Seit 1990 im Messefieber
: „Der Messevirus hat mich nicht mehr losgelassen“

Ein kurzer Anruf hat vor 35 Jahren ihr Leben verändert. Seitdem ist die Südwest Messe aus Karin Hubers Alltag nicht mehr wegzudenken.
Von
Emelie-Doreen Baisch
Oberndorf
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Auch nach 35 Jahren bleibt Karin Huber der Südwest Messe treu.

Karin Huber

Es war im Jahr 1990, am Dienstag nach Pfingsten, als der Anruf aus dem Messebüro kam. Eine Mitarbeiterin war kurzfristig ausgefallen, dringend wurde Unterstützung im Servicebüro gebraucht – und zwar am besten sofort. Der damalige Projektleiter, ein guter Freund der Familie, fragte, ob sie sich das vorstellen könne. „Ich war bereit“, erinnert Karin Huber sich heute. Die Anforderungen: jemand, der mit Menschentrubel umgehen kann und auch unter Stress einen kühlen Kopf behält. „Der Messevirus hatte mich und er hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.“

Zuvor war sie viele Jahre als Fachkraft für Rechtsanwälte tätig, später in der EDV-Beratung und Kundenschulung im juristischen Bereich. Nach der Geburt ihres Sohnes legte Huber zunächst eine berufliche Pause ein – bis die Messe rief. Was als vorübergehender Einsatz begann, entwickelte sich zu einer vielseitigen Tätigkeit. „Ich habe im Laufe der Jahre in den unterschiedlichsten Bereichen der Messeorganisation mitgearbeitet und unterstützt und tue das bis heute.“ Geboren in Schwenningen, ist sie ihrer Heimatstadt immer verbunden geblieben. „Ich fühle mich hier in Villingen-Schwenningen sehr wohl.“

Abwechslungsreicher Messealltag

Hubers Arbeitstag beginnt stets mit dem Blick in die Zeitungen: Pressebeobachtung gehört fest dazu – und die Freude ist groß, wenn sie dabei Berichte über die Messen und Veranstaltungen auf dem Gelände entdeckt. Zu ihren Aufgaben gehören die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Verfassen von Pressetexten, die Organisation von Terminen und Rundgängen sowie die Erstellung von Prospekten, Messezeitungen und Einladungen sowie zahlreiche weitere vorbereitende Kommunikationsmaßnahmen zum Aufgabenbereich – oft in enger Abstimmung mit dem Team in Mannheim.

Besondere Freude bereitet ihr die Abwechslung. Gleichzeitig sei die größte Herausforderung die Koordination der vielen parallel laufenden Prozesse: Aussteller- und Besuchermanagement, Logistik, Technik, Sicherheitskonzepte und Öffentlichkeitsarbeit müssen Hand in Hand gehen.

Besonders prägend war für sie die Jobs for Future – die Messe für Ausbildung, Studium und Beruf, die sie von Beginn an fast 20 Jahre lang als Projektleiterin verantwortete. Von der ersten Idee über die Abstimmungen mit Schulen und Institutionen bis zur konkreten Planung der Stände. „Der erste Messetag war damals unglaublich spannend. Wird die Messe angenommen? Wie viele Besucher kommen?“ Heute ist die Jobs for Future ein fester Bestandteil im Messekalender.

Messe als Ausnahmezustand

Wenn die Messezeit ansteht, ändert sich der Rhythmus. „Die Gespräche im Team werden kürzer, die To-Do-Listen länger, die Anspannung steigt. Es ist Ausnahmezustand – aber alle ziehen an einem Strang“, erzählt Huber. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Moment, wenn am ersten Messetag morgens die Tore öffnen: „Die Hallen sind bereit, die Aussteller stehen an ihren Ständen. Mit den ersten Besuchern beginnt das Messeleben – dann weiß man: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.“ Berührende Augenblicke erlebte sie früher auch im Servicebüro, wenn Kinder, die während des Messebesuchs ihre Eltern aus den Augen verloren hatten, wieder mit ihnen zusammengeführt wurden. „Das waren sehr emotionale Momente – heutzutage dank Handy selten geworden.“

Die Arbeit hinter den Kulissen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, berichtet Huber. „Früher haben wir die Fotos noch entwickeln lassen und per Post an die Redaktionen verschickt, später kamen die Pressetexte per Fax. Heute muss alles schnell gehen – und die digitalen Kanäle sind nicht mehr wegzudenken.“

Der Blick in die Zukunft

Nach 36 Jahren Messearbeit hat sie sich entschieden, kürzer zu treten. Seit Kurzem ist Huber offiziell im Ruhestand – bleibt der Messe aber mit reduziertem Stundenumfang verbunden. „Der Messevirus ist einfach geblieben. Wer einmal dabei war, bleibt infiziert.“ In der neu gewonnenen Freizeit möchte sie mehr Zeit mit Freunden verbringen, reisen, Sport treiben und wandern. Die Südwest Messe wird dennoch ein Teil ihres Lebens bleiben – nur eben ein etwas kleinerer.

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