Schwenninger Kulturreihe
: Letzter Tango in Härings Kulturcafé

So etwas wie der „letzte Tango“ war es, zu dem Härings Kulturcafé eingeladen hatte: Nach 15 Jahren beendet Impresario Rolf Klaiber seine kleine, feine und beliebte Kulturreihe.
Von
Jörg Wenzler
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Daniel Knobelspies (links) und Manfred Schall traten zum Finale in Härings Kulturcafé auf.

Jörg Wenzler

Es war ein weinendes und ein lachendes Auge, mit dem Rolf Klaiber der Tradition entsprechend sein Publikum begrüßte.

Weinend, da dies die letzte Veranstaltung des von ihm vor nunmehr 15 Jahren ins Leben gerufenen Kulturcafés war.

Lachend, weil so viel Publikum gekommen war, dass er bereits an diesem Abend Pläne zu schmieden begann, die Veranstaltung irgendwie zu wiederholen. Auf jeden Fall wurde eine Liste geführt, für Interessenten an einer solchen allerletzten Abschlussveranstaltung – ja, was ein richtiger Showman ist, der kann es dann doch nicht so ohne Weiteres lassen.

Als Rolf Klaiber 2009 nach Villingen-Schwenningen zurückkehrte, hatte er sofort das Gefühl: Hier fehlt etwas. Natürlich verfügte die Doppelstadt mit ihren vielen Vereinen und Initiativen schon damals über ein reiches und farbenfrohes Kulturleben.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.

Es fehlt ein Farbklecks

Doch fehlte Klaiber in der bunten Palette ein Farbklecks für Kleinkunst, vom Liedermacher bis zum Kabarett, mit Einsprengseln von Jazz und Literarischem. Darum wollte er sich kümmern, und er begab sich gleich auf die Suche nach einer geeigneten Spielstätte – die er dann im altehrwürdigen Café Häring in Schwenningen fand.

Dort hat er sich dann in den vergangenen 15 Jahren intensiv mit dem Farbklecks Kleinkunst befasst, überlebte die im Beruf des Impresario unvermeidlichen Höhen und Tiefen ebenso wie die Coronajahre und kann nun doch mit einigem berechtigten Stolz auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken.

Hart für einen Einzelkämpfer

Aber das Leben in dieser Kultursparte ist hart für einen Einzelkämpfer. Das Motto lautet Selbstausbeutung, denn es gibt ständig etwas zu tun, man ist allein für alles, wirklich alles zuständig, und im Lauf der Jahre zehrt das an den Kräften. So verwundert es nicht, und es verdient eigentlich Respekt, wenn der Kulturkämpfer sich nach 15 Jahren dann sagt: „Schön war’s, aber jetzt ist es genug.“

Ein alter Bekannter

Auch wenn es wohl nur Zufall war, dass dieser Abend mit Daniel Knobelspies und Manfred Schall schließlich die letzte Aufführung in Härings Kulturcafé werden sollte, so hätte es kaum besser geplant werden können, denn Knobelspies hat mit seinen Programmen wohl die meisten Auftritte in Härings Kulturcafé absolviert – ein alter Bekannter also.

Schon der Titel „Wilde Wasser“ machte neugierig, schließlich ist Knobelspies eher als Vertreter einer leisen, zurückhaltenden, eher etwas verschmitzt lächelnden Kunst bekannt. Und so präsentierten er und sein neuer Mitstreiter, der Gitarrist Manfred Schall ein abwechslungsreiches Programm mit Texten von Heine, Fontane, Hölderlin, Kästner und Brecht, mit deutschen Volksliedern, amerikanische Cowboysongs, und auch Mark Twain kam mit der Pirateninsel aus den Abenteuern des Tom Sawyer zu Worte.

Das Publikum amüsierte sich prächtig und engagierte sich klug und kenntnisreich beim in Knobelspies-Programmen schon traditionellen Quiz, diesmal natürlich zum Thema Wasser.

Ein so harmonischer Abend forderte natürlich eine Zugabe, und gewissermaßen als Zu-Zugabe schmiss Härings Kulturcafé eine Runde Sekt, und Rolf Klaiber erzählte noch ein paar Schwänke aus seinen Jahren als Impresario.