Wald in VS
: Notfalls Gülle gegen illegale Grillpartys

Denkt Tobias Kühn, Leiter des städtischen Forstamtes VS, an die Wetterprognosen ab Juni läuft es ihm eiskalt den Rücken hinunter.
Von
Eva-Maria Huber
Oberndorf
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Roland Brauner (links) und Tobias Kühn sehen dem Sommer mit gemischten Gefühlen entgegen

Eva-Maria Huber

Prognostiziert ist Dauerhitze. Das bedeutet auch Stress für Jungbäumchen und Probleme mit Borkenkäfern.

Kühn öffnet einen wuchtigen Ordner, eine Seite zeigt den städtischen Forst VS, den zweitgrößten in Baden-Württemberg, nach dem in Baden-Baden. Farbige Markierungen zeigen jedem Forstbeschäftigten auf, wo was gut wächst und wo was nicht. „Standortskartierung“ heißt das Werk, mittlerweile auch digital auf den Tablets der Förster verfügbar.

Die für den Sommer 2025 prognostizierte Omega-Wetterlage kommt erneut ins Spiel, wenn es ums Thema Wachstum geht. Gerade hat auch Kühn ein Seminar zum Thema Krisenmanagement abgeschlossen, mit der Hauptbotschaft: „Wir müssen den Worst Case einbeziehen.“ Drei Themen entzünden sich an dem vorhergesagt Dürresommer. Die Jungbäumchen: Rund 30 000 neue Pflanzen, berichtet Kühn im Gespräch mit unserer Redaktion, seien dieses Jahr gesetzt worden, um den Stadtforst klimastabiler zu machen, darunter Eiche, Roteiche, Atlaszeder, Douglasie und Baumhasel.

Gigantische Offensive

Eine gigantische Offensive, mit ernstem Hintergrund. Denn in den nächsten Jahrzehnten werden Fichten langsam, aber stetig von der Schwarzwald-Bildfläche verschwinden. Sie sind auf dem absteigenden Ast, noch macht das Nadelgehölz 55 Prozent des Gesamtbestandes aus. Die Bewässerung der zarten Bäumchen, die notwendig werden kann, wenn der Regen für ein paar Wochen ausbleibt, sei ein „Kraftakt“, personell, finanziell. „Das Baum-Portfolio von unserem Wald muss erweitert werden.“ Denn nicht immer glücke die Naturverjüngung mit den Baumarten, die man zukünftig braucht, erläutert Kühn.

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Stress mit Käfer

Nächster Stressfaktor: Mit im Spiel, nach einem Jahr Pause aufgrund des kühl-nassen Sommers im Vorjahr, der Borkenkäfer. Dauer-Hitze sorgt für geschwächte Bäume, die besten Voraussetzungen für den Käfer. Mit Monitoring und Fallen wappnen sich die Forstamts-Mitarbeiter gegen eine mögliche nächste Plage. „Doch wenn die Hitzewelle kommt, dann haben wir ein Riesenproblem.“

Nicht einfacher werde die Bekämpfung wegen einzelnen Privatwaldbesitzen, die befallene Bäume nicht schnell genug fällen und aus dem Wald schaffen. „Notfalls wird ein Zwangsgeld verhängt oder eine Ersatzvornahme die Maßnahme umgesetzt, also das Forstamt wird auf Kosten des Privaten tätig“, so der Forstamtsleiter.

Verbote im Wald

Und die Grillfreuden? Spätestens nach zwei Wochen Dauerhitze wird es im Wald brenzlig und damit nix mit den Grillwürsten auf städtischen Anlagen an „Villinger Riviera“ und Romäusquelle. Immer wieder greifen Revierleiter größere Gruppen auf, die sich über das Verbot wegen akuter Waldbrandgefahr hinwegsetzen. Einsehen? „Fehlanzeige.“ Eher zeigen diese ein aggressives Verhalten.

Das gleiche gelte für das unerlaubte Befahren von Waldwegen. Kühn berichtet von zig Autofahrern, die unlängst in Richtung Salvest unterwegs waren, um den Grill auszupacken.

Noch glimpflich

Und als auf einmal 30 Personen einem Förster gegenüberstanden, der auf ein entsprechendes Verbot hingewiesen habe. Beleidigungen und unterschwellige Aggressivität seien die Folge auf die Ansage gewesen. „Zum Glück ist die Sache nochmals glimpflich abgelaufen“, so Kühn. Ergebnis: Weitere Schranken, um nicht nur den Wald, sondern auch die doppelstädtischen Forstbeschäftigten zu schützen.

Gülle im Notfall

Wenn es um das Verhindern von Grillpartys aufgrund von akuter Waldbrandgefahr geht, ist Kühns größte Waffe ein großes Fass und mehrere tausend Liter Gülle. Damit könnte sich eine Aktion, die bundesweit vor zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte, wiederholen. 2023 hatte Kühn 8000 Liter Gülle nahe der Romäusquelle ausbringen lassen: Der Landwirt war glücklich, das Forstamt erleichtert und die Grillparty beendet.