Seit 15 Jahren in VS: Babyklappe im Franziskusheim – ein Ort der Hoffnung und Anonymität

Joachim Spitz, Stiftungsvorsitzender der ProKids-Stiftung, vor der Babyklappe im Franziskusheim in Schwenningen.
Emelie-Doreen BaischSeit 15 Jahren gibt es am Franziskusheim in Schwenningen die Babyklappe der ProKids-Stiftung, die als letzte Möglichkeit für Mütter dient, die ihre Kinder in einer schweren, verzweifelten Notlage nicht mehr behalten können. Ungefähr alle zwei Jahre wird ein Baby dort abgelegt, eine traurige Maßnahme, die bewusst als Weg in schwierigen Lebenssituationen vorgesehen ist – jedoch keinesfalls als einfacher Ausweg.
Die Babyklappe wurde von Joachim Spitz, dem engagierten Stiftungsratsvorsitzenden, ins Leben gerufen, der sich bewusst für einen anonymen, ruhigen Ort entschied, an dem Mütter in größter Stille und ohne Aufmerksamkeit Abschied von ihren Kindern nehmen können. „Ich wollte einen Ort schaffen, der wenig Platz in Anspruch nimmt, aber dennoch gut erreichbar und unauffällig ist“, erklärt Spitz, der durchdacht für den Schutz und das Wohl der betroffenen Mütter und Kinder sorgte. Das Design der Klappe ist mit größter Sorgfalt durchdacht: Die Heizung, der Feueralarm und eine Kamera gewährleisten die Sicherheit des Kindes und sorgen dafür, dass es in besten Händen ist.
Durchdachtes Design für Sicherheit und Schutz
Der Ablauf ist klar geregelt: Wird ein Baby in die Klappe gelegt, löst dies sofort einen Alarm aus. Ein Team des Franziskusheims wird umgehend benachrichtigt und holt das Kind behutsam ab. Zunächst wird das Baby in ein Krankenhaus gebracht, um es gründlich zu untersuchen. Sollte keine gesundheitliche Gefahr bestehen, wird das Kind anschließend in eine Pflegefamilie gegeben. Nach der Stabilisierung folgt die Weitervermittlung in eine liebevolle Adoptivfamilie, die ihm eine Zukunft voller Hoffnung und Fürsorge schenkt. Die Mutter bleibt während des gesamten Prozesses vollkommen anonym.

Die Babyklappe ist mit einer Heizung, einem Feueralarm und einer Kamera ausgestattet.
Foto: Emelie-Doreen BaischBabyklappe als letzte Ausweg
„Die Babyklappe soll nicht als einfache Lösung genutzt werden“, betont Joachim Spitz nachdrücklich. „Es gibt immer zuerst die Möglichkeit einer Beratung, einer anonymen oder vertraulichen Geburt. Erst wenn all dies keine Option ist, kann die Babyklappe in Betracht gezogen werden.“ Die Entscheidung, das Kind in die Babyklappe zu legen, erfolgt oft nach schwerem Abwägen und in einem Moment der Verzweiflung. „Ich wollte jedem Kind eine Chance geben“, sagt Spitz, und verweist auf die tragische Bedeutung der bewussten Entscheidung der Mütter, die sich letztlich dazu entschließen, den schweren Schritt zu gehen.
Seit der Einführung der Babyklappe hat sich eine positive Veränderung vollzogen: „Seit es die Babyklappen gibt, haben wir kaum noch Fälle von ausgesetzten Kindern“, sagt Joachim Spitz mit einem Hauch von Erleichterung, aber auch mit dem Wissen, dass hinter jeder Zahl ein Schicksal steht. „Auch wenn die Klappe nicht häufig genutzt wird, ist es wichtig, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht. Es ist alles, was zählt.“
Für die Mütter, die sich für die Babyklappe entscheiden, gibt es hinter der Klappe auch Informationsmaterial, welches sie über das weitere Vorgehen informiert. So können sie trotz ihrer Anonymität über die nächsten Schritte nachdenken und sich in einer schwierigen Zeit ein Stück weit begleitet fühlen.
Anonymität bleibt gewährleistet
Wichtig ist auch, dass keine Ermittlungen durchgeführt werden, solange das Kind keine Anzeichen von Misshandlungen oder schweren gesundheitlichen Problemen aufweist. „Die Anonymität der Mutter bleibt garantiert“, betont Spitz. Der Bau der Babyklappe wurde durch großzügige Spenden von Firmen möglich gemacht, die sich mit Hingabe für dieses so wichtige Projekt engagiert haben.