Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis
: Von den Profis im Wald lernt man für den eigenen Garten

Ein bisschen mutet es an, als seien die Wald-Mainzelmännchen am Werk. Überall im Kreisgebiet rücken derzeit Gruppen mit Gummistiefeln und Spaten an. Und sie haben eine klare Mission.
Von
Cornelia Spitz
Oberndorf
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Dank vieler Helfer und Beteiligter an den Waldpflanztagen wächst der Wald im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Cornelia Spitz

Sie müssen wettmachen, was der übel gefräßige Borkenkäfer und verheerende Stürme verursacht haben: Waldgebiete, auf welchen es an „Wald“ fehlt, wo Bäume, teilweise entwurzelt, am Boden lagen oder von Forstarbeitern gefällt werden mussten. Denn klar ist: Ohne menschlichen Eingriff wäre diese Waldfläche für lange Zeit verloren, höchstens Fichten und Tannen, eventuell ein paar wenige Kiefer würden hier nachwachsen und wären wenig sinnvoll.

Denn da ist ja auch noch der Klimawandel, der den heimischen Wäldern zu schaffen macht. Kreisforstamtsleiter Frieder Dinkelaker kann ein Lied davon singen. Deshalb sind es auch nicht irgendwelche Bäume, die er und seine Kollegen an diesem Montagmorgen in den Wald zwischen Mönchweiler und Königsfeld bringen, sondern Linden, Eichen und Flatterulmen. Und wer den Forstleuten an diesem Tag über die Schulter schaut, der lernt viel – nicht nur über klimaresistente Pflanzen, sondern auch Nützliches für den eigenen Garten.

Verantwortung tragen

Eigentlich werde ja das ganze Jahr über gepflanzt und aufgeforstet, lässt Frieder Dinkelaker auf dem Fußmarsch vom Parkplatz in den Wald durchblicken. Klar. Sturm und Borkenkäfer kennen keine Waldpflanztage und schlagen zu, wann immer ihnen danach ist. Aber den Verantwortlichen der Landkreisverwaltung ist es wichtig, dass die Leute mitgenommen werden, selbst mithelfen können und auch ein bisschen Verantwortung tragen für die Wälder, die nicht nur das grüne Gold eines Landkreises sind, mit dem sich noch Geld verdienen lässt, sondern auch die grüne Lunge unserer Landschaft. Ein Stück Zukunft. Und Heimat.

Deshalb gibt es seit ein paar Tagen die Waldpflanztage: Was sonst im Verborgenen, tief im Wald, durch Fachleute geschieht, wird jetzt zum Happening für Jedermann. Vereine, Schulklassen, Organisationen machen sich auf und pflanzen ein bisschen Wald. Zwölf Pflanzaktionen quer durch den ganzen Schwarzwald-Baar-Kreis sind alleine in diesem Frühjahr angemeldet worden. Bei jeder sind 15 oder mehr Leute am Start.

Die Profis machen den Anfang

In diesem Jahr machen die Mitarbeiter des Kreisforstamts den Auftakt. Jetzt stehen sie da, auf 0,03 Hektar Fläche am Bildstöckle bei Mönchweiler, wo einst Bäume standen, aber nicht mehr viel von ihnen übrig ist.

Mit System wird hier gepflanzt.

Foto: Cornelia Spitz

Ein Loch im Wald. Eines von vielen. Es ist das Revier von Annika Bidlingmaier. Noch ehe die Pflanzer anrückten, hat sie das Areal vorbereitet – Parzellen abgesteckt, genau geplant, wo Eichen, Linden und Flatterulmen ihren Platz finden sollen, alles abgesteckt und die Stecken mit neongelber Farbe besprüht.

Wild drauflos gepflanzt wird hier nicht. Pro abgesteckter Parzelle gehören genau 25 Stieleichen im Block in die Erde, drumherum die Linden im Zwei-Meter-Abstand, und die Flatterulmen werden am Graben entlang gepflanzt, der das Gelände begrenzt. „Da ist es nochmal nasser“, lässt Bidlingmaier wissen.

