Badenova legt neue Gasleitung
: Meterhohe Stichflamme zwischen Schopfheim und Maulburg

Badenova verlegt entlang des „Promillesträßchens“ zwischen Schopfheim-Wiechs und Maulburg eine neue Gasleitung. Die Straße ist bis Mitte Oktober gesperrt.
Von
Werner Müller
Schopfheim
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Das restliche Gas in den alten Leitungen wird abgefackelt.

Werner Müller

Eine Straßensperre. Und plötzlich schießt dahinter eine meterhohe Stichflamme in den Himmel. Das hört sich dramatisch an, doch was sich da am frühen Morgen an der Baustelle in der Kalkofen-Kurve unterhalb von Wiechs abspielt, ist für Hans-Peter Stein kaum der Rede wert. Kein Wunder, denn der Fachmann steht im Dienst des Energieversorgers Badenova Netze und hat tagtäglich mit solch feurigen Ausbrüchen zu tun. Als Baubeauftragter ist er dafür verantwortlich, dass dabei alles glatt über die Bühne geht.

Seit gut einer Woche beaufsichtigt der erfahrene Experte die Verlegung einer neuen Gasleitung entlang des viel befahrenen Promillesträßchen zwischen Wiechs und Maulburg, das voraussichtlich noch bis Mitte Oktober für den Verkehr voll gesperrt ist (wir berichteten). Bei den Arbeiten handelt es sich nach Angaben von Badenova um eine Sanierungsmaßnahme. „Der betroffene Leitungsabschnitt ist mehr als 60 Jahre alt“, sagt Stein gegenüber unserer Zeitung. Das 800 Meter lange Teilstück ist nicht etwa undicht oder marode, sondern wird im Zuge der allgemeinen Netzerneuerung schlicht aus Altersgründen ausgetauscht.

Alle 60 bis 70 Meter wird aufgegraben

Die betagten Stahlrohre sind das letzte Überbleibsel der alten Leitung. An ihrer Stelle verlegt der Bautrupp jetzt Kunststoffrohre, wie sie auf Maulburger sowie auf Schopfheimer Anschlussseite schon seit mehreren Jahren im Boden liegen. Ganz ausgedient haben die stählernen Leitungen allerdings nicht – im Gegenteil, ein Großteil von ihnen bleibt im Boden. „Das spart nicht nur Aushub- und Entsorgungskosten, sondern ist auch praktisch von Nutzen“, betont Stein. Da die Kunststoffleitungen einen kleineren Durchmesser haben, kann sie der Bautrupp durch die dickeren Stahlrohre schieben, die sie dann perfekt vor äußeren Einflüssen schützen.

Im Abstand von jeweils rund 60 bis 70 Metern allerdings muss der Bautrupp die alten Leitungen doch freilegen und zerschneiden, um die gut 70 Meter langen Teilstücke der Kunststoffleitung an den jeweiligen Ausgrabungsstellen miteinander zu verbinden. Und das ist nicht ganz ohne, schließlich stehen nicht umsonst überall auf der langen Baustelle rote Warnschilder mit der Aufschrift: „Vorsicht Gasarbeiten!“

Der Baubeauftragte Hans-Jürgen Stein (rechts)  und sein Kollege Philipp Wiesler von Badenova Netze.

Foto: Werner Müller

Zwar können die Fachleute von Badenova und den beauftragten Handwerksfirmen mithilfe von so genannten „Blasen“, eine Art aufblasbare Gummibälle, das Gas aus der alten Stahlleitung pressen. „Ein kleiner Rest bleibt allerdings immer übrig“, erklärt Stein. Und dieser Rest muss raus - aus Sicherheitsgründen. Denn beim Zersägen der Stahlröhre könnten Funken auftreten und das Restgas entzünden – mit explosiven Folgen. Deshalb ist höchste Vorsicht geboten.

Die Fachleute dichten zu diesem Zweck die Leitung an beiden Enden des 800 Meter langen Teilstücks mit den „Blasen“ ab, messen noch einmal den Rest-Gasgehalt im alten Strang und stecken zum Schluss eine so genannte Lanze – ein etwa drei Meter langes Edelstahlrohr – senkrecht auf die Leitung. Schon ein paar Sekunden später faucht’s - und eine meterhohe Stichflamme steigt in die Höhe, in der das Restgas verbrennt.

Das „Promillesträßchen“ zwischen Maulburg und Wiechs ist gesperrt. Eine neue Gasleitung wird dort verlegt.

Foto: Werner Müller

Dieses so genannte „Abfackeln“ kann – je nach Menge des restlichen Gases – bis zu 15 Minuten dauern. In der Kalkofen-Kurve hingegen ist der heiße Spuk schon nach schätzungsweise vier Minuten vorbei.

Somit können Hans-Peter Stein und seine Leute endlich Gas geben bei der stückweisen Verlegung der neuen Leitung. Bis sie damit fertig sind, dürfte es nach Angaben von Badenova bis etwa Mitte Oktober dauern. Solange müssen sich auch auch all jene in Geduld üben, die aus alter Gewohnheit das „Promillewegli“ wählen, wenn sie von Wiechs nach Maulburg oder umgekehrt fahren wollen.