Freiheitskämpfer der sozialistischen Deutsch Südwestafrikanische Volksorganisation (Swapo), die für die Unabhängigkeit Namibias und gegen das System der Rassentrennung sich zur Wehr setze. Als Engombe vier Jahre alt ist, geht die Familie ins Exil nach Sambia und lebt in einem Flüchtlingslager. Der Vater wird als Verräter diffamiert und inhaftiert. Im Alter von sieben Jahren wird Engombe 1979 ausgewählt und nach Ost-Berlin gebracht. Sie soll in der DDR eine sozialistische Eliteausbildung erhalten. Mit 79 anderen namibischen Kindern lebt sie im Schloss Bellin in Mecklenburg-Vorpommern in einem streng reglementierten Internat, abgeschirmt von den Ostdeutschen. 1985 kommt sie an die Oberschule im sachsen-anhaltinischen Staßfurt und erlebt den Rassismus mancher Einheimischer, den sie damals noch nicht einordnen kann.

Nach dem Mauerfall wird sie 1990 nach Namibia zurückgeschickt. Sie wird in ein Auffanglager von Katutura am Rande von Windhuk gebracht.

Nach Tagen holt sie ihre Mutter dort ab. Durch die lange Trennung ist das Verhältnis der beiden gestört.

Rückkehr nach Namibia

Ein weißes Farmerehepaar kümmert sich um Engombe und gibt ihr Halt. 1994 gelingt es ihr Abitur an der Deutschen Schule in Windhuk, auf der bis vor kurzem nur weiße Farmerkinder gegangen sind, zu machen. Ihre Erinnerungen an die Zeit in der DDR hat sie im Buch „Kind Nummer 95 – Meine deutsch-afrikanische Odyssee“ im Jahr 2004 festgehalten. Ihren Vater trifft sie ein Jahr später zum ersten Mal wieder. In der deutschsprachigen Religionsredaktion des Senders NBC in Windhuk erhält sie dann eine Anstellung.

2015 bis 2021 war Engombe Leiterin Leiterin des deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen namibischen Hörfunksenders NBC im Funkhaus Namibia.

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