Diskussion im Schopfheimer Rathaus
: Klare Absage an Wohnen auf dem Golfplatz-Areal

Tiny Houses nur für Touristen, ein neues Stadtquartier auf keinen Fall: Eine weitgehende Absage erteilte der Bauausschuss Ideen fürs Golfplatzareal in Ehner-Fahrnau.
Von
Anja Bertsch
Schopfheim
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Schwarzwälder Bote

Visionen unterschiedlicher Reichweite hat Jan Hinzpeter als Betreiber und Eigentümer für das Areal rund um den Golfplatz zwischen Schopfheim-Fahrnau und Hausen entwickelt. Im Bauausschuss am Mittwoch präsentierte er seine Ideen persönlich und stellte sich den Fragen des Gremiums. Das indes reagierte verhalten und zeigte sich damit auf Linie der Verwaltung.

Um was geht es?

In einem ersten Aufschlag möchte der Grundbesitzer unterm Schlagwort „Golf +“ auf einem 9000 Quadratmeter großen Teilbereich neben den bestehenden Hof-Gebäuden ein Tiny-Haus-Quartier errichten: „Ich fände es gut, wenn man das möglichst locker und grün gestaltet“, so Hinzpeter in der Sitzung – „es geht nicht darum, hier maximal zu verdichten“. Damit käme man einer ersten Skizze zufolge auf 25 bis 35 Häuschen mit einer Wohnfläche von 30 bis 90 Quadratmetern.

Genutzt werden sollen die Tiny Houses zum einen als Feriendomizile, zum anderen soll nach Vorstellung des Besitzers aber auch die langfristige Vermietung möglich sein. „Das sollte man flexibel gestalten“, befand Hinzpeter.

Neues Wohnquartier?

Zeitlich und räumlich deutlich ausgreifender ist die von Hinzpeter ins Spiel gebrachte „ergänzende städtebaulichen Entwicklungsperspektive“. Wenngleich in aller Zurückhaltung formuliert, geht es dabei um die Frage, ob auf der bislang weitgehend unbebauten Grünfläche zwischen Hausen und Schopfheim ein neues Wohngebiet denkbar ist. Auf dem insgesamt 18 Hektar großen Grundstück zwischen (Fluss) Wiese und Wald hätten unter Berücksichtigung unter anderem von Grünräumen und Abstandsflächen immerhin 7,5 Hektar „das Potenzial, als Fläche für die Stadtentwicklung genutzt zu werden“, heißt es in den Ausführungen.

Die Idee bezieht sich allein auf Schopfheimer, nicht auf Hausener Gemarkung; das betreffende Gelände gehört großenteils dem Golfplatzbesitzer, anderenteils der Stadt Schopfheim.

„Potential nutzen“

Grundsätzlich gehe es darum, das „wunderschöne Areal mit viel Potenzial“ besser zu nutzen, führt der Besitzer aus. Dabei rückt er unterschiedliche Aspekte in den Blick: „Das ist alles sehr schön dort – aber teils auch sehr alt“, hielt er mit Blick insbesondere auf die zum Golfplatz gehörenden ehemaligen Hofgebäude fest. Die Einnahmen aus dem Golfbetrieb reichten, um den Platz auf einem vernünftigen Niveau zu betreiben – nicht aber, um alles in Schuss zu halten.

Eine zusätzliche Nutzung in Sachen Tourismus und/oder Wohnraum brächte da ein Plus in Sachen „Einnahmestruktur“ – und hätte darüber hinaus auch einen Mehrwert für Stadt und Bevölkerung, so das Argument: Stärkung des Tourismus und der lokalen Wirtschaft schon im Stadium „Golf +“. Noch größerer wirtschaftlicher Nutzen, neuer Wohnraum und nicht zuletzt ein neues Naherholungsgebiet für die Schopfheimer gerade durch die städtebauliche Entwicklung: Während das Areal in seiner Funktion als Golfplatz aktuell nur von einer begrenzten Zahl von Leuten für rund sieben Monate genutzt wird, wäre es der Allgemeinheit dann deutlich zugänglicher. Eben hier sieht Hinzpeter sein Projekt denn auch grundsätzlich anders gelagert als eine zusätzliche Bebauung im Fahrnauer Bremt ein paar hundert Meter weiter, der Gemeinderäte und Verwaltung gerade erneut eine klare Absage erteilt hatten.

Touristische Nutzung

Im Bauausschuss stießen zumindest die großformatigeren Pläne über alle Fraktionen hinweg auf Ablehnung: Eine touristische Nutzung sei denkbar – alles weitergehende aber sicher nicht, so der Tenor.

Thomas Gsell eröffnete die Diskussion und erteilte den unter dem Schlagwort „städtebauliche Entwicklungsperspektive“ eingeführten Visionen im Namen der SPD eine klare Absage: „Das würde ja bedeuten, dass da ein ganz neuer Stadtteil entsteht – und das kommt für uns auf keinen Fall in Frage.“ Damit sich da nichts durch die Hintertür einschleiche, komme auch für die angedachte Tiny House-Siedlung ausschließlich eine touristische Nutzung in Frage: „Eine dauerhafte Nutzung ist auch da aus unserer Sicht nicht machbar und nicht gewünscht.“

„Für mich ist klar, dass es da bei den Plänen rein um Wohnbebauung geht“, hieb Kai Horschig namens der Freien Wähler in dieselbe Kerbe und sah sich hierin von den Ausführungen des Projektierers bestätigt: Eine rein touristische Nutzung sei „sicher schwierig“, hatte Hinzpeter zuvor erklärt, als er für eine flexible Nutzungsmöglichkeit der Tinyhäuser – touristisch und dauerhaft – geworben hatte. „Hier geht es um ein Wohngebiet am falschen Ort. Daher Ablehnung in allen Punkten“, schloss Horschig.

„Die Tiny House-Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, eine langfristige Wohnbebauung dort in unseren Augen aber nicht möglich“, hinterlegte Elke Rupprecht namens der Grünen.

„Das wäre ein Stadtteil auf der grünen Wiese“, hielt auch Thomas Kuri (CDU) fest. Mit Blick auf den Grundsatz, im Außenbereich keine Wohnbebauung zuzulassen, komme das keinesfalls in Frage.

Glamping am Golfplatz

Durchaus Potential aber sah er mit Blick auf die touristische Nutzung. Wo dieser Gedanke aus der SPD-Fraktion heraus zuvor in Richtung Camping und Wohnmobilstellplätze weitergesponnen worden war, brachte Kuri das Stichwort „Glamping“ (Kofferwort für Glamourous Camping) ins Spiel: Mit hochwertigen Unterkünften und gehobenem Ambiente lasse sich an diesem Standort womöglich ein zahlungswilliges Publikum anziehen. Grundsätzlich wolle man das Projekt nicht abwürgen und unterstütze die Vorlage der Stadt, schloss Kuri.

Gemeinderat entscheidet

Dem folgten die übrigen Fraktionen in ihrer Beschlussempfehlung an den letztlich entscheidenden Gemeinderat: Grundsätzliche Unterstützung der Tiny-House-Pläne – allerdings mit dem Zusatz, eine klare touristische Prägung sicherzustellen und eine spätere Umnutzung zu dauerhaften Wohnzwecken explizit zu verhindern.

Hinsichtlich der mittel- und langfristigen Entwicklung des Golfplatzareals will man die Gesamtfortschreibung des Flächennutzungsplans der VVG Schopfheim-Maulburg-Hausen-Hasel abwarten und kein separates Prüfverfahren eröffnen.