Marketingkooperation vor dem Aus: Auch Schopfheim verlässt „Südwärts“

Noch existiert die Online-Präsenz von „Südwärts“ in ansprechendem Design – inhaltlich indes ist das Angebot mit nur noch zwei Mitgliedsgemeinden längst eher dürr.
Anja BertschMit dem einstimmigen Beschluss zum Ausstieg folgte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag dem Vorschlag der Verwaltung – und dem Vorbild fast aller übrigen vormaligen Mitglieder, die sich nach und nach verabschiedet hatten.
Ursprünglich acht Mitgliedskommunen
Südwärts war 2004 von den acht Mitgliedsgemeinden Häg-Ehrsberg, Zell im Wiesental, Hausen im Wiesental, Schopfheim, Hasel, Maulburg, Kleines Wiesental und Steinen gegründet worden. „Zielsetzung war die Bündelung regionaler touristischer Angebote, um Sichtbarkeit, Reichweite und Effizienz im Marketing zu erhöhen sowie den Naherholungs- und Übernachtungstourismus zu fördern“, blickt die Stadtverwaltung in ihrer Gemeinderatsvorlage zurück.
Schrittweiser Ausstieg aus der Gesellschaft
Nach dem schrittweisen Ausstieg der übrigen Mitglieder aus der Kooperation bestand die „Gemeinschaft“ seit Mitte 2024 allerdings nur noch aus Schopfheim und Steinen. Die freilich hatten mit Blick auf die ursprüngliche Zielrichtung nicht (mehr) allzu viel gemein, und als Zweiergemeinschaft auch nicht mehr die gewünschte Strahlkraft : „Die beiden Partner unterscheiden sich erheblich hinsichtlich touristischer Angebotsstruktur, Zielgruppen und Ausrichtung strategischer Prioritäten“, hält die Stadt in diesem Zusammenhang fest. „Synergien, die damals Grundlage der Kooperation waren, treten kaum noch ein“, heißt es, und weiter: „Mit zwei strukturell sehr unterschiedlichen Gemeinden fehlt die kritische Masse für zielgruppenorientierte Vermarktung, abgestimmte Produktentwicklung, gemeinsame Markenführung und effiziente Marketingkampagnen.“
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige, dass sich mit diesem Konstrukt keine nennenswerten gemeinsamen Vermarktungseffekte oder ein sichtbarer Mehrwert erzielen lassen. Zugleich werde die strategische (Neu-)Ausrichtung der städtischen Tourismusarbeit behindert, führt die Stadt weiter aus. Es sei daher folgerichtig, die Marketinggemeinschaft aufzulösen.
„Das ist längst überfällig“, hinterlegte CDU-Gemeinderat Michael Böhler: Der ursprüngliche Zweck der Kooperation werde längst nicht erfüllt – der Ausstieg solle daher „so schnell wie möglich“ erfolgen.
Besinnung auf Innenstadt-Marketing
Die Auslösung der Kooperation soll personelle und ideelle Kapazitäten freisetzen für eine „effizientere, eigenständige Positionierung und für eine zukunftsgerichtete Tourismusstrategie“, heißt es in der Vorlage. Personelle Kapazitäten könnten künftig stärker auf städtische Projekte fokussiert, besser mit Wirtschaftsförderung und Kultureinrichtungen verzahnt und strategisch eingesetzt werden.
Was damit gemeint sein könnte, führte die zuständige Sachbearbeiterin Tanja Zimmermann auf Nachfrage von Gemeinderätin Gisela Schleith (Grüne) aus. „Wir wollen uns erst einmal auf uns selbst besinnen: Was nutzt Schopfheim, und wo haben wir Potenzial?“ Ein Fokus liege dabei auf dem Innenstadt-Marketing. „Wir haben eine wunderschöne, historische Stadt, und es gibt eine Menge Potenzial, da mehr rauszuholen, zum Beispiel im Tagestourismus“, flankierte Bürgermeister Dirk Harscher.
Trennung schnell über die Bühne bringen
Die Verwaltung soll nun mit der Gemeinde Steinen aushandeln, wie die Trennung möglichst glatt – und möglichst schnell – über die Bühne gebracht werden kann. Der Vertrag mit der Gemeinde Steinen über die Marketinggemeinschaft Südwärts wird zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Zugleich ist die Verwaltung nun beauftragt, mit der Gemeinde Steinen Verhandlungen über eine einvernehmliche vorzeitige Vertragsauflösung schon zum 30. Juni aufzunehmen.
Kooperationen weiter möglich
Unberührt von der Trennung und der Besinnung auf sich selbst bleibe die Option, „künftig punktuell mit der Gemeinde Steinen oder weiteren regionalen Partnern zu kooperieren – insbesondere dort, wo gemeinsame Interessen bestehen – etwa bei Rad- und Wanderwegen, Veranstaltungen oder Naturprojekten.“