Villingen-Schwenningen
: "Ich genieße das Mandat in vollen Zügen"

Bundestagswahl: CDU-Abgeordneter Thorsten Frei ist gerne im Wahlkreis und gerne in Berlin / Familienleben ist jetzt angesagt
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Von Felicitas Schück
Oberndorf
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Thorsten und Katharina Frei haben das Familienleben gut organisiert. Foto: Schück

Schwarzwälder-Bote

Victoria, Louisa und Sebastian sind begeistert, wenn sie ihren Papa im Bundestag besuchen können. "Sie kommen dann gerne auch mal mit ins Büro" erzählt Thorsten Frei.

Schwarzwald-Baar-Kreis. "Aber am liebsten fahren unsere Kinder mit dem gläsernen Aufzug im Reichstag", berichtet der Bundestagsabgeordnete schmunzelnd. Selbstverständlich unter Aufsicht. "Sie sind gerne in Berlin", stellt Katharina Frei fest. "Sie wollen aber nicht dort hinziehen."

"Für die Kinder ist es normal, dass Papa unter der Woche nicht da ist"

Als Thorsten Frei, damals Oberbürgermeister von Donaueschingen, vor vier Jahren zum ersten Mal als Bundestagskandidat für die CDU antrat, war sie noch skeptisch, ob das funktionieren würde. Das damals seit zehn Jahren verheiratete Ehepaar hatte sich ein klassisches Stadthaus in der Donaueschingen Innenstadt aus den 1930er Jahren gekauft und renoviert. "Für die Kinder ist es normal, dass Papa unter der Woche nicht da ist", erzählt Katharina Frei. "Die Jüngste, sie ist vier Jahre alt, kennt es nicht anders" ergänzt Thorsten Frei. "Es ist nicht so schlimm", wie Katharina Frei sich das zuerst vorgestellt hatte. "Wir wohnen ja auch in einer sehr schönen Region, haben Freunde und eine gute Nachbarschaft". Dort fühlt sich die gebürtige Stockacherin wohl.

Inzwischen habe sich alles gut eingespielt, auch organisatorisch. Katharina Frei, die Lehrerin für Englisch und Französisch ist, unterrichtet jetzt wieder an den St. Ursula-Schulen in Villingen. Im Haushalt hilft eine Brigachtalerin, mit der sich die Kinder gut verstehen und mit der das Ehepaar sehr glücklich ist. "Ich würde das ja gar nicht schaffen, die Kinder rechtzeitig von der Schule und vom Kindergarten abzuholen", erzählt die 38-Jährige. Das macht Thorsten Frei selbst gerne, wenn er keine Sitzungswochen in Berlin hat. Zum Beispiel auch jetzt in der heißen Phase des Wahlkampfes. "Die meisten Termine beginnen in dieser Zeit erst um 9 Uhr. Davor bin ich dann flexibel und kann zum Beispiel Sebastian in die Schule und die Mädchen in den Kindergarten bringen". Die Kinder hätten ein sehr normales Leben. An diesem Tag hat Thorsten Frei seine jüngste Tochter in den Kindergarten gebracht. Er bedauert, dass er das nicht öfters machen kann. "Ich fühle mich eher wie ein benachteiligter Vater" sagt er. "Für eine Familie ist dieser Beruf nicht optimal", findet auch Katharina Frei.

Doch der Beruf macht Thorsten Frei Spaß. "Ich kann sagen, dass ich das Mandat in vollen Zügen genieße", sagt der studierte Jurist, "und zwar sowohl in Berlin als auch im Wahlkreis." Das hatte er sich zunächst kaum vorstellen können, denn eigentlich war er als Oberbürgermeister glücklich. "Meine Skepsis, was die Handlungsmöglichkeiten anbelangt, ist völlig dahin", erzählt er. Als Abgeordneter mit einem sehr guten Erststimmenergebnis im Wahlkreis, wurde er sofort Mitglied in wichtigen Ausschüssen, etwa dem begehrten Auswärtigen Ausschuss. "Dort geht es um interessante Inhalte und es werden dort Entscheidungen von großer Tragweite getroffen", erzählt der 43-Jährige, der inzwischen auch Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Unterausschuss Zivile Krisenprävention ist.

Er habe im Bundestag bereits über 40 Reden halten dürfen, auch zu wichtigen Themen wie etwa der Eurokrise in Griechenland oder der Migrationsherausforderung. Fraktionsanträge im Bundestag habe er erarbeitet und an Gesetzentwürfen mitarbeiten dürfen, so Frei.

Sohn Sebastian sieht den Papa bei seinen Bundestagsreden schon mal zuhause im Fernsehen. Einmal durfte er auch mit auf die Besuchertribüne des Bundestags, als sein Vater gerade sprach. Was hat Sebastian gesagt? "Nicht viel. Er hat in seinem Alter sicher noch Schwierigkeiten das einzuordnen. Aber er war wohl trotz allem auch etwas stolz", meint der Vater.

Ist das nicht ein gewaltiger Spagat zwischen den Themen und Fragen im Wahlkreis und denen in Berlin für ihn? Überhaupt nicht. "Ich genieße beides und mache beides gerne", antwortet der gebürtige Bad Säckinger, der auch mit Leidenschaft Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag ist. Er hat auf alle Fragen, die ihm gestellt werden, eine Antwort parat. "Ich freue mich, wenn mich die Leute ansprechen."

Redet er gerne? Thorsten Frei muss nachdenken. Aber seine Frau nickt spontan. "Doch", sagt sie, "er redet gerne. Das war schon so, als er noch Oberbürgermeister war." "Ja, das stimmt. Aber Reden ist ja auch ein Stück weit der Kern von Politik, gerade im Parlamentarismus", räumt der 43-Jährige ein. Einen Rhetorikkurs habe er allerdings nie belegt.

Neben dem Laufsport gehört das Lesen zu seinen Hobbies. Bevor Thorsten Frei eine Auslandsdienstreise antritt, informiert er sich über die jeweiligen Länder nicht nur aus den Quellen des Bundestages oder des Auswärtigen Amtes. So ein Buch liegt dann schon mal auf dem Nachttisch. Ungefähr ein halbes Dutzend größere Dienstreisen im Jahr sind es, zuletzt zum Beispiel zwei Tage bei der UNO in New York. Zeit für Sightseeing bleibt aufgrund der vielen Termine nicht. "Ich versuche so viel Gesprächspartner wie möglich unterzubringen. Sobald ich fertig bin, reise ich wieder nach Hause."

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte er mit 56,7 Prozent ein sehr gutes Ergebnis. Er hofft, dass er im September mindestens so gut abschneidet. Der Wahlkampf in der heißen Phase und auch im Sommer macht ihm Spaß. "Alle meine Wahlkämpfe, ob als OB oder für den Bundestag, waren im Sommer. Viele Menschen sind in der Urlaubszeit offener und entspannter. Der Wahlkampf ist etwas legerer als sonst", erzählt Thorsten Frei. Er freut sich, dass er in dieser Zeit daheim schlafen und vor einem langen Arbeitstag das Familienleben vor allem beim gemeinsamen Frühstück genießen kann.

In den nächsten Tagen wird die Familie, zu der inzwischen auch ein Hund gehört, für kurze Zeit nach Berlin reisen. Dort hat Thorsten Frei zwischenzeitlich eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, in der alle Platz haben. Während er ein paar Termine zu absolvieren hat, wird die Familie das sommerliche Großstadtleben genießen. Und schließlich wird nächste Woche auch sein Geburtstag gefeiert. Thorsten Frei wird am 8. August 44 Jahre alt.

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