Trinkwasser in Bad Dürrheim: So verfliegt der Chlorgeruch

Endlich weicheres Wasser in Bad Dürrheim – wenn da nur nicht der Chlorgeruch wäre.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaDie Transportchlorung des Wassers, um trotz langer Transportwege die Qualität zu sichern, dauert an – auch wenn die technische Störung im Wasserwerk Schabelwiese behoben und die Enthärtungsanlage läuft.
Trotzdem scheiden sich hier die Geister: Manche sagen, der Chlorgeruch sei verschwunden, andere ärgern sich, er sei immer noch da. Was stimmt nun?
Der Schwimmbadmief
Nicole Schneckenburger von der Pressestelle der Stadtverwaltung bestätigt die so unterschiedlichen Wahrnehmungen gegenüber unserer Redaktion: „Die Wahrnehmung des Chlorgeruchs kann lokal sehr unterschiedlich ausfallen.“ Das hänge vom jeweiligen Zustand und Aufbau des Leitungsnetzes im Ortsteil oder Straßenzug, aber auch vom Zustand der Hausinstallationen ab.
Und: Durch die Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks und der Carix-Enthärtungsanlage habe sich die Wasserchemie verändert – insbesondere durch die weichere Wasserqualität. Möglich sei es, dass sich Ablagerungen, so genannte Inkrustationen, in alten Leitungen nun lösen. Zum anderen reagiere das zugesetzte Chlor mit dem vorhandenen, mikrobiologischen Film in Rohren und Armaturen. In Gebieten mit moderneren Leitungen oder höherem Wasserdurchfluss sei dieser Effekt aber meist geringer oder bereits zurückgegangen.
Endlich weicheres Wasser
Der Kampf um weiches Trinkwasser, den die Bad Dürrheimer seit Jahren fechten, hat sich unterm Strich aber gelohnt. Nachgefragt bei der Verwaltung verrät diese: die Wasserhärte im Versorgungsgebiet, das Bad Dürrheim-Kernstadt, den Stadtteil Hochemmingen sowie die Gemeinde Brigachtal umfasst, liege nun bei etwa 9 Grad deutscher Härte. Die Umstellung sorge also für spürbar weicheres Wasser im Vergleich zur früheren Versorgung.
Eine Reduzierung oder gar komplette Einstellung bleibt das Ziel, hänge aber von der weiteren Entwicklung und vor allem längerfristigen Stabilisierung der Wasserqualität ab. Stand heute werde weiterhin gechlort – „allerdings in einer sehr geringen Dosierung“. Bei der Transportchlorung werde das Wasser mit 0,14 Milligramm Chlor je Liter Trinkwasser nur noch im unteren Bereich der gemäß Trinkwasserverordnung zulässigen Werte für die Chlorkonzentration behandelt – der Minimalwert liege bei 0,1 Milligramm je Liter (Maximalwert 0,3 Milligramm).
Die Maßnahme erfolge in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und diene einer hygienisch einwandfreien Wasserversorgung.
Tipps für Chlorgeplagte
So unterschiedlich wie die Wahrnehmung der Bürger in puncto Chlor, so differenziert sind die Rückmeldungen an die Stadtverwaltung seit Wochen. Aber: Es werden immer weniger Beschwerden, die eintrudeln, so Schneckenburger.
Und allen, denen der Chlorgeruch zu schaffen macht, gibt sie wertvolle Tipps – in vielen Fällen lasse sich der Geruch durch einfache Maßnahmen im Haushalt nämlich reduzieren: „Wir empfehlen, regelmäßig die Perlatoren an den Wasserhähnen zu reinigen oder auszutauschen.“ Darüber hinaus sollten Filter wie Partikelfilter, aber auch Rückspülfilter in der Trinkwasserhausanschlussleitung jetzt gespült werden, um letzte Reste des Geruchs wegzuspülen. Und schließlich helfe ein kurzer Wasserdurchlauf vor der Nutzung – etwa morgens –, abgestandenes Wasser aus der Leitung zu entfernen und damit den Schwimmbadmief ebenfalls loszuwerden.
Weiches Wasser ist gut
Trotz zuletzt vieler Reklamationen freut man sich über die Wasserqualität: „Mit dem neuen Wasserwerk wurde ein wichtiger Meilenstein für eine zukunftssichere und nachhaltige Trinkwasserversorgung in Bad Dürrheim und auch Brigachtal gelegt.“ Außerdem bringe weicheres Wasser viele Vorteile für Haushalte, Geräte und Umwelt. Und was die Beschwerdeflut anbelangt, so hat man sich im Rathaus offenbar ein ordentlich dickes Fell zugelegt, denn dort lässt man verlauten: „Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass eine solche Systemumstellung eine gewisse Anpassungszeit erfordert, die wir weiterhin intensiv begleiten.“