Die Flatterulme sei eine seltene Baumart, gehöre aber durchaus zur natürlichen hiesigen Waldgesellschaft, lässt Dinkelaker wissen. In Bad Dürrheim und Blumberg habe man schon erfolgreiche Flächen damit kultiviert, „die ist sehr plastisch, kommt mit trockenem und auch nassem Boden gut zurecht“. Eiche und Linde kommen in der Waldvegetation hier ohnehin vor.

Störenfriede mag man nicht

500 Pflanzen haben die Forstleute an diesem Tag dabei. Und das Gelände, in dem sie tätig werden, sieht roh und unvorbereitet aus. Keine ordentlich ausgehobenen Gräben, keine aufgelockerte Erde. Fast knöcheltief stecken die Pflanzer mit ihren Gummistiefeln und Arbeitsschuhen teilweise im Matsch. „Der Boden ist gut, nicht zu fest, nicht zu locker“, stellt einer von ihnen anerkennend fest. Und Frieder Dinkelaker erklärt: „Wir legen auch Wert darauf, dass wir am Waldboden möglichst wenig machen – wenn man umgräbt, stört man damit nur den Waldboden.“ Und Störenfriede mag man nicht. Deshalb haben Annika Bidlingmaier und ihr Kollege vom benachbarten Forstrevier, Johannes Feilen, auch hölzerne Gestelle mitgebracht.

Die hölzernen Gestelle schützen die Jungpflanzen vor gefräßigen Tieren.

Foto: Cornelia Spitz

„Das ist der Pflanzschutz“, ist zu erfahren – in den Boden nahe an der jungen Pflanze gesteckt, schützt sie diese vor Wild, das seine Hörner daran reiben oder abstoßen will. Während die Nadelbäume sich selbst schützen, ist so ein Lindenstamm sich selbst überlassen – und seine jungen Triebe an der Spitze ein gefundenes Fressen für Rehe und Co.

So pflanzt man „gescheit“

Informationen wie diese gibt es für die Pflanzer, ehe sie zur Tat schreiten dürfen. „Man muss sich als Pflanzer schon ein wenig bemühen – wenn man es nicht gescheit pflanzt, geht die Pflanze kaputt, dann hat man nichts gewonnen“, erklärt der Forstamtsleiter lächelnd. Aber „gescheit pflanzen“, wie geht das eigentlich? Die Profis vom Forst machen es vor: Das Pflanzloch muss tief genug sein – „die Wurzel muss komplett gerade im Boden sein“, und auch der Umfang darf nicht zu klein gewählt sein, denn in der Baumschule wurde die sonst kerzengerade nach unten wachsende Eichenwurzel einmal gekappt, damit sie ringsherum austreiben und rundherum mehr Wasser aufnehmen kann. Zu große Wurzeln werden mit der Rebschere noch eingekürzt – „bevor man eine Wurzel verknuddelt in den Boden drückt, schneiden wir sie ab“, lässt Tom Eckert, Forstrevierleiter aus Bräunlingen, wissen.

Tom Eckert, Revierleiter aus Bräunlingen, kürzt eine Wurzel ein – auch das gehört dazu, wenn man „gescheit“ pflanzt.

Foto: Cornelia Spitz

Ratzfatz abgeschnitten wird dann auch ein krummes Ding – eine kleine Stieleiche, die am Stamm-Ansatz einen kleinen Kringel gebildet hat. „Die würde nicht gerade wachsen und müsste man sonst später wieder rausnehmen“, sagt Annika Bidlingmaier, als sie das kleine entzwei geschnittene Bäumchen auf einen Haufen wirft. „Wir legen das ja fest für 100 Jahre“, sagt Tom Eckert und packt zusammen mit den anderen Helfern fleißig an am diesjährigen Hundert-Jahre-Projekt.

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