Schwimmen für den guten Zweck: Enkelin setzt einen Traum der Oma um

Und los geht’s: Verena Röck aus Schwenningen will im September den Bodensee von Überlingen nach Dingelsdorf durchschwimmen.
Nicole AmannPraktische Hilfe für Menschen in Not steht für Verena Röck im Mittelpunkt ihres beruflichen Werdegangs. Als Flüchtlingshelferin war die junge Frau drei Jahre im griechischen Camp Moria auf Lesbos tätig, wo Menschen damals unter schwierigsten Bedingungen hausten. Im Moment ist die 30-Jährige wieder in der Heimat, genießt aber nicht einfach nur ihre freie Zeit, sondern plant ein Projekt in Sachen Demenz.
Anstoß dafür war die Demenzerkrankung ihrer Großmutter und die vielen Stunden, die sie in ihrer Freizeit im Schwimmbad verbrachte, erzählt sie. Dadurch und im Austausch mit Angehörigen anderer Betroffener habe sie den Wunsch verspürt, dem Thema größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Also entstand die Idee, im Bodensee von Überlingen nach Dingelsdorf zu schwimmen. „Wir haben früher mit den Großeltern Urlaube am Bodensee gemacht. Da hat meine Oma erwähnt, sie würde diese Strecke gerne schwimmen – dazu ist es aber nie gekommen.“
Die Details zum Projekt
Die Strecke beträgt rund 2,5 Kilometer. Verena Röck traut sich das zu, weil sie schon seit ihrer Kindheit Schwimmen als Sport für sich entdeckt hat. 13 Jahre lang war sie im Team Synchronschwimmen des SSC Schwenningen. Trainieren muss sie allerdings. Denn sie will die Strecke im Rahmen der Woche der Demenz im September nicht nur kraulen sondern auch ein mit Steinen gefülltes Schlauchboot hinter sich herziehen. „Es handelt sich um ein Mitmach-Projekt“, erläutert sie.

Der Titel der Aktion auf Stein geschrieben. Im Hintergrund Verena Röck mit einem Schlauchboot.
Foto: Nicole Amann„Die Steine symbolisieren die Last, die Demenz-Betroffene und Angehörige angesichts der Herausforderungen durch die Erkrankung tragen.“ Sie sind dann beschriftet mit den Sorgen und schönen Erinnerungen, die unter anderem per E-Mail zusammengetragen werden unter einer speziell dafür eingerichteten Adresse: zwischen.ufern@gmail.com. Die Beschriftung erfolgt in Kohle- oder Kreideschrift, damit keine giftigen Stoffe in den See gelangen. Steine dürfe man auch nicht einfach vom Seeufer entfernen, sondern müsse sie anders beschaffen.
Bekannt macht sie das Projekt unter anderem in ihrem Newsletter. Außerdem ist sie in Kontakt mit dem Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), für die sie Spenden mit Hilfe dieser Aktion sammeln will. „Die DZNE widmet sich der Erforschung von Demenzerkrankungen“, berichtet sie. Ein bedeutender Aspekt, wenn man diese Erkrankungen im besten Fall einmal heilen will.
So viel Zeit wird sie benötigen
Verena Röck geht davon, dass sie die Strecke Überlingen – Dingelsdorf in etwa einer bis eineinhalb Stunden, je nach Wetter und Strömung, bewältigen kann. Zwei- bis dreimal die Woche trainiert sie derzeit mal im Bodensee, mal im Freibad. „Ich freue mich mega drauf“, sagt sie. Das Projekt sei inzwischen größer als sie gedacht habe. Über Mundpropaganda habe die Info Kreise gezogen. „Ich sehe einen großen Wert in der Möglichkeit, Menschen neu bewusst zu machen, dass sie mit diesem Thema nicht allein dastehen.“

Verena Röck bei einer Trainingseinheit am Bodensee.
Foto: Nicole AmannIm Bodensee müsse man sich anders orientieren als im Schwimmbecken mit den Linien am Beckenboden, die die Richtung zeigen. Außerdem sei auf dem See besonders im Sommer viel los, sagt sie mit Blick auf Schiffe und Boote. Für bessere Sichtbarkeit sorge eine Schwimmboje. „Außerdem lernt man beim Synchronschwimmen, sich auf unterschiedliche Arten über Wasser zu halten.“ Verena Röck hofft, dass möglichst viele mitmachen und ihr Erfahrungen mailen. Dass das Thema unter die Haut geht, ist schon jetzt ein Ergebnis vieler Reaktionen.
Wer seine Erfahrungen teilen möchte: zwischen.ufern@gmail.com
Hintergrund
Was ist das DZNE?
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Neurodegenerative Erkrankungen. Es ist eines von acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur „Bekämpfung“ der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden. Es gehört zu den 18 Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Siehe auch www.dzne-stiftung.de/spenden.
Demenz
Die häufigste neurodegenerative Erkrankung ist die Alzheimer-Krankheit. Sie ist die am weitesten verbreitete Form der Demenz, die zu einem fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses und anderer geistiger Fähigkeiten führt. Die zweit häufigste Erkrankung in diesem Bereich ist Parkinson.
