Kultur und Tradition aus Mappach
: Wenn die „Dämpfi“ pfeift und die Grumbiere wie Kaviar mundet

Die „Dämpfi“ wurde einst genutzt, um für Schweine Kartoffeln als Futter zu kochen. In den 1980er-Jahren wurde ein solcher überdimensionaler Dampfkochtopf aus dem Schrott gerettet. In der Folge entstand das „Dämpfi-Fescht“ – am Sonntag ist es wieder soweit.
Von
Daniel Hengst
Mappach
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Die "Dämpfi" in Mappach ist am Sonntag wieder in Betrieb. In ihr werden die Kartoffeln und Bauernwürste gegart.

Die "Dämpfi" in Mappach ist am Sonntag wieder in Betrieb. In ihr werden die Kartoffeln und Bauernwürste gegart.

Daniel Hengst
  • In Mappach steigt am Sonntag das „Dämpfi-Fescht“ – Start um 11 Uhr mit dem ersten Pfiff.
  • Es gibt den „Dämpfiteller“ mit Grumbiere, Zieger, Burewurscht und Münschterchäs.
  • „Die Diletanten“ spielen ab 11 Uhr, nachmittags folgen die „Läufelberg Musikanten“.
  • Die „Dämpfi“ von 1958 wurde in den 1980er-Jahren gerettet und restauriert.
  • Ein Teil des Erlöses geht an gemeinnützige Einrichtungen, entscheidet der Festausschuss.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist wieder soweit, die Festgemeinschaft in Mappach feiert hinter dem Gemeindehaus und im Gebäude das „Dämpfifest“. Der Startschuss, vielmehr der erste „Dämpfipfiff“, fällt am Sonntag, 11. Oktober, um 11 Uhr zum Festbeginn.

Wer sich auf Mappach einlässt, der weiß, dort gehen die Uhren anders. Dass einer etwas alleine macht, das kommt praktisch nicht vor. Unter dem Dach des Brauchtumsvereins, gegründet, um das Maibaumstellen und das Scheibenschlagen versicherungstechnisch abzusichern – wer kennt die Geschichte nicht –, ist auch das „Dämpfi-Fescht“ unter diesem Dach zu Hause. Die bisherigen Veranstalter sind weiter mit im Boot, die Freiwillige Feuerwehr, der Gesangverein, die Kirchengemeinde und ebenso der Ortschaftsrat.

Grumbiere, Zieger, Burewurscht und Münster

Alle zwei Jahre rüstet die Gemeinschaft zum „Dämpfi-Fescht“. Die Speisekarte benötigt keine Neuerung. Das Flaggschiff ist der „Dämpfiteller“ mit „Grumbiere“, „Zieger“, „Burewurscht“ und „Münschterchäs“. Selbstverständlich gibt es ebenso Kartoffeln mit Zieger oder mit Münsterkäse. Die Bauernwurst gibt es zudem mit Bauernbrot. Dazu gibt es Neuer Sauser – sowie die gänzlich übliche Getränkepalette. Bereichert wird das Speiseangebot durch eine Kuchentheke, die im Gemeindehaus aufgebaut wird und mehr als 100 Kuchen und Torten zählen wird.

Die „Grumbiere“ werden in der „Dämpfi“, einem überdimensionalen Dampfkochtopf, gedämpft. Wenn benötigt, dann kommt ebenso ein Korb mit „Burewürscht“ dazu. „Die Würscht schmecken einfach besser, als wenn sie im Wasser vor sich hinziehen. Einfach etwas kräftiger“, hebt Claudia Scheurer hervor.

Musikalisch legen „Die Diletanten“ ab 11 Uhr vor. Eigentlich gibt es die Formation nicht mehr, denn die Musiker haben sich dem Eisenbahnermusikverein Weil am Rhein angeschlossen. In Mappach sind die „Diletanten“ wieder mit dabei, verstärkt mit Akteuren der Eisenbahner. Damit bleibt ein weiteres Stück Tradition gewahrt.

