Vom Lost Place zur Klinik: So sieht es im Haus Hohenbaden in Bad Dürrheim aus

Sven Wahl, Geschäftsführer der Luisenklinik, gewährt einen Einblick in das Haus Hohnenbaden – dem ehemaligen Lost Place von Bad Dürrheim.
Marc Eich„Betreten verboten“ steht nun auf neu angebrachten Schildern rund um das Haus Hohenbaden am südlichen Stadtrand von Bad Dürrheim. Der Gebäudekomplex – neben dem 1906 errichteten Haupthaus unter anderem der 1928 angebaute Friedrichsbau – war in den vergangenen über 20 Jahren eine beliebte Anlaufstelle für jene, die ein Faible für verlassene Gebäude haben.
Diese sogenannten Lost Places haben vor allem auch bei jüngeren Generationen eine gewisse Anziehungskraft – leider auch mit negativen Begleiterscheinungen. Denn bei dem bloßen Besuch im ehemaligen Kindersolebad blieb es nicht. Im Inneren wurde eine unglaubliche Zerstörungswut ausgelebt. Damit ist nun Schluss.
Sven Wahl, Geschäftsführer der angrenzenden Luisenklinik, gewährt als neuer Eigentümer einen Einblick in das denkmalgeschützte Objekt. Zumindest in den Friedrichsbau. Denn hier sind die Rückbau- und Aufräumarbeiten bereits fortgeschritten. Und hier ist auch ein sicheres Betreten möglich. Das gilt nicht für den gesamten Komplex.
Selbst vor Kirchenfenstern keinen Halt gemacht
Über große Löcher im Dach drang über die vielen Jahre Regenwasser ein und ließ die Böden aufweichen, teilweise besteht Einsturzgefahr. Doch das ist längst nicht der einzige Schaden, der hier entstand. „Im Haus ist so gut wie alles zerstört“, erklärt Wahl. Eindringlinge und Vandalen haben über Jahre dafür gesorgt, dass hier kaum mehr ein Stein auf dem anderen steht.

Selbst die Kirchenfenster sind zerstört worden.
Foto: Marc EichDas wird auch beim – mittlerweile größtenteils ausgeräumten – Friedrichsbau deutlich: Quasi sämtliche Fenster sind eingeworfen worden, selbst vor Kirchenfenstern in der ehemaligen Kapelle hat man keinen Halt gemacht. Waschbecken und Toilettenschüsseln sind zertrümmert worden. Ein dort eingebauter Aufzug wurde völlig zerstört. Aus den Treppen sind teilweise ganze Stücke herausgebrochen worden. Und selbstredend: Fast alle Wände sind mit Graffiti vollgesprüht.
Gebäude stand quasi völlig offen
Was Wahl besonders ärgert: Sonderlich schwer hat man es den illegalen Eindringlingen nicht gemacht – insbesondere deshalb, weil man als direkte Nachbarn die Leidtragenden der Situation gewesen sei. In dem seit 2004 leer stehenden Gebäude standen Türen und Fenster offen. Mehr Einladung geht fast nicht. „Und klar, wenn mal was kaputt ist, dann macht der nächste wieder was kaputt“, so Wahl. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Und das, obwohl im Friedrichsbau kurz vor der Aufgabe neben dem eingebauten Aufzug auch elektrische Leitungen und Brandschutztüren erneuert wurden. Zu gebrauchen ist davon nichts mehr.
„Hier wurden die wildesten Partys gefeiert“, weiß der neue Eigentümer, der den Komplex wieder einer Kliniknutzung zuführen möchte, um das Therapieangebot der Luisenklinik auszubauen. Angesichts von Holzböden und Strohdecken im Gebäude sei es in Kombination mit Zigarettenkippen „ein Wunder, dass es noch steht“.
Kameraüberwachung installiert
Unverzüglich, nachdem der Kauf besiegelt werden konnte, schafften die Verantwortlichen der Luisenklinik Fakten: Zum angrenzenden Wald verhindert nun ein Bauzaun den Zugang aufs Gelände, zudem sind Türen und Fenster verriegelt worden. „Ein unbefugter Zugang ist damit nicht mehr möglich“, so Wahl.
Gleichzeitig hat man eine provisorische Stromversorgung aufgebaut. Diese ermöglicht nun eine Kameraüberwachung sowie Licht in den leerstehenden Gebäuden. Damit dürften illegale Besucher dauerhaft abgeschreckt werden. Seit den Maßnahmen habe es auch keine entsprechenden Beobachtungen mehr gegeben.
Bis zum Frühjahr soll der Rückbau im Haus Hohenbaden andauern. Währenddessen wird für das Gebäude ein neues Konzept entwickelt. Der historische und teilweise denkmalgeschützte Bau bleibt also bestehen – aber nicht mehr als Lost Place und damit auch ohne negative Begleiterscheinungen.