Wirtschaft Schwarzwald-Baar-Kreis: Unternehmen erwarten von Bahn Klarheit zur Gäubahn

Transportunternehmen der Deutsch-Schweizer Grenzregion agieren im Schulterschluss zum Ausbau der Gäubahn mit IHK-Präsident Thomas Conrady (vordere Reihe, rechts), IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez (vordere Reihe, links) und Rolf Schumpp (hintere Reihe, zweiter von links). In der Mitte Landesverkehrsminister Winfried Hermann sowie die Grünen-Landtagsabgeordnete für den Raum Villingen-Schwenningen, Martina Braun (vordere Reihe, Mitte).
Silas Stein/IHKDas Reaktivieren firmeneigener Gleisanschlüsse stand ebenfalls im Fokus des Arbeitsgesprächs zwischen Politik und Betrieben der deutsch-schweizer Grenzregion bei der Firma Bucher Stahlhandel in Zimmern o.R.
„Die Wirtschaft könnte schon heute mehr Güter auf die Schiene bringen“, zeigte sich Thomas Conrady, Präsident der IHK Hochrhein Bodensee, zuversichtlich. Gerade durch die hohe Industriedichte der Region gäbe es hier ein großes Potenzial zum Verladen von Maschinen, Rohstoffen und Waren.
Gleichzeitig forciere die Schweiz ihre Transportkorridore zu den Seehäfen in Richtung Norden und Süden. „Hier verschenkt die Gäubahn durch ihre Eingleisigkeit viel Potenzial“, sagt Conrady.
Starkes Engagement nötig
Verkehrsminister Winfried Hermann betonte die gemeinsame Verantwortung: „Es braucht weiterhin ein starkes Engagement und eine klare Fürsprache von Wirtschaft und Land für eine funktionierende und resiliente Gäubahn. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass mehr Güter zuverlässig auf der Schiene transportiert werden und die Region auch in Zukunft wirtschaftlich stark bleibt.“
Nicht wettbewerbsfähig
„Die Schiene ist aktuell nicht wettbewerbsfähig“, so Rolf Schumpp, Geschäftsführer des Unternehmens Bürk-Kaufmann (Villingen-Schwenningen), das sich im Arbeitskreis Schienengüterverkehr der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg engagiert. Gleichzeitig sei das Reaktivieren von betriebseigenen Gleisanschlüssen kompliziert und mit unnötigen Risiken im Betrieb verbunden.
„Bekommt der private Güterzug ein verlässliches Zeitfenster auf der Schiene? Hat das Unternehmen bei Verspätungen einen Ansprechpartner bei der Deutschen Bahn?“, stellt Schumpp die Fragen. Politisch sei der Wunsch pro Schienengüterverkehr sehr präsent, operativ aktuell weder verlässlich noch betriebswirtschaftlich sinnvoll.
Rheintalbahn auch Thema
Im Hinblick auf das Wirtschaftsjahr 2026 platzierten die IHK-Mitglieder auch den Wunsch nach einer klaren Baustellenplanung zur Rheintalbahn. Sollte parallel zur Gäubahn auch an der Achse Basel–Mannheim gebaut werden, drohe dem Güterverkehr ein massiver Einschnitt.
Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, sagt: „Die Gäubahn müsste dann eigentlich die anfallenden Transportkapazitäten entlang des Rheines auffangen – sowohl im Personen – als auch im Güterverkehr.“ Ob dies realistisch sei, gelte es zeitnah zu prüfen, gerade auch als Signal in Richtung Schweiz. „Je später Deutschland seine Bautätigkeiten kommuniziert, desto eher investieren unsere Nachbarn einfach weiter in die Verbindungen, die nicht durch Deutschland laufen.“
Aussage Hermann
Verkehrsminister Winfried Hermann bekräftigte die Bedeutung der Schienenachse: „Die Gäubahn ist für die Menschen in der Region wichtig und auch für die Unternehmen und den nachhaltigen Güterverkehr. Ich freue mich über das große Engagement der Wirtschaft, Transporte auf die Schiene zu verlagern. Von Seiten des Landes haben sie dabei volle Rückendeckung. Wir erwarten, dass Bund und Bahn die Gäubahn sanieren und ausbauen. Die Bahn muss ihre Bauzeitenpläne rechtzeitig kommunizieren und zuverlässig einhalten, das heißt, das Baustellenmanagement verlässlich organisieren.
Der Güterverkehr braucht Planungssicherheit – sonst bleibt die Schiene im Wettbewerb chancenlos. Wir setzen uns ein, wo wir das können: Seit Langem engagieren wir uns für den schnelleren Ausbau der Gäubahn, beginnend mit dem ersten Abschnitt zwischen Sulz und Epfendorf. Hier sind die Bundesregierung, das Bundesverkehrsministerium und die DB InfraGo in der Verantwortung.“
Deutsch-Schweizer Wirtschaftsbündnis
Bahn
Die Industrie- und Handelskammern südlich von Stuttgart agieren gemeinsam mit Schweizer Verbänden für mehr Investitionen in eine funktionierende Schiene. Ihr Deutsch-Schweizer Wirtschaftsbündnis zum Ausbau der Gäubahn vertritt rund 250 000 Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland. Dieses Bündnis bekräftigt die Notwendigkeit einer leistungsstarken Schienenachse Stuttgart–Zürich. Die Beteiligten sprechen sich für den schnellen und umfänglichen Ausbau der Gäubahn aus – auch im Sinne des Klimaschutzes.