Vortrag am Gymnasium Trossingen
: Ist es nur Reinlichkeit oder etwa Waschzwang?

Am Gymnasium Trossingen informierte der ärztliche Leiter der Luisenklinik über Depressionen im Jugendalter.
Von
red/pm
Oberndorf
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Norbert Grulke bei seinem Vortrag über Depressionen bei Jugendlichen.

Gymnasium Trossingen

Für einen Vortrag über Depressionen im Jugendalter konnte die Arbeitsgemeinschaft (AG) Gesundheit des Gymnasiums Trossingen den ärztlichen Leiter der Luisenklinik Norbert Grulke gewinnen.

Schulleiter Markus Eisele begrüßte den Gast am im Kleinen Saal des Konzerthauses und sprach seinen Dank an die AG Gesundheit sowie an das Team der Luisenklinik aus, das als verlässlicher Partner fungiert, insbesondere in Bezug auf die gute Zusammenarbeit mit der Klinikschule. Einen Dank überbrachte auch Sven Goschkowski als Initiator für die AG Gesundheit, die sich als Gruppe vor etwa zwei Jahren gegründet hat und wertvolle Impulse für die Schulgemeinschaft gibt.

Arbeitsgruppe Gesundheit

„Sagen Sie doch mal am nächsten Stammtisch: Ich habe eine Angststörung. Sie werden sehen, dass Depressionen noch immer nicht gesellschaftlich anerkannt sind“, eröffnete Norbert Grulke vor den Eltern und Lehrern des Gymnasiums Trossingen seinen Vortrag. Um so wichtiger sei es, dass sich Schulen um die psychische Gesundheit ihrer Schüler kümmerten. Das größte gesellschaftliche Hindernis sei die negative Einstellung gegenüber psychisch Kranken. Auch die Diagnose selbst gestalte sich schwierig, die Grenzen zur psychischen Störung sind oft fließend: Ist es Reinlichkeit oder Waschzwang? Trauer oder Depression?

Normal oder Störung?

Psychischen Funktionen können auf vielfältige Weise gestört sein, sei es Angst im Dunkeln, Konzentrationsstörungen oder Nervosität. Entscheidend für eine Diagnose sei der Leidensdruck der betroffenen Person. Zur Veranschaulichung der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung verwies Grulke auf verschiedene Studien wie die Bella-Studie – eine Langzeitstudie von 2003 bis 2024 – sowie die Copsy-Studie, die einen Anstieg psychischer Erkrankungen von 20 Prozent vor Corona auf 30 Prozent während und nach der Pandemie dokumentierte. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre habe sich der Anstieg bei Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr verzehnfacht.

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Mögliche Ursachen

Als mögliche Ursachen werden gesamtgesellschaftliche Faktoren genannt wie Armut, Klimawandel, Kriege und die Corona-Pandemie, schulische Belastungen durch Stress, Mobbing und Ausgrenzung sowie individuelle Faktoren durch belastende Lebensereignisse. Grulke beleuchtete biologische und psychosoziale Ursachen und Auslöser von Depressionen und depressiven Episoden, sowie deren Behandlungserfolge beziehungsweise Herausforderungen bei unbehandelten Depressionen. Er sprach auch über Diagnosekriterien und thematisierte Schutzfaktoren. Abschließend ging er auf Säulen der Behandlung bei Depression und deren Wirksamkeit ein, wobei er die Bedeutung von Sport und Bewegung hervorhob und verschiedene Anlaufstellen für Jugendliche sowie Ansprechpartner für Eltern vorstellte. Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, rundete diesen Vortrag nach Angaben der Schule ab.