Erstmals spielen die „Läufelberg Musikanten“

Damit beginnen die Besonderheiten! Nachmittags etwa gegen 14.30 Uhr übernehmen die „Läufelberg Musikanten“ die musikalische Umrahmung. Der frühere Ortsvorsteher, Vorsitzender des Gesangvereins und Mitglied im Dämpfi-Festausschuss, Helmut Grässlin, steuert die passende Geschichte dazu. In einer nicht zuletzt weinseeligen Runde beschwerte sich Jochen Grässlin, Musikalischer Leiter der Musikanten, bei Helmut Grässlin – beide sind nicht verwandt miteinander –, das die „Läufelberg Musikanten“ noch nie auf dem „Dämpfi-Fescht“ spielen durften, geschweige eingeladen wurden. Helmut ergriff die Chance, und nach ausgiebigen Verhandlungen standen die Konditionen fest. So kommt es, dass die „Läufelberg Musikanten“ beim „Dämpfi-Fescht“ aufspielen. „Das ist die Wucht“, sagt Helmut Grässlin, der sich eines überragenden Anziehungspunkts sicher ist.

Zusammen mit Ortsvorsteherin Claudia Scheurer erklären die beiden die Festdetails. Ungeahnte Schwierigkeiten hat die Hitzewelle im Sommer verursacht. „Viele Grumbiere sind einfach zu klein gewachsen“, bekennt Grässlin. Scheurer weiß, dass die Weinlese zum Festzeitpunkt längst gelaufen ist. „Neuer Sauser“ aus frisch getrotteten Weintrauben nicht so einfach zu bekommen ist. „Wir haben uns etwas einfallen lassen, schon vor Wochen“, meint Grässlin, der dabei sein schelmisches Lächeln aufsetzt.

Geschichten
rund ums Fest

Solche Probleme seien da, um gelöst zu werden. Grässlin erinnert sich noch an ein „Dämpfi-Fescht“, bei dem Zieger, Bauernwürste und Münsterkäse ausgingen. „Mit Dieter Hieber sind wir an dem Sonntag in den Hieber-Markt nach Binzen“, erzählt Grässlin. Alarmanlagen aus und hinein zum Einkaufen. Die Einkaufswagen wurden gefüllt, was der Markt hergab. Beim Verlassen staunte die Gruppe nicht schlecht. Ein größeres Polizeiaufgebot erwartete die „Einbrecher“. „Dieter Hieber hatte den Stillen Alarm nicht richtig entschärft“, erinnert sich Grässlin. Die Gruppe hätte aber wieder zum Fest gehen dürfen.

Die "Dämpfi" wird angefeuert.

Die "Dämpfi" wird angefeuert.

Daniel Hengst

Nicht weniger interessant: die Geschichte um die „Dämpfi“ selbst. „Mit der Dämpfi sind früher Arbeiter von Bauernhof zu Bauernhof und von Gemeinde zu Gemeinde gezogen. Dort wurden im großen Stil die Kartoffeln unter Dampfdruck gegart“, erzählt Grässlin. Die Mappacher „Dämpfi“ wurde 1958 gebaut und entsprechend eingesetzt. In den 1980er-Jahren rostete sie vor sich hin und sollte zur Schrottsammlung. 1984 kauften Karlheinz Hollenwäger und Bernd Geitlinger die geschichtsträchtige Maschine und restaurierten sie.

In den folgenden Jahren machten die beiden die Dämpfi mit viel handwerklicher Kunst und Erfindungsreichtum nicht nur funktionstüchtig, sondern auch zu einem Schmuckstück. Das erste Dämpfifest zugunsten der Aktion Sorgenkind geriet auf Anhieb zu einem Riesenerfolg. Aus einem einmaligen Fest wurde Tradition. Auch heute noch geht ein großer Teil des Erlöses an gemeinnützige Einrichtungen. An wen, darüber entscheidet der „Dämpfi“-Festausschuss.

Damit es weitergehen kann mit dem „Dämpfi-Fescht“, kümmern sich seit Jahren Uwe Breunig und Marc Stöckle um die geschichtsträchtige Maschine - aber das ist eine andere Geschichte.