Villinger Magdalenenberg
: Über die Verwandtschaft der Kelten

Es gibt neue Erkenntnisse zur Verwandtschaft der Kelten am Villinger Magdalenenberg. Genetische Analysen zeigen enge Verwandtschaften zwischen den Keltenstätten und geben neue Einblicke in die Machtstrukturen frühkeltischer Eliten.
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(red/pm)
Oberndorf
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Stimmungsvoll: der Magdalenenberg mit Blick auf die Villinger Südstadt.

Jens Hagen /DieHagens.com

Vor kurzem hat das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg neue Erkenntnisse zu den Verwandtschaftsbeziehungen der frühkeltischen Eliten im Land bekanntgegeben. Über Einzelheiten informiert jetzt das Franziskanermuseum in Villingen.

In einer Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig wurden erstmals die Erbgut-Sequenzen keltischer Individuen aus mehreren Grabhügeln rekonstruiert, darunter auch einiger Bestatteter vom Villinger Magdalenenberg.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die als Fürstengräber bekannten Grabhügel von Eberdingen-Hochdorf und Asperg-Grafenbühl, die mit ihren Goldfunden und kostbaren Bronzegefäßen zu den reichsten prähistorischen Bestattungen Deutschlands zählen.

Fürsten verwandt

Nun haben die DNA-Analysen ergeben: Die beiden Fürsten waren eng miteinander verwandt. Für die jetzigen Analysen wurden am MPI-EVA Zähne und Schädelknochen des Innenohrs mit neuesten Methoden beprobt und die Reste vorhandener DNA sequenziert. So konnte das Erbgut von insgesamt 31 Individuen rekonstruiert werden. Die beiden Zentralbestattungen heben sich aus der Gruppe durch ihre enge Verwandtschaft klar hervor.

Am Kapf aufgewachsen?

„Dieses Ergebnis zeigt, dass politische Macht in dieser Gesellschaft höchstwahr- scheinlich durch biologische Nachfolge vererbt wurde, wie in einer Dynastie“, so Joscha Gretzinger vom MPI-EVA in der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums. Dazu passen auch Belege zu Verwandtschaften zwischen weiteren Individuen aus den beiden Grabhügeln sowie dem deutlich weiter entfernten und etwa 100 Jahre früher angelegten Grabhügel Magdalenenberg. Der hier bestattete Fürst besaß eine Verwandtschaftsbeziehung dritten Grades zu einem Nachbestatteten von Hochdorf. Letzterer könnte am Kapf beim Kirnacher Bahnhof, einer weiteren frühkeltischen Siedlung in der Nähe Villingens, aufgewachsen sein.

Breites Netzwerk

„Insgesamt scheinen wir es bei den Kelten in Baden-Württemberg also mit einem breiten Netzwerk zu tun zu haben, in welchem politische Macht durch biologische Verwandtschaft untermauert wurde.“

Aber wie waren die Kelten über Baden-Württemberg hinaus mit Bewohnerinnen und Bewohnern des damaligen Europas der Eisenzeit verwandt? Die meisten Mitglieder der untersuchten Gruppen zeigen genetische Merkmale auf, die am ehesten im heutigen Frankreich zu finden sind, damals aber in ganz Süddeutschland verbreitet waren, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Spuren aus Italien

Darüber hinaus lassen sich bei mehreren Individuen genetische Spuren aus Italien feststellen, was in Übereinstimmung mit den in den Gräbern gefundenen Objekten steht, von denen viele charakteristische mediterrane Herstellungsarten aufweisen. Besonders die Individuen aus dem Magdalenenberg stechen durch eine weitreichende Mobilität heraus, die auf einen Ursprung in Norditalien und auf eine aktive Heiratspolitik deuten könnte.

„Die neue Studie ist ein wichtiges Puzzleteil in unserem Verständnis der europäischen Geschichte in der mittleren und späten Eisenzeit, die kaum durch Schriftquellen erforschbar ist. Das Franziskanermuseum hat beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart bereits Referenten angefragt, die die neuen Erkenntnisse im Rahmen eines Vortrags im Franziskanermuseum vorstellen können“, heißt es vom Villinger Museum.

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