Aktionsplan gefordert: „Saulaut“: Schopfheims Höhendörfer im verzweifelten Kampf gegen Motorradlärm

Die Anwohner an beliebten Motorradstrecken leiden massiv unterm Lärm der schweren Maschinen.
Thomas Frey/dpa/dpa-tmn„Die Leute nehmen keine Rücksicht: Ein schönes Wochenende – und es ist sofort wieder saulaut.“ Mit diesen Worten brachte Raitbachs Ortsvorsteher Sebastian Johannsen in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Thema Motorradlärm aufs Tapet – und wusste sich damit einig mit den Ortsvorstehern der anderen Schopfheimer Höhendörfer wie Gersbach und Kürnberg. Seine Forderung in Richtung Stadtverwaltung: „Wir müssen uns zusammensetzen und einen Maßnahmenkatalog für die Lärmregulierung der Motorräder erstellen.“
Lärm und Unfallgefahr
Zwar gilt in Raitbach innerorts inzwischen Tempo 30 – „das ändert aber nichts am Lärm außerorts in Richtung Schweigmatt“, machte Johannsen deutlich.
Neben dem Lärm sei auch die Unfallgefahr ein wichtiger Aspekt, so Johannsen mit Blick auf die aktuelle Statistik fürs Revier Schopfheim, die Motorradfahrer als klare Risikogruppe ausweist und die Straßen rund um die Höhendörfer als Unfallschwerpunkte.
„Waren nicht untätig“
„Einige wenige haben Spaß und die Bürger sind die Leidtragenden“, zeigte Bürgermeister Dirk Harscher „vollstes Verständnis“ für die Klage. Tatsächlich sei die Stadt auf diesem Feld nicht untätig und sei beispielsweise der landesweiten „Initiative Motorradlärm“ beigetreten.

Großformatige Banner mahnen entlang der B 317 bei Schopfheim zur Rücksichtnahme – mit mäßigem Erfolg.
Foto: Stadt SchopfheimDiese schreibt sich beispielsweise auf die Fahnen, dass verkehrsrechtliche Maßnahmen zum Lärmschutz – etwa Tempolimits oder Überholverbote – leichter angeordnet werden können. Davon profitiert ganz aktuell Gersbach: Auf der Ortsdurchfahrt gilt künftig Tempo 30, an den Ortsausgängen Tempo 70.
Verzweifelter Kampf gegen den Lärm
Auch wurden auf europäischer Ebene die Regelungen für die Zulassung neuer Motorräder überarbeitet, ergänzte Kürnbergs Ortsvorsteher Peter Ulrich, der sein Dorf ebenfalls seit Jahren schon im verzweifelten Kampf gegen den Motorradlärm sieht. Ulrich hatte in der jüngsten Kürnberger Ortschaftsratssitzung ebenfalls bereits ein Maßnahmenpaket gegen Motorradlärm gefordert und hat zwischenzeitlich eine ganze Liste an Abgeordneten auf europäischer, Bundes- und Landesebene angeschrieben, wie er im Gemeinderat berichtete.
„Wenig Handhabe“
Über derlei Initiativen hinaus habe man vor Ort „ganz, ganz wenig Handhabe“, erklärte Bürgermeister Dirk Harscher: Das Regelungs- und Verordnungswesen in diesem Bereich gehe „bis in die europäische Politik hoch“ – und da sei auch die Motorradlobby seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich aktiv.