Sozialstation in Villingen: Hans-Peter Hable hat Maßstäbe in der Pflege gesetzt

„Optimum vor Maximum“ ist das Leitmotiv von Hans-Peter Hable, der 25 Jahre die Katholische Sozialstation leitete.
Birgit HeinigHans-Peter Hable hat die Hälfte des bisherigen Bestehens des 1975 gegründeten Pflegedienstes in Villingen miterlebt, wesentlich mitgestaltet und war verantwortlich für zuletzt 118 Mitarbeitende, die täglich zwischen 6 und 23 Uhr Hausbesuche absolvieren – aktuell 160 000 im Jahr.
Hables Credo seit 25 Jahren: „Optimum vor Maximum“ – und das beziehe sich nicht nur auf die Qualität der Pflege und Betreuung von alten und kranken Menschen zu Hause, betont Hable, sondern auch auf die Wertschätzung gegenüber dem Personal.
Vor 61 Jahren kam er in Löffingen auf die Welt, wuchs dort mit zwei älteren Schwestern auf. Nach der Schule ließ er sich zum Bankkaufmann ausbilden, war 20 Jahre lang zunächst in der Anlagenberatung, später in der Firmenkunden-Kreditberatung tätig und bildete sich berufsbegleitend zum Betriebsfachwirt weiter.
Sinnvollere Arbeit gesucht
In der Zeit zunehmender Fusionen von Kreditinstituten kamen ihm erstmals Zweifel, und er begab sich auf die Suche nach einer „noch sinnvolleren“ Beschäftigung. 2000 bewarb er sich erfolgreich um die Geschäftsführung der Katholischen Sozialstation mit Hauptsitz in der Villinger Bleichestraße. In sein künftiges Metier eingetaucht war er damals bereits mit der Betreuung zweier alleinstehender Tanten, daher kannte er die Sorgen und Nöte sowohl der zu Pflegenden als auch deren Angehörigen.
Immer Pendler geblieben
Der Vater zweier Söhne und inzwischen auch Opa von fünf Enkeln blieb immer Pendler. Die täglich zwei halben Stunden Fahrzeit habe er immer zum Abschalten genutzt und deshalb sogar genießen können, erzählt er. Denn Arbeit gab es immer genug.
Hans-Peter Hable professionalisierte zusammen mit seinem Team und dem Vorstand das damalige System aus Haupt- und Ehrenamtlichen. Und das so erfolgreich, dass die Katholische Sozialstation heute auch in Schwenningen, Brigachtal, Niedereschach Standorte und in Dauchingen eine Wohngruppe mit zwölf unterstützungsbedürftigen Bewohnern betreibt.
2016 war der Höhepunkt mit 200 000 Hausbesuchen jährlich und einer weiteren Niederlassung in Bad Dürrheim erreicht. Dann wurde das Personal knapp. Hable sorgte gemäß seinem Prinzip für ein „Gesundschrumpfen“ und man zog sich aus dem Umland von Bad Dürrheim wieder zurück.
Heute leistet die Sozialstation Pflege auf breiter Front und das auch in betreuten Wohnanlagen, freilich auch nicht-katholischen Haushalten und sogar im Gefängnis: tägliche Grundpflege, Behandlungspflege bei Krankheiten, Kombinationsbesuche sowie Hauswirtschaft. Anträge für Letzteres müsse man durch steigende Nachfrage derzeit immer häufiger ablehnen, bedauert Hable. Stark zugenommen haben auch die Beratungen, für die er zwei Mitarbeitende abordnete. 700 zum großen Teil von der eigenen Familie gepflegte Klienten benötigen und bekommen Hilfe im „Dschungel“ der Regelungen und Bestimmungen von Kranken- und Pflegekassen.
Bürokratie bindet Personal
Die Bürokratie hat auch die eigene Verwaltung fest im Griff und bindet immer mehr Personal. Wenn er Einstellungsgespräche führte, habe er schon nach wenigen Minuten gespürt, wer ins Team passe, sagt Hans-Peter Hable. Egal, ob vor ihm bisherige Bürokaufleute, Steuerfach- oder Krankenpflegekräfte saßen, das „Potenzial an Fingerspitzengefühl und Empathie“ gab den Ausschlag für oder gegen eine Anstellung in einem höchst sensiblen Lebensbereich, weil „sehr nahe am Patienten“. Während die einen mit internen Fortbildungen zu Pflegeassistentinnen ausgebildet werden, erhält jede Fachkraft eine zusätzliche Fachausbildung wie beispielsweise in der Wundtherapie, in Palliativ-Care oder als Praxisanleiter – eine bewährte Methode, die auch Hables Nachfolger Christian Fett beibehalten will.
Im Aufsichtsrat der Caritas
Dass das bundesdeutsche Pflegesystem nach Einführung der Pflegeversicherung 1995 in Not geraten sei, war mit Blick auf die demographische Entwicklung absehbar, sagt Hans-Peter Hable. Mit der Investition in Qualität und der Mitarbeiterpflege habe er frühzeitig gegengesteuert. Lange Zyklen auch hier: „Mitarbeitende bleiben bei uns zwischen zehn und 15 Jahre“. Auch darauf kann er am Ende seines Berufslebens stolz sein. Gerade wurde er in den Aufsichtsrat des Caritasverbands wiedergewählt. „Von 150 auf Null, das ist nichts für mich“, sagt er und lacht.