Schwenninger Abteilung
: Fehlalarme belasten Feuerwehr zunehmend

Mit einer eindrucksvollen Bilanz blickte die Feuerwehr Schwenningen mit der Löschgruppe Mühlhausen auf ein außergewöhnlich einsatzreiches Jahr 2025 zurück.
Von
Jochen Schwillo
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Bei der Schwenninger Feuerwehr wurden unter anderem Lea Rothfelder (von links), Armin Deufel, Daniel Bozenhardt, Fabian Wiedenhorn, Stephan Rothfelder und Fabian Henschke geehrt und befördert.

Jochen Schwillo

Abteilungskommandant Christian Krause und sein Stellvertreter Peter Kikstein präsentierten im Gerätehaus Zahlen, die die stetig wachsenden Anforderungen an die ehrenamtlichen Kräfte deutlich machten.

Insgesamt rückte die Abteilung 333 Mal aus, was im Durchschnitt 27,5 Alarmierungen pro Monat bedeutet und die Belastung der Einsatzkräfte eindrucksvoll unterstreicht. Die Bandbreite der Einsätze reichte von Routinealarmen bis hin zu komplexen Großschadenslagen, die die Mannschaft sowohl technisch als auch emotional forderten.

Besonders prägend waren 79 Brände, davon sechs Großbrände, die die Feuerwehr teilweise über viele Stunden banden. Hinzu kamen 139 Täuschungs- und mutwillige Fehlalarme sowie 106 technische Hilfeleistungen, die ebenfalls erheblichen Personal- und Materialeinsatz erforderten.

Große Herausforderungen

Als besonders belastend blieb ein tödlicher Verkehrsunfall im November in Erinnerung, bei dem ein Autofahrer noch an der Einsatzstelle starb. Die Rettung einer eingeklemmten Transporterfahrerin stellte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen, da das Fahrzeug durch massive Verformungen nur schwer zugänglich war. Glimpflicher verlief ein Unfall auf der A 81, bei dem ein Tanklastzug beteiligt war. Der Tank blieb unbeschädigt, so dass keine Gefahrstoffe austraten und sich die Lage rasch entschärfte.

Um für solche Situationen bestmöglich vorbereitet zu sein, investierte die Abteilung erneut viel Zeit in die Aus- und Fortbildung. Insgesamt wurden 31 Übungsdienste mit 1224 Ausbildungsstunden absolviert. Geübt wurden unter anderem Brandeinsätze in komplexen Gebäuden, realitätsnahe Menschenrettung, Vegetationsbrandbekämpfung sowie Einsätze unter Chemikalienschutzanzügen.

Ein besonderer Höhepunkt war die große Jahreshauptübung am Le Prom, bei der gleich drei Szenarien parallel abgearbeitet wurden: eine anspruchsvolle Höhenrettung, ein ausgedehnter Mülllagerbrand und ein simulierter Verkehrsunfall mit mehreren Betroffenen. Die Übung zeigte eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der Abteilung und die gute Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen.

Auch im öffentlichen Leben war die Feuerwehr sichtbar präsent. Brandsicherheitswachen in der Helios-Arena, der Tag der offenen Tür und die Teilnahme an der Südwest-Messe gehörten ebenso zum Jahresprogramm wie zahlreiche kleinere Veranstaltungen. Die Mannschaftsstärke blieb mit 100 Einsatzkräften stabil.

Die Jugendfeuerwehr blickte ebenfalls auf ein aktives Jahr zurück. Drei Mitglieder wechselten in den aktiven Dienst, so dass die Jugendabteilung nun 28 Jugendliche zählt. Jugendwart Sascha Schurr hob besonders hervor, dass inzwischen über 60 Prozent der aktiven Einsatzkräfte aus der eigenen Jugendfeuerwehr stammen. Diese Quote sei ein Beleg für die nachhaltige Nachwuchsarbeit und die Attraktivität des Ehrenamts, das jungen Menschen Verantwortung, Teamgeist und technische Kompetenz vermittelt.

Die Altersmannschaft pflegte ihre Kameradschaft und hielt die Verbindung zu befreundeten Wehren aufrecht. Ein Höhepunkt war der Besuch bei der Feuerwehr Schaffhausen, mit der seit dem schweren Hagelereignis vor 20 Jahren eine enge Freundschaft besteht. Manfred Weiler erinnerte an die damalige Unterstützung und die bis heute gelebte Verbundenheit, die weit über das rein Feuerwehrtechnische hinausreiche.

Viele Fehlalarme und Kleineinsätze

In seinem Grußwort ging Oberbürgermeister Jürgen Roth auf die wachsenden Herausforderungen ein, denen sich die Feuerwehr gegenübersieht. Er sicherte zu, dass zentrale Investitionen im Doppelhaushalt 2026/2027 fest verankert seien, darunter das neue geplante Ausbildungs- und Logistikzentrum sowie anstehende Fahrzeugbeschaffungen.

Gleichzeitig betonte er die zunehmende Belastung durch Kleineinsätze und Fehlalarme. Brennende Müllbehälter, Bagatellschäden und irrtümlich ausgelöste Brandmeldeanlagen führten dazu, dass Einsatzkräfte teils mehrfach täglich ausrücken müssten – oft während der Arbeitszeit. Die Stadt wolle prüfen, wie die Feuerwehr organisatorisch entlastet werden könne, ohne die Sicherheit der Bevölkerung zu beeinträchtigen.

Auch Andreas Leute, stellvertretender Kommandant der Gesamtwehr, bestätigte diese Entwicklung. Über 40 Prozent der Einsätze entfielen inzwischen auf Fehlalarme oder irrtümliche Meldungen. Viele Alarmierungen entstünden durch Beobachtungen oder Fotos, die Bürger übermitteln – häufig handle es sich um Kleinbrände, die früher selbst gelöscht worden wären. Für die Einsatzkräfte bedeute dies regelmäßige Unterbrechungen von Beruf, Familie und Freizeit, was die Belastung zusätzlich erhöhe.

Bei Einsätzen an der Spitze

Mit 281 Einsätzen im eigenen Stadtgebiet liegt die Schwenninger Abteilung stadtweit an der Spitze. Weitere 29 Einsätze erfolgten zur Unterstützung in anderen Ortsteilen oder im Rahmen der Überlandhilfe. Der Großbrand in Villingen habe erneut gezeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit der Abteilungen sei und wie sehr die Gesamtwehr von der gegenseitigen Unterstützung profitiere.

Personalien

Während der Versammlung standen Ehrungen und Beförderungen auf der Tagesordnung. Für 15 Jahre aktiven Dienst wurden Matthias Oerder, Lea Rothfelder, Fabian Wiedenhorn und Christoph Rothfuß ausgezeichnet. Armin Deufel wurde für 25 Jahre geehrt, Thomas Dippong für 40 Jahre.

Zu Feuerwehrfrau beziehungsweise Feuerwehrmann wurden Elias Beier, Florim Idrizaj, Markus Jauch, Lena Tamara Pusch, Emanuel Scduto, Cosmas Ziegler, Damian Ziegler, Oliver Kaltenbach und Fabian Schetterer befördert.

Zu Oberfeuerwehrmännern wurden Dennis Dreher, Max Hermann und Yannick Meinzer ernannt, zu Hauptfeuerwehrmännern Christian Baur und Daniel Bozenhardt. Die Ernennung zum Brandmeister erhielten Fabian Henschke und Stephan Rothfelder.