Wirtschaft in Trossingen
: So macht man im Beruf seinen Weg

„Mut, an sich zu glauben“ war die Veranstaltung des Frauenwirtschaftsforums in Trossingen überschrieben. Dazu gab es ganz unterschiedliche Impulse.
Von
Cornelia Hellweg
Oberndorf
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Niederlassungsleiter Goran Petrovic bei der Betriebsführung in einer Halle von Heine+Beisswenger in Trossingen.

Cornelia Hellweg

Mit einem eher ungewöhnlichen Veranstaltungsort überraschten die Organisatorinnen die Besucherinnen der Veranstaltung: Eine Industriehalle der Trossinger Niederlassung von Heine+Beisswenger.

Die Hitze des Tages war auch am Abend noch zu spüren. In der Halle war es dagegen angenehm kühl. Und angesichts eines interessanten Programms fanden sich mehr als 40 Teilnehmerinnen ein. Die Industrie gelte als Männerdomäne – um so wichtiger sei es, weibliche Perspektiven, Wege und Erfolge sichtbar zu machen.

„Heute möchten wir Frauen eine Bühne geben, die in Betrieben oder als Beraterinnen und Führungspersönlichkeiten den Wandel aktiv mitgestalten“, sagte Tanja Hezel, die zusammen mit Olga Demchenko, Leiterin Strategie, Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeit bei Heine+Beisswenger den Abend moderierte.

Ex-Handballprofi Martin Strobel berichtet

Als Überraschung teilte der Ex-Handballprofi und -Nationalspieler und gebürtige Rottweiler Martin Strobel seine Erfahrungen mit den Zuhörerinnen. „Ich hatte schon als Kind den Traum, Profi-Handballer zu werden und schaffte es bis in die Nationalmannschaft.“ Aber man wisse auch, dass man diesen Sport oft nur bis Mitte 30 machen könne. Bei der Handball-WM 2019 war er als Spieler im Halbfinale eingesetzt. „Beim Spiel verdrehte mein Knie, und ich musste aus der Halle getragen werden.“ Elf Monate später setzte er dann einen Schlussstrich unter seine Karriere als Handballer.

Moderatorin Tina Hezel (von links) mit Henriette Stanley, Nicole Knöpfle, Sonja Bartsch und Martin Strobel.

Foto: Cornelia Hellweg

„Ich hatte während der Reha plötzlich viel Zeit.“ Er schrieb ein Buch – auch, um seine Erfahrungen zu verarbeiten. Und er startete eine Weiterbildung und leitete seine berufliche Umorientierung in die Wege. „Mit zwei kleinen Kindern zuhause war das nicht einfach.“ Wichtig während der Phase des Abschieds vom Handballsport war, einen Plan B zu haben. „Nicht eingraben sondern den Blick nach vorne richten“, gibt er als eine Erfahrung weiter. Strobel betonte die Bedeutung von Netzwerken, privat und beruflich, um auch bei Rückschlägen aufgefangen zu werden.

Den Blick nach vorne richten

Dabei sollte man nicht schüchtern sein, sondern den Mut haben, Menschen anzusprechen und auch selber ansprechbar sein für andere, ist seine Erfahrung. Das bestätigten beim Gespräch im Podium Henriette Stanley von der regionalen Wirtschaftsförderung, die Unternehmerin und Schauspielerin Nicole Knöpfle und Sonja Barsch, die beruflich eine Führungsposition bei der Atradius Kreditversicherung ausfüllt.

Hier wurde die Bedeutung von weiblichen Vorbildern, das Wachsen an Herausforderungen, aus Niederlagen gestärkt hervorzugehen und das aktive Netzwerken für die berufliche Entwicklung deutlich.

Niederlassungsleiter Goran Petrovic und der stellvertretende Betriebsleiter Andreas Spreter führten jeweils eine Gruppe durch den Betrieb. Heine+Beisswenger startete den Betrieb in Trossingen im Jahr 1991. Insgesamt 40 Mitarbeiter sind hier tätig. Das Unternehmen mit Stammhaus in Fellbach hat sich im Handel mit Stahlprodukten einen Namen gemacht, besteht bald 125 Jahre und wird in vierter Generation der Gründerfamilie Heine geführt. In der alten, 2200 Quadratmeter großen Halle war das alte Hochregal zu sehen.

Im neuen Hochregallager von Heine+Beisswenger in Trossingen.

Foto: Cornelia Hellweg

Sobald hier alles leer geräumt ist, möchte das Unternehmen die Halle vermieten. Erste Interessentinnen meldeten sich bei Goran Petrovic schon bei der Führung. Im vergangenen Jahr wurde das neue Hochregallager in Betrieb genommen.

Das meiste läuft digital und vollautomatisch. Ein beeindruckender Anblick sind 3600 Kassetten, die sich 22 Meter in die Höhe stapeln mit einem Gesamtgewicht von 15 000 Tonnen sowie nochmal über 50 Tonnen für den Roboter. „Das Betonfundament, wurde an einem Tag mittels 80 Betonmischerladungen gefertigt“, so Petrovic. Die Branche stehe vor großen Veränderungen. Kunden kommen aus dem Maschinenbau und Automotive. „Man muss sich neu erfinden.“ Der Niederlassungsleiter lobte den „Team Spirit“ am Standort Trossingen. Dort hat er eine „Erfolgsglocke“ eingeführt. Wenn ein Mitarbeiter sich über einen beruflichen Erfolg freut, kann er dort läuten – und Kolleginnen freuen sich so mit ihm.

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