Sozialprojekt in Schwenningen
: „Das Modell Vesperkirche wird gebraucht – mehr denn je“

Die Schwenninger Vesperkirche geht in die Endphase – und scheint sich wieder als Erfolgsmodell zu entpuppen. Was macht die 23. Ausgabe so besonders?
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
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Endspurt in der Schwenninger Vesperkirche für drei engagierte Ehrenamtliche: (von links) Reinhold Hummel vom Organisationsteam sowie die Tagesleitungen Cornelia Knappik und Thomas Schlenker.

Mareike Kratt

Die dritte und letzte Woche der Vesperkirche ist immer die anstrengendste – in diesen Tagen kommen stets rund 200 Gäste zum Essen, zum Gespräch, zum Sich-gut-gehen-Lassen in die Pauluskirche, erzählen Cornelia Knappik und Thomas Schlenker, die in dieser Woche die Tagesleitung übernommen haben.

Auch, wenn beide „noch mittendrin“ sind, ist es für das Organisationsteam allmählich Zeit, eine erste Bilanz der 23. Vesperkirchen-Ausgabe zu ziehen. Und die kann sich, zumindest von den reinen Zahlen her, wieder einmal sehen lassen. Die Anzahl der Gäste sei ungefähr gleich wie im vergangenen Jahr, berichtet Reinhold Hummel. 2025 seien 3800 Personen gekommen.

Viele Spender

Rund 40 Prozent hätten in diesem Jahr den erforderlichen Preis von zwei Euro für das Mittagessen gezahlt, so dass mehr als die Hälfte zusätzlich für das Essen gespendet habe. Auf diese Spenden sei man mehr denn je angewiesen, deckelten sie doch den eigentlichen Essenspreis von zehn Euro. Pro Tag würden insgesamt 1000 Euro an der Kasse eingenommen.

„Die Vesperkirche kann sich wieder auf die Unterstützung von Spendern und Sponsoren verlassen“, kann Reinhold Hummel jetzt schon resümieren. Das sind etwa 300 Einzelspenden, das sind aber auch diverse Firmen-Spenden und Sponsoren.

410 Mitarbeiter

Zu den Sponsoren zählen indirekt auch die 410 Mitarbeiter: 200 Einzelmitarbeiter haben sich in diesem Jahr wieder engagiert, die andere Hälfte kommt aus den 19 Gruppen, die sich als Team angemeldet haben. Das sind zum einen Konfirmanden und Schüler – aus Janusz-Korzcak- sowie Christy-Brown-Schule und dem Gymnasium Spaichingen –, das sind aber auch Auszubildende und Mitarbeiter aus diversen hiesigen Firmen sowie Vereinsmitglieder.

Die Mischung macht’s: Dass sowohl ältere, erfahrene als auch junge Menschen zusammenarbeiten und sich ergänzen, klappe jedes Jahr aufs Neue, findet der Mitorganisator. „Besonders die jungen Menschen sind motiviert und wollen unbedingt Kontakt zu den Gästen aufnehmen“, hat Reinhold Hummel beobachtet.

Viel positive Resonanz habe es nicht nur von Mitarbeiterseite, sondern auch von den Gästen gegeben, berichtet Hummel, Leiter der diakonischen Beratungsstelle Schwenningen im Ruhestand, und betont gleichzeitig , dass sich die Vesperkirche eigentlich nicht an Zahlen messen möchte.

Großer Bedarf

Ihm persönlich habe in diesem Jahr besonders gefallen, dass Gäste oft bis zum offiziellen Schluss um 15 Uhr geblieben sind – und sich unterhalten haben. Das Bedürfnis zu reden sei da. „Die Idee ’Gemeinsam an einen Tisch’ wurde aufgegriffen und gelebt“, freut sich der Mitorganisator, der nach wie vor findet, dass das Sozialprojekt und der Kirchenraum der Pauluskirche stimmig zusammenpassen – selbst wenn in anderen Kirchenräumen möglicherweise mehr Platz für die Vesperkirche sei.

Und auch, wenn sich wieder vieles bewährt habe, macht Reinhold Hummel dennoch deutlich: „Die Vesperkirche ist kein starres Konzept, das irgendwann zu einem Ende kommt. Sie ist eine Form von Kirche heute und bleibt lebendig.“

Ein Stück Hoffnung

Auch diesmal sei wieder deutlich geworden, dass die Vesperkirche keine großen Versprechungen machen und Erwartungen wecken will, aber dennoch – gerade in aktuellen Zeiten – Hoffnung und Zuversicht verbreiten könne. Und das sei wiederum der Grund, warum viele Menschen nicht nur als Gast, sondern auch als Mitarbeiter den Weg in die Pauluskirche finden. „Das Modell Vesperkirche hat nicht ausgedient, sondern wird gebraucht – mehr denn je.“

So beschreiben die Besucher die Vesperkirche

Das Gästebuch
Im dicken Buch am Eingang der Pauluskirche können die Gäste ihre Gedanken und Erfahrungen zur Vesperkirche aufschreiben: Zitate wie „Es ist immer etwas Besonderes, hier zu sein“, „ein besonderer Ort mit Herzlichkeit, „Licht im Dunkel“, „ein langes Gespräch mit einer Helferin“, „viele liebe nette Menschen“, „Danke für das Essen und den herzlichen Empfang“, „eine tolle Sache – weiter so“ oder „Ich komme gerne wieder“ ist darin unter anderem zu lesen.