Workshop in Villingen-Schwenningen: So kann man Kunst lernen

Manchmal braucht Kreativität Chaos, um aufzublühen. In den SUI studios von Debora Weisser in Villingen war genau das möglich für die Teilnehmer am Kunstworkshop, den die Künstlerin gemeinsam mit dem Schwarzwälder Boten und der Neckarquelle veranstaltete.
Cornelia Spitz- Workshop in Villingen-Schwenningen: Zeitung und Acryl werden zu Kunst verarbeitet.
- Künstlerin Debora Weisser leitet an, doch ohne Vorlagen – Experimentieren ist erwünscht.
- Teilnehmer testen Techniken mit Aquarell, Kohle, Acryl, Modellierpaste und Wasser.
- Zeitung wird gerissen, geklebt und übermalt, wodurch individuelle Werke entstehen.
- Ziel ist ein kreativer Freiraum, in dem Erwachsene eigene Handschriften entdecken.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zeit für Kunst, die nehmen sich Teilnehmer am Workshop „Aus Zeitung wird Kunst“, den der Schwarzwälder Bote und die Neckarquelle gemeinsam mit der Villinger Künstlerin Debora Weisser in ihren „Sui studios“ in der Villinger Färberstraße veranstalten. Leser aus den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Rottweil sind der Einladung gefolgt.
Vorgefertigte Muster zum Nachmachen gibt es in dem Atelier nicht. Stattdessen aber ganz viel Inspiration. Schwarzlicht-Werke, die in verschiedenem Licht jedes Mal anders erscheinen. Großformatige Leinwände mit harmonischen Farbmeeren und Kohle-Gesichtern, Objekte aus neonfarbenem Acryl. Und vor allem sie: Debora Weisser. Sprühend vor Kreativität und Einfallsreichtum, ansteckend kreativ und herrlich unerschrocken. Alles darf, nein, soll ausdrücklich ausprobiert und getestet werden. Kein Pinsel ist heilig, keine Farbe zu exklusiv, kein Experiment verboten.
Sie wolle „Raum geben, um kreativ zu werden“, gibt die Künstlerin dann auch die Intention des Events vor. Doch wie macht man das? Wie bringt man erwachsene Menschen dazu, mitten aus einem geordneten Leben heraus, für ein paar Stunden in ein kreatives Chaos einzutauchen, sich auszutoben, alle Normen und Gewohnheiten über Bord zu werfen, mit Farben, Formen und Materialien einfach mal „rumzuspinnen“, kurzum: moderne Kunst zu schaffen?
Ungebändigte kreative Ader
Debora Weisser hat dafür ein Rezept. Sie nimmt die Workshop-Teilnehmer nicht an die Hand, aber mit in ihr Universum. „Ich sag' immer, das ist mein Pippi-Langstrumpf-Leben, aber ich bin keine Traumtänzerin.“ Lächelnd fügt sie hinzu: „Ich durfte die letzten Jahre stetig wachsen.“ Und jetzt will sie auch andere anschubsen, ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Der unlimitierte Freiraum dafür: ihr Atelier mit einem langen Tisch, Tuben, Dosen und Kanistern en masse, Farben in allen Nuancen und Texturen sowie Regalen, randvoll mit Materialien unterschiedlichster Art. Selbstbedienung ausdrücklich erlaubt.

Debora Weisser nimmt die Workshopteilnehmer mit in ihr "Pippi-Langstrumpf-Leben" – aber mit System.
Cornelia SpitzIhren beruflichen Ursprung hat die heute vollberuflich freischaffende Künstlerin in den Bildungs- und Sozialwissenschaften. Kein Wunder also, dass sie trotz ihrer ungebändigten kreativen Ader mit viel System an die Sache herangeht. Ein Aquarellpapier, ein Glas-Nugget und Aquarellstifte, mehr braucht es für den Anfang nicht.
Neue Techniken step by step
„Führt Euren Glas-Nugget mit dem Stift in die linke obere Ecke des Papiers, jetzt in die Mitte der rechten Kante.“ Es fühlt sich abstrus an. Ein wenig nach Kindergartenexperiment. Doch der Blick auf die ersten Ergebnisse zeigt schnell, dass Debora Weisser recht hat, wenn sie sagt: „Was Ihr jetzt merkt, ist, dass Ihr alle eine individuelle Handschrift habt.“ Hier krakelig, da schwungvoll, dort kräftig, beinahe ins Papier geritzt, nebenan in ganz feinen Bögen aufs Papier gehaucht.
Step by step kommen neue Techniken hinzu. „Ihr geht heute alle mit einer kleinen Materialsammlung nach Hause.“ Ein Pinsel und Wasser, die die Linien zu weichen Bahnen verschwimmen lassen. Kohle als Stift, als Kreide, als Brikett, glänzend und matt gleichermaßen. Modellierpaste in allen nur erdenklichen Farben zum Einarbeiten. Strukturierte Papiere, Malpappen, Holztafeln. Ölkreiden, Acrylfarben pur, Acrylfarben mit viel Wasser. Sprühflaschen mit Wasser, dicke Pinsel. Küchenkrepp zum Aufsaugen des Wassers, das mancher wagemutig über seine Leinwand kippt.

Debora Weisser (rechts) ist Ideengeberin und Inspiration pur beim Kunstworkshop der Zeitungsleser.
Cornelia Spitz„Kann ich mal das grelle Pink haben?“ „Hat noch jemand Modelliermasse?“ „Das ist ja ein cooler Effekt, das probiere ich auch mal aus!“ Alle Workshopteilnehmer sind in Aktion, probieren sich aus, lernen mit und voneinander. Die Künstlerin selbst dient sich als Handreicherin an, gibt vereinzelt kleine Impulse, unterbricht Prozesse abrupt, um wieder ein neues Material oder eine neue Technik einzubringen.
Die Zeitung kommt ins Spiel
Dann kommt das Finale, die Arbeit am eigentlichen Objekt. Für jene, die wollen, kommt jetzt die Zeitung ins Spiel. Es wird geblättert, geknüllt, gerissen, mit Modelliermasse erhaben aufs Holzbrett geklebt oder mit Acrylbinder eingearbeitet. Manche reißen Überschriften aus, andere Schlagworte oder besonders prägnante Bilder, die übermalt oder eingearbeitet werden. Kaum einer sitzt mehr, fast alle stehen über ihrer finalen Arbeit, die ganz unterschiedlich und individuell Gestalt annimmt.

Die Zeitung kommt ins Spiel und auf die Leinwand, wie bei diesem Beispiel
Cornelia SpitzBreit grinsend steht Debora Weisser daneben, während um den Tisch herum gemalt, getupft, gestrichen, gerissen, gematscht, gesprüht, gekleckst und gekippt wird: „Das gefällt mir.“ Und am Ende steht fest: Workshop-Thema deutlich erweitert. Nicht nur aus Zeitung wurde Kunst, sondern aus Workshop-Teilnehmern wurden auch Künstler, ganz frei und doch versiert angeleitet, denn moderne Kunst, die kann man durchaus auch lernen.

