Wendelinskapelle in Weigheim: Nicht nur die Aussicht ist besonders

Ortsvorsteher Holger Fetzer (rechts) führt das Publikum in die Geheimnisse der St. Wendelinskapelle in Weigheim ein.
Rainer BombardiAbgetrennt durch die Straßen nach Schura und nach Tuningen liegt sie solitär auf einem kleinen Plateau, welches aufgrund der Flurbereinigung in den 1970-er und 1990-er Jahren entstand.
Der Flurbereinigungsstein auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist noch heute ein Zeuge dieser Zeit, welche die Topographie vieler Orte markant veränderte. Der Panoramablick, der sich von der ursprünglich als Feldkapelle errichteten Wendelinsstätte eröffnet, ermöglicht den Betrachtern ihre Blicke in die Ferne schweifen zu lassen. Bei günstiger Witterung erstreckt sich das Panorama bis zu den Schweizer Berggipfeln.
Motiviert von diesen Eindrücken entschied sich der Ortschaftsrat unter Leitung von Ortsvorsteher Holger Fetzer mit diesem geschichtsträchtigen Weigheimer Gebäude erstmals am Tag des offenen Denkmals teilzunehmen. Dreimal hieß Fetzer an diesem Tag das Publikum zu einem kleinen Spaziergang von der Festhalle über den Flurbereinigungsstein oberhalb des Vereinsheims der Pfadfinder und Jugendlichen bis zur Wendelinskapelle willkommen.
Über die Geschichte
Die Kapelle war einst auf direktem Weg von der Bevölkerung zu erreichen. Doch was vor Jahrzehnten noch möglich war, forderte von den rund 100 Besuchern am Denkmalstag ein Überqueren der Verbindungsstraße nach Tuningen. Fetzer ging auf dem Spaziergang auf die Entstehung der Kapelle ein, deren Ursprung auf eine Viehseuche im Jahr 1799 zurückzuführen ist. Fortan legte die Gemeinde das Gelübde ab, die Schutzheiligen St. Gallus und St. Wendelin jedes Jahr im Oktober zu ehren und Fürbitte vor Gott zu leisten, um derartige Viehseuchen zu vermeiden. Der eigentliche Bau der Kapelle erfolgte Jahrzehnte später.

Das Innere der St. Wendelinskapelle in Weigheim lenkt den Blick in Richtung Altar und ist dem damaligen Zeitgeist entsprechend schlicht gehalten.
Foto: Rainer BombardiEin Dekan aus Mühlhausen namens Betzler weihte sie am 27. Oktober 1861 ein. Fetzer berichtete von einem immensen Zeit- und Kostenaufwand, den die Gemeinde damals für den Bau aufbrachte. Heute liegt er umgerechnet bei etwa 250 000 Euro.
Nach Beuroner Malschule
Die Kapelle ist durch ihren runden, vieleckigen Chorabschluss und dem spitz, schlank und aufstrebenden Aussehen dem Stil der Gotik nachempfunden.
Hinzu kommt eine bewusst karg gehaltene Innenausstattung mit pittoreskem Altar und zwei Kunstwerken im Stil der Beuroner Malschule, der nach heutiger Berechnung eine Investition von weiteren rund 30 000 Euro benötigt hatte.
Fetzer erinnerte daran, dass es damals Sponsoren wie eine Frau namens Ursula Käfer waren, welche den Bau schließlich ermöglichten. So steht sie nun da die kleine, wenig bekannte bäuerliche Variante einer Kapelle, die sich längst als Kleinod in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude der Stadt eingereiht hat.