Verwaltung in Trossingen: Rathaus-Provisorium wird hergerichtet

Bürgermeisterin Susanne Irion (rechts) und Sandra Kurz (vierte von rechts) stellten dem Gemeinderat den künftigen Sitzungssaal in der Händelstraße 16 vor, in dem er ab Juli tagt.
Hans-Jürgen EisenmannMan rückte von den ursprünglichen Plänen ab, zuerst das historische Rathaus zu sanieren und dann den Anbau abzureißen, nun soll ab Juli parallel zur Sanierung des Altbaus der Anbau abgerissen werden. Dadurch spart die Stadt Baukosten.
Im Moment sind die Mitarbeiter des Immendinger Elektrotechnikunternehmens Schoner damit beschäftigt, die Beleuchtung zu optimieren und ein komplettes Datennetzwerk samt Server einzubauen. Die Kabelkanäle werden auf den Wänden montiert, Schlitze fräsen rentiert sich nicht, denn wenn die Stadtverwaltung in zwei Jahren wieder auszieht, steht die Zukunft des Gebäudes wieder offen, in Frage kommt dann sogar ein Abriss.
Wenn die Elektriker fertig sind, kommen die Maler und die Bodenleger. „Nur im Flur und zum Teil in den Büros werden neue Böden verlegt“, erläuterte Sandra Kurz, Abteilungsleiterin Hochbau bei der Stadtverwaltung, den Stadträten, die sich die Räumlichkeiten anschauten.
Kein Luxusstandard
Die Parkettböden bleiben ohnehin erhalten, auch wenn sie stellenweise Schäden aufweisen, etwa im künftigen Sitzungssaal des Gemeinderates. Abgewetzte Linoleumböden werden mit Teppichboden überdeckt. „Das ist kein Luxusstandard, sondern ein Provisorium und das darf man auch sehen“, sagte Bürgermeisterin Susanne Irion auf der Baustelle.
Viele der ehemaligen Seniorenzimmer sind nur 13 Quadratmeter groß, da passt gerade mal ein Schreibtisch rein. Für 587 150 Euro entstehen 38 Büros in der Größe von 5,20 auf 3,00 Meter sowie Räume für Hausmeister, Reinigung, Serverraum und Besprechungsraum.
Im Erdgeschoss sitzen das Ordnungsamt, das Standesamt, Personalamt und Hauptamt. Im Obergeschoss befinden sich das Bürgermeisteramt, Hoch- und Tiefbau und die EDV sowie die Digitalisierung.
Speisesaal wird zum Sitzungssaal
Der ehemalige Speisesaal des Hauses, mit einem schönen Vollholzparkettboden ausgestattet, eignet sich gut als Sitzungssaal für den Gemeinderat.
Das Ordnungsamt soll durch eine Theke besonders gesichert werden, damit „kritische Kundschaft“ nicht einfach in die Büros laufen kann. Bürgermeisterin Susanne Irion erinnerte beim Rundgang daran, dass einer Mitarbeiterin durch einen renitenten Besucher ein Finger gebrochen wurde und in einem anderen Fall ein Besucher mit einem Wellholz im Amt erschien.
Viele Baukosten intern
Vor dem Einzug der städtischen Mitarbeiter wir die Stadtverwaltung die Nachbarschaft zu einem Informationsrundgang einladen und mit Saft bewirten. Die Besucher des Ersatz-Rathauses in der Händelstraße werden durch ein Farbleitsystem zu den Büros geführt.
Bürgermeisterin Susanne Irion wies darauf hin, dass rund 25 Prozent der Baukosten Planungskosten und Nebenkosten sind. Da mit Ausnahme der Elektroplanung der größte Teil der Planungen im städtischen Hochbauamt geleistet wird, sind das größtenteils keine reellen Ausgaben, sondern lediglich interne Verrechnungen. Bei den Parkplätzen ist es schon heute in der Sackgasse recht eng, in der Umgebung gibt es ein Apartmenthaus, Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser. Vor dem ehemaligen Altenheim wird deshalb die Rasenfläche mit Rasengittersteinen zu einem Parkplatz umgestaltet, im Innenhof unterhalb des Gebäudes gibt es weitere Parkplätze für Mitarbeiter.
Bereits im vergangenen September sind mehrere Abteilungen der Stadtverwaltung umgezogen. Das Bürgerbüro, die Sozialverwaltung und das Sozialwerk sind seither im Haus „Am Marktplatz 5“ (ehemaliges NKD-Gebäude), die Vermögensverwaltung, die Finanzverwaltung, die Stadtkasse und das Gebäudemanagement sind in die Butschstraße 2 umgezogen.
Vorschläge Nachnutzung
Nach dem Auszug der Stadtverwaltung aus dem Provisorium könnte sich Stadtrat Andreas Anton (FDP) ein Mehrgenerationenwohnprojekt vorstellen. Anke Weier vom Kommunalen Kino fände ein Hostel nicht schlecht. Im Keller des Gebäudes befindet sich noch die Fahrradwerkstatt, die dienstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet ist und Menschen mit niedrigem Einkommen (gegen Nachweis) Fahrräder zur Verfügung stellt.