Zahlen sind alarmierend
: Deshalb leiden Jugendliche im Schwarzwald-Baar-Kreis an psychischen Störungen

Bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an einer psychischen Störung – und psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu.
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(red/pm)
Oberndorf
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Mehr als zwölf Prozent der bei der AOK versicherten Kindern und Jugendlichen im Kreis sind wegen einer psychischen Erkrankung in ärztlicher Behandlung. (Symbolfoto)

Pixabay

Im Schwarzwald-Baar-Kreis befanden sich im Jahr 2024 rund 2800 bei der AOK versicherte Kinder und Jugendliche aufgrund einer psychischen Erkrankung in ärztlicher Behandlung. Das entspricht über zwölf Prozent der Versicherten in dieser Altersgruppe.

Zwischen 2020 und 2024 ist der Anteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Region im Mittel um 2,9 Prozent pro Jahr gestiegen, teilt die Krankenkasse mit.

Damit liegt der Kreis unter dem Landesschnitt: In ganz Baden-Württemberg waren 17,6 Prozent der bei der AOK versicherten Kinder und Jugendlichen in Behandlung. Die Steigerung zwischen 2020 und 2024 lag bei durchschnittlich 4,28 Prozent pro Jahr.

Depressionen und Angstzustände

Zu den psychischen Störungen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten können, zählen unter anderem Depressionen, Angstzustände, Sozialverhaltensstörungen, ADHS, Ess-Störungen und Schizophrenie.

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Besonders auffällig sind, laut der Krankenkasse die Unterschiede nach Geschlecht, Alter und sozialer Herkunft: Jungen sind bis zur Pubertät stärker gefährdet, danach sind Mädchen häufiger betroffen. Kinder aus sozioökonomisch schwächeren Familien erkranken zudem häufiger, so die AOK.

Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter werden oftmals insbesondere an sogenannten Entwicklungsschwellen, wie zum Beispiel der Einschulung, dem Wechsel auf eine weiterführende Schule oder dem Beginn der Pubertät erstmals festgestellt.

„Wir erleben eine Zunahme globaler Krisen, die auch auf Kinder und Jugendliche massiv einwirken: Kriege, wirtschaftliche Unsicherheiten, die Klimakrise“, berichtet Sandra Goal, Präventionsexpertin bei der AOK Baden-Württemberg.

Corona hat tiefe Spuren hinterlassen

Die Covid-19-Pandemie habe ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen. „Hinzu kommt die Digitalisierung mit ihrem hohen Medienkonsum und die damit verbundenen Zukunftsängste vieler junger Menschen“, ergänzt Goal.

Viele psychische Störungen entwickeln ihre ersten Symptome, bevor sie sich manifestieren. „Diese ersten Anzeichen sind oft unspezifisch: Schlafstörungen, innere Unruhe, körperliche Beschwerden wie Bauch-, Kopf- und Rückenschmerzen. Auch eine Verschlechterung der Konzentration und damit der schulischen Leistungen ist häufig zu beobachten.

Wenn Freude, Lachen und Spaß verloren gehen

Ganz generell sollten Erwachsene aufmerksam werden, wenn Freude, Lachen und Spaß verloren gehen, wenn sich ein Kind sozial zurückzieht oder wenn sich das Essverhalten verändert. Wenn ein Kind plötzlich nicht mehr so ist wie sonst, sollte man genau hinschauen und das Gespräch suchen“, erläutert Goal.

Das Risiko, dass psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter chronisch werden und die Betroffenen Begleiterkrankungen entwickeln, ist hoch, so die Krankenkasse. Weil bei Kindern und Jugendlichen die Grenzen nicht leicht zu erkennen sind, wann ein ärztlicher Beratungs- und Behandlungsbedarf entsteht, ist die Einhaltung der Vorsorge-Untersuchungen gerade auch im Jugendalter beim Kinder- und Jugendarzt sehr wichtig.

Defizite bei den Schutzfaktoren

Laut Robert-Koch-Institut treten psychische und Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter überproportional häufig auf, wenn Defizite bei den Schutzfaktoren festgestellt werden, die für den Erhalt und die Steigerung der psychischen Widerstandsfähigkeit – auch Resilienz genannt – wichtig sind. Ein solches Defizit stellt einen der stärksten Risikofaktoren dar.

Eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit kann der Entstehung von psychischen Störungen vorbeugen. Eine wesentliche Bedeutung für die Entwicklung von Resilienz haben die soziale Unterstützung durch die Familie, der Rückhalt durch die Eltern und ein positives Familienklima.

Zum Beispiel kann das Risiko eines Aufmerksamkeits-Defizits-Syndroms unter vielem anderen auch durch Rauchverzicht in der Schwangerschaft, intensive Beschäftigung mit dem Kind, ungeteilte Aufmerksamkeit in der Zeit der Zuwendung, gute Tagesstrukturierung und klare Regelungen vermindert werden.

Regelmäßige körperliche Aktivität

Regelmäßige körperliche Aktivität und die Begrenzung passiver Freizeitaktivitäten wie Computerspiele können vor psychischen und körperlichen Beschwerden schützen.

„Eltern sollten ihre Kinder begleiten, Vorbild sein, ermutigen und für sie da sein. Wichtig ist: Nachfragen, unterstützen, aber auch ausprobieren lassen. Kinder brauchen Bestärkung, Sinnvermittlung, Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Sie sollten lernen, mit Konflikten umzugehen, zu kommunizieren, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Lassen Sie Ihre Kinder selbst Lösungen finden – das stärkt enorm“, so Sandra Goal.