Schwenninger Kindergarten
: So entstand die Wilhelmspflege

Auf eine wechselvolle Geschichte kann die Wilhelmspflege in Schwenningen blicken, die 1852 als Kleinkinderbewahranstalt in einer Zeit großer Not und Armut entstanden ist.
Von
Jochen Schwillo
Oberndorf
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Die Schwenninger Wilhelmspflege war in früheren Jahren immer gut besucht, wie diese Fotografie aus den 1950er-Jahren zeigt.

Jochen Schwillo

Es war 1851, also gerade ein Jahr her, als 1850 durch einen großen Brand, über 100 Häuser in Schwenningen ein Raub der Flammen wurden.

Es gründete sich eine Initiative zur Gründung einer Kleinkinderschule durch die Bürgerschaft und man bat Königin Olga von Württemberg um Unterstützung, die insgesamt 80 Mark spendete, für damalige Zeiten eine große Summe.

Im Mai 1852 konnte die Arbeit der Kleinkinderschule schließlich im Hause der Flaschnerei Mehne aufgenommen werden, nachdem sich ein Komitee dafür einsetzte. Sogar der Schwenninger Gemeinderat stellte Geld zur Verfügung. Im ersten Jahr waren 35 Kinder, die betreut wurden, bereits 1854 waren es 150 Kinder, die in Gruppen den Kindergarten besuchen.

1867 erfolgt der Einzug

1864 gab es eine Eingabe beim Gemeinderat, in welcher es um einen Neubau einer Kleinkinderschule ging. Schließlich gab die Gemeinde Schwenningen die Erlaubnis für einen Bauplatz beim Leiterhäusle hinter der evangelischen Stadtkirche. Im November 1867 erfolgte schließlich der Einzug in den neuen Kindergarten. 1894 waren es 200 Kinder, die betreut wurden – es mussten Wartelisten geführt werden.

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1912 wurde die Kleinkinderschule in Wilhelmspflege geändert. Namensgeber war der württembergische König Wilhelm II. Angemeldet waren im Mai über 315 Kinder. Auch während des Ersten Weltkriegs wurden regelmäßig 200 Kinder betreut.

Nicht unbeschadet blieb die Wilhelmspflege im Dritten Reich. 1936 soll die Einrichtung in einen NSV-Kindergarten umgewandelt werden. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt schickte „braune Schwestern“ nach Schwenningen.

Standort an der Austraße

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Mai 1945 wieder mit der Arbeit begonnen. Der Kindergarten war wieder gefragt. Schon 1978 bat die Kirchengemeinde die Stadt um Planung einer neuen Wilhelmspflege im Mauthepark. 1983 stimmte der Technische Ausschuss für einen Standort an der Austraße auf dem Gelände der ehemaligen Milchzentrale. Hier fand 1992 der erste Spatenstich für die neue Wilhelmspflege statt.

Aufgrund den durch die Bundesregierung verabschiedeten Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem dritten Lebensjahr wurde auf den Erhalt der alten Wilhelmspflege hingewiesen, so dass der Jugendhilfeausschuss der neuen Einrichtung den Namen „Kindertagesstätte in der Au“ gab, die 1995 eingeweiht wurde.

Der Altbau in der Metzgergasse wurde umfassend saniert, und 1996 wurde ein den damaligen Vorschriften entsprechender Kindergarten erstellt und eingeweiht.

Wie es weitergeht

Schon länger wurde bei der Stadt eine Nachfolgeeinrichtung geplant. In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Standortmöglichkeiten. So waren schon einmal die Bürk-Villa oder das Schützenburenhaus in der Oberdorfstraße im Gespräch, wie auch ein Standort an der Alleenstraße. Mit dem jetzt geplanten neuen Standort in der Bürkstraße 1 soll schließlich die Diskussion ein Ende finden. Hier ist die Eröffnung im Herbst 2026 vorgesehen.