Alternatives Festival: Holzrock-Besucher trotzen dem Schlamm im Schopfheimer Sengelen

Fallback Image SB
Schwarzwälder BoteVor allem am Samstag glich das Sengelenwäldchen nach den teils sintflutartigen Regenfällen in der Nacht und dem ganzen Samstag über einer ausgedehnten Sumpflandschaft.
Für eingefleischte Holzrockgänger ist das allerdings nichts Neues, wie wie Anika bestätigt – ursprünglich aus Schopfheim, mittlerweile in Offenburg, und beim Festival hinterm Stand des Kochkollektivs „Maulwürfe“ aktiv: „Beim Holzrock regnet es eigentlich jedes Jahr. Dass es an einem Tag so durchschifft, ist aber eine Ausnahme.“ Aber egal: Viele wollten auf das linksautonome Musik- und Kulturfestival nicht verzichten, und schürten sich die Gummistiefel oder Docs unter, um damit durch den Schlamm zu waten.

Der Weg zu den Gastro-Buden war beschwerlich...
Foto: Christoph SchennenAn den zwei Festivaltagen spielte ein knappes Dutzend Bands auf der Bühne, die ein weites Spektrum an Musikrichtungen widerspiegelten.
Ein Dutzend Bands
Der Stilmix reichte vom „Do-it-Yourself-Synthie-Punk“ der Band „Szene putzen“ bis zum „Rock’n’Riot“ von „A Mess“. Am Freitag eröffneten „Trancy and the Space Dogs“ mit ihrem „Psychedelic Space Punk“, so die Selbstbeschreibung, das Musikprogramm. Am Samstag spielten unter anderem die „Angeilikas“. Den Festival-Abschluss machte das Indie-, Disco-, Dada-Techno-Projekt „Das Günther“.

„The Snares“ aus Sacramento hatten den weitesten Weg nach Schopfheim
Foto: Anja BertschVor allem in den Nachmittagsstunden versteht sich das Holzrock durchaus auch als Familienfestival, und so hatten auch dieses Mal etliche Besucher ihre Kinder mitgebracht, die beispielsweise über den Zauberer „Lilo“ aus dem Café-Irrlicht-Team staunten oder sich an den ausliegenden Jonglier- und Akrobatik-Utensilien selbst ausprobieren konnten.
Die Vorträge standen dieses Jahr unter dem Motto „Selbstverwaltung“. Zwei junge Frauen schilderten, wie sie und ihre Freunde die besetzten Häuser an der Elsässer Straße in Basel verteidigen – obwohl ihnen mittlerweile die Wasser- und Stromzufuhr gekappt wurden. Zwei anderen Frauen stellten das Projekt „Erogene Zone“ vor, das einen Sexshop in Freiburg betreibt und sich mit Selbstverwaltung und Dekonstruktion von Machtstrukturen beschäftigt. Wiederum zwei weitere Akteurinnen stellten das Magzin „Tracing back the steps of our fat liberation“ von und für „Fatties“ vor.

Politische Botschaften sind Programm auf dem Holzrock.
Foto: Anja BertschAuch für weitere Organisationen aus dem linken Spektrum war das Holzrock Plattform, von der Roten Hilfe bis zum „Linke Zentrum Schwenningen“, das sich als solidarische Alternative zu einem auf Profitmaximierung ausgerichteten System versteht.
In Sachen Verpflegung verzichten die Holzrock- Macher auf das allgegenwärtige Bratwurst- und Pommes-Allerlei, und so servierte das „Maulwürfe“-Kollektiv die beliebten Grünkernburgern, während das Kaos-Kollektiv vegane und vegetarische Pizzen aus dem Ofen holte.
Holzrock seit 40 Jahren
Das Holzrock feierte in diesem Jahr sein vierzigjähriges Bestehen: 1985 fand die erste Auflage des Festivals statt – damals noch unterm Namen „Woodrock“. Geblieben ist über die Jahrzehnte der Anspruch, ein Festival außerhalb des Mainstream-Kultur auf die Beine zu stellen, das sich im Spektrum der linksalternativen Kultur verortet – antifaschistisch, antikapitalistisch, und jenseits jeglicher Gewinninteressen selbstorganisiert.

Das Sengele oberhalb von Schopfheim ist seit 40 Jahren Schauplatz des Holzrock.
Foto: Anja Bertsch